Von Mendoza zu den Seen Patagoniens

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23.10.2013 – 19.11.2013

(Mendoza, Puente del Inca, Parque Provincial Aconcagua, Valle de Uco, San Rafael, Geburtstagfeiern im Cañón del Atuél,Valle Hermoso bei Las Leñas, Malargüe, Chos Malal, Lago Aluminé, Lago Moquehue, Lago Norquinco, Lago Pulmarí, vorbei an Aluminé in den Parque Nacional Lanín und zum Lago Quillén, über Junín de los Andes nach San Martín de los Andes, “Ruta de los Siete Lagos” und Parque Nacional Nahuel Huapi (Lago Lácar, Lago Machónico, Lago Hermoso, Lago Falkner, Lago Villarino, Lago Traful), Villa Traful, Confluencia, zurück nach San Martín de los Andes und zum Lago Lolog, über Junín de los Andes zum Paso Mamuil Malal nach Chile)

An einem sonnigen Vormittag kamen wir aus den Anden hinunter nach Mendoza und schon von weitem sahen wir aus der Wüste das grüne Fleckchen, Argentiniens wichtigstes Weinanbaugebiet. Von überall her führen Wasserkanäle in die Stadt und laufen an den Straßen entlang. Wie schon in Cafayate wird das hier so wichtige Wasser zu den Weinbergen und Obstplantagen gebracht. Die Stadt und ihre umliegenden Anbaugebiete sind wie eine Oase in der Wüste – grün, belebt und wirklich schön.

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Fast alle großen Straßen Mendozas sind von alten Bäumen beschattet..

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Überall in der Stadt erblühten gerade die Jacarandas – kaum ein grünes Blatt, aber ein Meer aus lilafarbenen Blüten.

Mit über 900.000 Einwohnern ist Mendoza die viertgrößte Stadt des Landes und wird von vielen als die schönste Großstadt gehandelt. Sie ist groß aber trotzdem grün und verbreitet eine sehr entspannte Stimmung. Wein wächst vor der Haustür, auf den vielen Plazas plätschern Brunnen und im Westen der Stadt ragen die Anden mit dem höchsten Berg außerhalb des Himalaya auf. Auch das Klima in Mendoza ist angenehm – im Frühling und Sommer warm bis heiß, viele Sonnenstunden, dafür in den Nächten kühler und im Winter kann es, wenn auch selten, sogar Frost geben … ein Klima ganz nach dem Geschmack des Weins Smiley.

Wir waren gleich angetan von der Stimmung und dem Aussehen der Stadt – die vielen bepflanzten Grünstreifen und baumbestandenen Alleen tun dem Gesamtbild einer Stadt einfach gut. Viele bezeichnen Mendoza als “Falle” – einmal hier angekommen, ist es schwer wieder weiterzufahren … und genauso sollte es uns auch ergehen.

Für unsere Zeit in der Stadt suchten wir uns den Stadtteil El Challao und den Camping Suizo aus, ein vom Argentinier Lalo geführter, schöner Campingplatz mit vielen Bäumen und Pflanzen. Aus unseren geplanten zwei Nächten wurden dann auch ganz schnell drei Smiley.

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Ein schönes, schattiges Plätzchen auf dem Campingplatz in Mendoza, wo es sich bei den warmen Temperaturen hervorragend aushalten ließ..

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Schatten spendeten unzählige Büsche und Bäume.

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes in Mendoza, nachdem wirklich alle Pflichten wie Wäsche waschen, Reiseberichte schreiben und hochladen, Fotos sichern und etliches Andere erledigt waren, bestand der Tag auf dem Campingplatz wirklich mal nur aus lesen, malen und schönen Tätigkeiten – “Urlaub” Smiley.
Und genau an diesem Tag kamen wir mit dem Pärchen neben uns eingehender ins Gespräch – nun, rückblickend betrachtet, ein Glücksfall für uns – denn so lernten wir Andrea (Argentinierin) und Nacho (Spanier) kennen.
Die beiden sind ca. 10 Jahre älter als wir, haben in Spanien alles aufgegeben und reisen nun gemeinsam durch Südamerika, arbeiten nebenher (Andrea verkauft selbstgemachten Schmuck, Nacho hat 1000 Ideen, womit man in Südamerika Geld machen kann) und haben als Grobziel irgendwann Kanada im Kopf Smiley. Wenn man die beiden aber näher kennt, weiß man, dass sich dieser Plan schnell ändern kann – wir sind also gespannt, wohin es die beiden irgendwann noch einmal treiben wird.

Ein richtig, richtig nettes Paar, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstanden. Die beiden gaben uns auch den Tipp mit ihnen zusammen in Mendoza Dollars zu tauschen. Wir selber hatten darüber auch schon nachgedacht. Andrea, deren Bruder bei einer Bank in Buenos Aires arbeitet und Kontakt zu einem Bankangestellten aus Mendoza vermittelt hat, nahm uns am nächsten Tag einfach mit und ermöglichte uns daher den besten Wechselkurs unserer bisherigen Reise. In einer Privatwohnung wurden dann unsere restlichen Dollars zu einem Kurs von 9,85 Pesos getauscht und wir verließen die Wohnung nicht nur mit dicken Bündeln argentinischer Geldscheine, sondern auch mit dem guten Gefühl innerhalb von knapp 20 Minuten fast 1.500US$ verdient zu haben! Nach einem gemeinsamen Einkauf und diversen Erledigungen in der Stadt, entschieden wir uns am Nachmittag spontan mit Andrea und Nacho zu grillen.

Das Essen war herrlich. Es gab Salat, Wein, Brot – und natürlich Fleisch. Nacho feuerte das Holz an und es gab Entraña und Morcilla, zwei Neuheiten für uns. Entraña ist ein Stück Fleisch, das bei den Kühen über den Rippen verläuft (dünn und mager) und Morcilla ist eine Art Blutwurst mit Zwiebeln und Kräutern, die auf dem Grill heiß gemacht und dann auf Weißbrot gestrichen wird. Es schmeckt ein bisschen wie eine sehr lecker gewürzte, heiße Leberwurst auf Brot. Uns hat es jedenfalls geschmeckt, auch wenn wir ja sonst eigentlich keine Blutwurst-Freunde sind Smiley.

Nach diesem Grillen und auf Grund der Tatsache, dass wir unseren von einem Stein penetrierten Reifen immer noch vulkanisieren lassen mussten, konnten wir dann auch ohne schlechtes Gewissen die vierte und fünfte Nacht in Mendoza verbringen. Für die Gomeria war es ja inzwischen sowieso zu spät und da die Vulkanisation mindestens 24 Stunden dauern würde, mussten wir sowieso bis Montag warten…

Erst am besagten Montag kamen wir (endlich?) aus der Mendoza-Falle fort, verabschiedeten uns von Nacho und Andrea und fanden nach langem Suchen in der Stadt eine Gomeria mit Vulkansierungsmaschine. Für drei Tage gaben wir nun den Reifen in ihre Obhut. In der Zwischenzeit wollten wir noch einmal versuchen uns den Aconcagua aus der Nähe anzusehen und fuhren über die Nordroute aus Mendoza nach Uspallata zurück und fanden einen Übernachtungsplatz in einem trockenen Flussbett, mit Blick auf die schneebedeckten Anden.

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Ein typischer Übernachtungsplatz in einem trockenen Flussbett – hier kurz vor Uspallata.

Das Wetter am nächsten Morgen war wunderbar und so standen unsere Chancen gut, dass wir am heutigen Tag endlich den höchsten Berg Südamerikas zu Gesicht bekommen würden. Durch ein zunächst großzügiges Tal geht es von Uspallata in die Berge, immer höher hinauf und vorbei an dem – nach europäischen Maßstäben – doch recht mickrigen Ski-Ort Los Penitentes.

Wie alle Touristen, hielten auch wir an der Puente del Inca. Schon 1646 wurde diese Natursteinbrücke von den Spaniern beschrieben, auf der die Inkas den Río de las Cuevas überquerten. Das Farbspiel der roten Felsen, die mit weißen und gelben Schwefelablagerungen überzogen sind, ist ein toller Anblick. Engländer nutzten im 19. Jahrhundert die hier ebenfalls aus der Erde sprudelnden Thermalquellen als Heilbäder und bauten einen Hotelkomplex, den sie im frühen 20. Jahrhundert wieder aufgaben. Jetzt existieren hier nur noch die Überreste der Bäder und des Hotels. Da die Entnahme des heißen Wassers für die Bäder zu einer Veränderten Mineralzusammensetzung im Wasser geführt hat, welches die Natursteinbrücke umfließt, haben sich inzwischen Risse gebildet  und während früher sogar PKWs hier den Fluss querten, ist seit ein paar Jahren das Betreten der Brücke aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt – es besteht Einsturzgefahr.

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Die nun leider einsturzgefährdete “Puente del Inca” und die Gebäude des ehemaligen Thermalbades.

Nur ein paar Kilometer weiter und kurz vor der Grenze zu Chile erreichten wir dann den Parque Provincial Aconcagua. Viele stoppen nur am Haus der Parkverwaltung, von wo aus man in einer Minute den Mirador de Aconcagua erreicht. Wir hingegen wollten noch ein bisschen weiter hinauf und entschieden uns für die “Wanderung” zur Laguna Horcones, für die man 10 Pesos pro Person zahlt, dann aber einen besseren Blick auf den 6.962m hohen Berg und seine mächtige Südwand hat. Hier zeigte sich mal wieder ein typisches Beispiel warum es hier so wenige ausgezeichnete Wanderwege gibt … es muss etwas mit der Laufbereitschaft der Südamerikaner zu tun haben. Smiley  Was hier als Wanderung von den Rangern angepriesen wird, erinnert manchmal eher an einen Naturlehrpfad im Stadtpark.

Der höchste Berg der Welt außerhalb Asiens ist ein gewaltiges Felsmassiv mit fünf Hanggletschern. Es fehlt dem Aconcagua zwar die elegante Form eines Licancabur-Vulkans, doch strahlt er trotzdem eine besondere Faszination aus – vermutlich weil er so massig ist.
Die Herkunft seines Namens ist umstritten. Ins Spiel gebracht werden “Akon-Kahuak” (steinerner Wächter) aus der Quechua-Sprache, “Kon-Kawa” (verschneiter Berg) aus der Sprache der Aymara oder “Akon-Cahuac” (der, der von der anderen Seite kommt) aus der Sprache der Mapuche.

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Der wuchtige Aconcagua zwischen seinen Nachbarbergen.

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Ein  Blick auf die mächtige Südwand des höchsten Berges außerhalb Asiens.

Dem Schweizer Matthias Zurbriggen ist 1897 die erste bestätigte Besteigung des Berges gelungen, doch der Fund einiger Inka-Mumien auf einer Höhe von 5.300m im Jahr 1985 beweist, dass schon viel früher Menschen in diese eisigen Höhen vordrangen. Und auch heute hat die Faszination der Höhe nicht nachgelassen und jährlich pilgern Bergsteiger hinauf. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt haben wir eine Besteigung gar nicht erst in Erwägung gezogen, und fuhren daher nach unserem Kurzbesuch – mehr erlaubt nämlich das Ticket, dass am Parkeingang erhältlich ist auch nicht – über die südliche Route zurück in Richtung Mendoza. Bewilligungen für längere Touren im Park sind angeblich nur in Mendoza zu bekommen und sind dann auch gleich wesentlich kostspieliger.

So kehrten wir am nächsten Tag ein letztes Mal nach Mendoza zurück, und verbrachten einen herrlich warmen Tag auf Lalos Campingplatz, bevor wir am folgenden Morgen den jetzt zum zweiten und hoffentlich letzten Mal reparierten Reifen abholten und uns in Richtung Valle de Uco aufmachten. Unser Ziel war das Haus des Belgiers Richard und seiner Frau Catherine, der uns in Uspallata seine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte. Wir waren gespannt auf das Haus und die Geschichten der beiden, die 18 Jahre mit einem Unimog der Firma Unicat um die Welt gefahren waren. Aus Mendoza hatten wir uns angekündigt und fuhren dann gemächlich durch die schöne Landschaft des Valle de Uco in Richtung ihres Hauses. Kilometerweit reiht sich hier eine Bodega an die nächste. Nichts als Wein, Wein und noch mehr Wein.

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Im Valle de Uco reiht sich Weingut an Weingut – Auch hier wird jede Pflanze per Tröpfchenbewässerung versorgt.

Das schöne Wetter aus Mendoza hatten wir leider vollständig hinter uns gelassen als wir das Designer-Haus mit deckenhohen Fenstern in (innen wie außen) strahlendem Weiß erreichten. Ein japanisch-angelegter Garten führte zum Eingang, über dem langen Esstisch hingen zwei Kristallkronleuchter und aus den Panoramafenstern des Schlaf-, Wohn- und Esszimmers fielen unsere Blicke auf die schneebedeckten Anden. Da gibt’s schon schlechtere Ausblicke Smiley.

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Richards und Catherines Haus vor der verschneiten Bergkulisse.

Die Lage ist traumhaft, auch wenn der Stil des Hauses sonst nicht so unser Ding war. Richard und Catherine waren sehr nett und  geborene Gastgeber: Während wir mit Richard Kaffee tranken und uns unterhielten, bereitete Catherine das Abendessen vor. Zusammen mit einem weiteren belgischen Paar, das ebenfalls gerade zu Besuch war, würden wir heute Abend ein Festmahl serviert bekommen. Vorher durften wir noch schnell unter ihre Gästedusche hüpfen und kamen dann passend zum Abendessen zurück, um Lou und Michelle, die anderen Belgier, kennenzulernen.

Unter den Kristallkronleuchtern, die ihre warmes Licht auf die Wände warfen, saßen wir am langen Esstisch mit weißen Platzdeckchen und stießen mit zwei Flaschen Champagner auf den Abend an. Catherine hatte einen riesigen Rinderbraten mit Knoblauchzehen gespickt und für mehrere Stunden im Ofen gegart, grünen Spargel gedünstet, zwei Salate vorbereitet und knusprige Rosmarin-Bratkartoffeln aufgetischt, nachdem wir als Vorspeise Guacamole und eine Thunfischcreme auf Cracker streichen konnten. All diese Köstlichkeiten konnten von uns dann mit einem steten Fluss chilenischen Pinot Noirs hinuntergespült werden, den Richard immer wieder hervorholte. Ein unvergesslicher Abend – und das nicht nur wegen dem absolut grandiosen Essen, sondern auch wegen der Tatsache, dass wir kurz vor dem Abendessen Zeugen unseres ersten Erdbebens wurden Smiley.
Die Erschütterungen hatten wir zwar nicht einmal bemerkt, aber plötzlich fingen ganz unvermittelt beide Kronleuchter gleichzeitig an zu schwingen und reagierten – wie wir später erfuhren – auf ein Beben aus Chile mit der Stärke 6.9. Bei uns angekommen, reichte es nur noch für das sanfte Schwingen der Leuchter – zum Glück.

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Richard entkorkt den Champagner vor unserem fulminanten Abendessen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück unterhielten wir uns noch eine Weile mit Catherine und Richard und bedankten uns für die Gastfreundschaft sowie das unglaubliche Essen. Die beiden sind wirklich sehr nett, vor allem mit Catherine kann man sich gut unterhalten. Dabei führte unsere geteilte Leidenschaft für Reisen mit dem eigenen Fahrzeug zu reichlich Gesprächsstoff, aber trotzdem wurde deutlich, dass wir – nicht nur finanziell –  in anderen Welten leben.  So verabschiedeten wir uns also von den beiden und ihrem äußerst niedlichen Kätzchen Wookie, und machten uns mit ein paar Tipps, die uns die beiden noch mitgaben, wieder auf den Weg.

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Kätzchen Wookie, die während des ganzen Festmahl auf Florians Schoß schlief.

Und zwar in Richtung San Rafael – nach Süden. Nach einer Übernachtung in der Wüste erreichten wir den Ort, der ein bisschen wie Mendoza in Miniaturausgabe ist Smiley. Auch hier ist es grün und es gibt Wein, nur noch nicht so viele Touristen. Die sind aber auf dem Vormarsch. Kein Wunder, liegt doch der wunderschöne Cañón del Atuél gleich vor der Haustür. Wir nutzen die Stadt zum Aufstocken unserer Vorräte und für das Internet, bevor wir in den Canyon fuhren und dort auf dem Campingplatz Río Azul drei Tage bleiben wollten, um meinen nahenden Geburtstag zu feiern.

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Ein schöner Ort, um Geburtstag zu feiern – der Río Atuél.

Das Wetter war herrlich – warm, ein leichter Wind, und überall im Canyon begann langsam der Ginster zu blühen. Ein wunderschöner Anblick, vor allem vor der Kulisse des rauschenden Río Atuel, der direkt neben unserem Stellplatz in seinem türkisen Blau vorbeirauschte. Ein schöner Platz, um die nächsten paar Tage zu verbringen. Als wir am ersten Nachmittag draußen neben dem Auto in der Sonne saßen und Hörbuch hörten, liefen auf einmal Nacho und Andrea auf uns zu, das nette Paar, das wir in Mendoza kennengelernt hatten! Smiley

Unsere Freude war natürlich groß. Bei unserer Abfahrt aus Mendoza hatten wir den beiden grob gesagt, wohin wir in den nächsten Tagen fahren würden und dass es doch nett wäre, wenn wir uns zufällig nochmal über den Weg laufen würden … und so war es dann auch Smiley.

P1090560-Argentinien 3 (2)Ein Bild zusammen mit Nacho (Kurzform für Ignacio) und Andrea.

Andrea und Nacho blieben, wie wir, drei Tage auf dem Campingplatz. Jeden Abend wurde Wein aufgetischt, zusammen gegessen und viel erzählt – über Spanien, ihre Zeit auf Teneriffa, Andreas Jugend in Argentinien und Sachen, die die beiden an Deutschland interessierten. Es war einfach nett, man kannte sich jetzt schon ziemlich gut. Es war ein Wiedertreffen unter Freunden.
An meinem 30. Geburtstag habe ich Rosinenbrötchen gebacken und wir spendierten zur Feier des Tages am Abend ein kleines Grillfest. Lange saßen wir noch bei über 25°C draußen unter den Bäumen und genossen den lauen Abend, bis ein Gewitter aufzog und den Himmel über dem Canyon mit seinen Blitzen erhellte. Ich hatte – als Novemberkind – noch nie im Sommer Geburtstag. Ein richtig schöner Tag – und ein richtig schöner Geburtstag noch dazu!

Am nächsten Morgen hieß es dann erneut Abschied nehmen von Andrea und Nacho – und dieses Mal fühlte es sich doch irgendwie endgültiger an. Ihr eigentlicher Weg sollte ja nach Norden gehen, und wir mussten weiter nach Süden – ob wir die beiden also noch mal wiedersehen würden? Wenn nicht in Südamerika, dann aber irgendwann in Deutschland oder eben Spanien, sagten wir Smiley. Und somit fuhren wir den Cañón del Atuél entlang und durch die Pampa del Diamante in Richtung Las Leñas.

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Die “Embalse del Nihuil” mit der Insel “El Submarino” (Das U-Boot) – hier wird der Río Atuél angestaut, ehe er im Cañón del Atuél weiterfließt.

Seit 1983 ist Las Leñas auf 2.200m Höhe Argentiniens beliebtester Ski-Ort. Die Pisten gehen hinauf bis auf 3.400m und das Klima ist überaus trocken und liefert daher im Winter feinsten Pulverschnee. Auch wenn Las Leñas versucht Touristen ebenfalls im Sommer anzulocken, fanden wir es ziemlich verlassen vor, als wir unseren Weg hierher einschlugen. Catherine und Richard hatten uns den Tipp gegeben hinauf nach Las Leñas zu fahren, am Endes des Asphalts jedoch nicht anzuhalten, sondern einfach weiter in die Berge hinauf zu fahren. Dort sollte es ein wunderschönes Tal mit tollem Blick geben.

Also folgten wir dem Schotterweg, der immer enger wurde und in die Berge führte. Kühe und Pferde grasten auf den steinigen Weiden und ziemlich schnell kamen wir an die ersten Schneewehen des letzten Winters, die noch die Straßen bedeckten. Kurzerhand mussten wir querfeldein die Hänge hinauf fahren, wie schon andere Fahrzeuge vor uns. Schließlich wussten wir, dass mit den tückischen Schneewehen nicht zu spaßen war. Normale Autos wären hier in keinem Fall mehr weiter hinaufgekommen, denn selbst wir hatten mit dem Pinzi schon so unsere Schwierigkeiten.

Aber der Weg und Richards Tipp haben sich gelohnt und nach einer Stunden waren wir da. Hoch über dem Valle Hermoso suchten wir uns eine ebene Fläche, blickten auf zwei stahlblaue Lagunen hinab und verfolgten die mäandernden Bögen zweier, großer Flüsse, deren Wasser von oben aussah wie Silber, das sich durch das Tal schlängelt. Ein unglaublicher Anblick, den wir solange genossen, bis die Sonne unterging.

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Blick ins wunderschöne Valle Hermoso.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder hinab und trafen am Ende des Asphalts hinter Las Leñas Lou und Michelle, die Belgier, die wir bei Richard und Catherine kennengelernt hatten. Da sie nur mit einem ganz normalen Wohnmobil unterwegs waren, mussten wir die beiden leider enttäuschen und ihnen sagen, dass es unmöglich sei, dass sie es bis ins Valle Hermoso schaffen würden. Sie taten uns wirklich ein wenig leid und fragten uns, warum Richard ihnen beiden diesen Tipp überhaupt gegeben hatte. So mussten die beiden jedenfalls umkehren ohne das Tal gesehen zu haben.

Uns führte der Weg weiter nach Malargüe, denn das war nicht mehr weit. Es ist ein Sprungbrett für Ausflüge in die Anden oder die Vulkanlandschaft von La Payunia. Auch im Winter gibt es hier viele Touristen, die preiswerter wohnen wollen, als im teuren Las Leñas. Viel gibt es in dem verschlafenen Malargüe sonst aber nicht zu entdecken. Das war uns aber egal, denn eigentlich suchten wir nur nach einen Ort mit Internet, den wir im Camping Municipal fanden. Das Internet war hier zwar sehr launisch – mal gut, mal schlecht, mal völlig weg – aber mittlerweile waren wir an einem Punkt unserer Reise angelangt, an dem es galt sich schon mal mit Rückflügen und der Rückverschiffung zu befassen.

Aus Mendoza hatten wir schon einmal nach günstigen Flügen gesucht und solche auch gefunden. Nun mussten wir diese aber auch endlich buchen – mit eher unstetem Internet ein abenteuerliches Unterfangen … denn alles funktionierte, bis auf den Bezahlvorgang. Nun war das Geld vom Konto, aber eine Bestätigung über die gebuchten Flüge gab es nicht – also mussten wir am nächsten Tag in Deutschland bei dem Reiseunternehmen anrufen, um uns nach der Buchung unserer Flüge zu erkundigen (auch nicht gerade lustig bei schlechtem Internet). Schließlich und endlich ist aber alles gut gegangen – die Flüge sind gebucht und bezahlt. Ende Februar geht es zurück aus Buenos Aires nach Amsterdam.

Und auch für den Pinzi organisierten wir den Rücktransport via Montevideo, schließlich wollen wir ihn ja nicht hier lassen auch wenn’s schön wäre Smiley!

Ein komisches Gefühl für uns beide, dass die Rückreise nun organisiert war  – einerseits schlecht, weil unsere Tage auf diesem Kontinent nun tatsächlich gezählt sind, andererseits aber schön … aus der Ferne ist Deutschland eben auch nicht schlecht und trotz aller neuen Freunde, dem guten Wein, Rindfleisch und kulinarischen Neuntdeckungen, vermissen wir die Familien und Freunde natürlich schon ein wenig. Ein guter Kompromiss wären mal zwei Monate Heimaturlaub im Februar Zwinkerndes Smiley.

Auch mit Nacho und Andrea nahmen wir von Malargüe noch einmal Kontakt auf und erfuhren mit großer Freude, das die beiden am nächsten Tag hier eintreffen würden – also ein unbedingter Grund noch einen Tag mit der Weiterreise zu warten. Außerdem schien das Internet jeden Tag unseres Aufenthaltes besser zu werden Smiley.

Also blieben wir in der Stadt und begegneten so auch zum ersten Mal Fahrrad-Lukas, einem Deutschen Anfang 20 aus Baden-Würtemberg, der seit elf Monaten alleine mit dem Fahrrad von Mexiko unterwegs ist und zu seinem Onkel nach El Bolsón in Argentinien will. Eigentlich ein sehr netter Typ. Dennoch können wir nicht verstehen, warum man all die Strapazen einer solchen Reise (vor allem mit dem Rad) bewusst alleine auf sich nehmen will?!

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Unser Fahrrad-Lukas aus Schwaben Smiley.

Wir jedenfalls, sind sehr froh, dass wir zu Zweit unterwegs sind und freuten uns noch mehr als Nacho und Andrea am Abend zu uns stießen! Die beiden Verrückten – Malargüe ist eindeutig nicht Norden, geschweige denn Kanada, liegt es doch gute 180km südwestlich von San Rafael. Aber beschweren wollen wir uns nicht, denn der nächste Tag wurde wieder ausgesprochen nett mit den beiden – Nacho kochte eine “spanische” Bolognese Sauce am Abend und lange saßen wir bei Wein draußen, obwohl das Thermometer unter 10°C sank. Irgendwie war uns wohl allen klar, dass es dieses Mal das letzte Treffen sein würde … vorerst, denn Nacho scherzte, dass wir uns dann in zwei Wochen in San Carlos de Bariloche treffen würden, als wir ins Bett gingen Smiley.

Am nächsten Tag fuhren wir fort, nachdem wir uns ausführlich von den beiden verabschiedet hatten und es ging weiter nach Süden. Zwei Tage und etliche Kilometer durch die Wüste brauchte es, bis wir endlich Patagonien erreichten.

Die erste Etappe führte uns dabei an das Ufer des Río Grande. Kurz zuvor hatten wir auf der Straße Fahrrad-Lukas getroffen und ihm Wasser und unser letztes Brot dagelassen, bevor wir am Ufer des Flusses hielten. Es war eher kühl und ziemlich windig, dennoch wollten wir unbedingt unsere Angel ausprobieren und warfen ein paar Mal zum Spaß in den trüben Fluss. Als es jedoch zu regnen begann zogen wir uns zurück und verbrachten den Abend im Wagen.

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Der erste Angelversuch am schlammigen Río Grande.

Der nächste Tag war wieder wunderschön und führte uns weiter vorbei am Reserva Natural La Payunia, eine grandiose, schwarze Lavalandschaft mit rostroten Flecken. Hier steigen zahllose, kleine und größere Vulkankegel (angeblich über 800 und damit die höchste Vulkankonzentration weltweit) und bizarre Felsen auf. Ein unglaublicher Anblick, der uns fast bis Chos Malal begleitete. Nur ein paar Kilometer hinter Chos Malal fanden wir einen windgeschützten Platz in einem Flussbett und verbrachten hier den Abend, bevor wir am nächsten Tag tatsächlich Patagonien und wieder Bäume!!! erreichten.

Von Las Lajas entschieden wir uns am nächsten Tag wieder höher in die Berge zu fahren und kurz vor der chilenischen Grenze weiter nach Süden Richtung Villa Pehuenia am Lago Aluminé abzubiegen – eine unglaubliche Strecke. Kaum kamen wir in höhere Gegenden begannen die Araukarien und damit die ersten Bäume, die ohne künstliche Bewässerung wuchsen seit Nordargentiniens subtropischen Wäldern um Salta. Eine willkommene Abwechslung erwartete uns nun zu der uns schon so vertraut gewordenen Wüste.

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Endlich wieder Bäume – die Araukarien Nord-Patagoniens!

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Manche Araukarien erinnern mit ihren Baumkronen von weitem ein wenig an Palmen.

Mit ihrem dunklen Grün und den imposanten Stämmen wachsen die Araukarien wirklich überall – sogar auf Stein, der mit ein wenig Erde bedeckt ist. Ihre typische Kronenform gibt ihnen aus der Ferne das Erscheinungsbild einer dunkelgrünen, riesigen Palme. Nicht zu vergleichen mit ihrer – wie wir finden – eher hässlichen Jugendform, die man zuweilen sogar in deutschen Gärten zu Gesicht bekommt. Auf der Strecke zwischen Grenze und Lago Aluminé gab es jedoch vorwiegend die großen Araukarien, die auf hellem Sandboden an den Hängen der Täler standen, durch die glasklare Bäche gurgelten. Ginster blühte an jeder Ecke, genauso wie gelbe und weiße Wildblumen. Wir waren in einer anderen Welt …

… in der sich aber leider auch das Wetter langsam änderte – es zog Regen auf als wir den riesigen Lago Aluminé erreichten. Mit Kiefern und Araukarien bewachsene Inseln liegen verstreut im See. Wir fuhren weiter auf dem Curcuito Pehuenia, der uns um den Lago Aluminé und zum Lago Moquehue führte. Für die Schlafplatzsuche hatten wir auf der Karte einen mit “solo 4×4” bezeichneten Weg ausgewählt, der zu einer ehemaligen Brücke an einem Fluss führen sollte. Der Weg stellte sich als schmaler, zugewucherter Holzrückepfad heraus, doch nachdem Florian einige umgestürzte Bäume entfernt hatte konnten wir dem steilen ausgewaschenen Weg mit einiger Mühe bis zum Fluss folgen. Der Schlafplatz war diesen Abstecher im Nieselregen wahrscheinlich nicht wert, aber Florian hatte eindeutig seinen Spaß, so dass es sich dann wohl doch gelohnt hat?!

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Vorbei an Südbuchen und kleinen Kiefern …

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…  zum Teil mit etwas Schräglage …

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… durch das Dickicht zur ehemaligen Brücke, unserem Stellplatz für die Nacht.

Am nächsten Tag – und bei strahlendem Sonnenschein – ging es dann weiter am Lago Norquinco und Lago Pulmarí entlang nach Aluminé, immer begleitet von Flüssen, die sich an Klarheit und blauer Farben gegenseitig zu übertreffen versuchten. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen – der gelbe Ginster und Goldmohn sehen mit ihrem Gelb und Orange vor dem blauen Himmel und den grünen Bäumen einfach umwerfend aus.

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Der Goldmohn ist überall – es gibt ihn in Orange, Gelb oder einer Mischung aus beiden Farben.

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Er mag direkte Sonne und trockene Böden –  und so zieht er sich über alle Hänge und Hügel entlang des Río Aluminé.

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Für das Reisetagebuch wurden gleich ein paar Exemplare gepresst Smiley.

Ziel war an diesem Tag ein See im nördlichen Teil des Parque Nacional Lanín, der Lago Quillén. 150km erstreckt sich der Nationalpark entlang der Grenze zu Chile und ist benannt nach dem gleichnamigen, schneebedeckten Vulkan Lanín (3.776m), der an vielen Stellen aus dem Park zu sehen ist.
Der Lago Quillén ist in diesem Park dabei nur einer der vielen Seen des Seengebietes Nord-Patagoniens, beherbergt an seinen Ufern allerdings den dichtesten Araukarienwald des ganzen Parks. Auf einem der kostenlosen Campingplätze am See genossen wir den Tag, immer mit Blick auf den mächtigen Lanín, der hinter dem See aufragte. Graukopfgänse spazierten über die Wiesenflächen, Apfelbäume blühten und im Wald, um den Pinzi herum, lieferten sich Chimango Caracaras immer wieder wilde Fluggefechte.

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Blühende Apfelbäume am Lago Quillén.

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Der Pinzi  im Südbuchenwald, während der schneebedeckte Vulkan Lanín in der Ferne über den See ragt.

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Der Morgennebel wabert aus den umliegenden Wäldern über den Lago Quillén.

Der folgende Tag brachte uns dann zurück in die beiden Städte Junín und San Martín de los Andes, wo wir nach einigem Suchen auf dem Mapuche Campingplatz Lolen einen Platz zum Übernachten fanden. Direkt am Lago Lácar reparierten wir Einiges am Auto im steten Wind, ehe wir am Abend die Feuer-beheizte Dusche genossen, die Juan, der Besitzer, für uns angeheizt hatte. Eigentlich ein schöner Tag, hätte es nicht schon am Abend heftig zu regnen begonnen.
Auch die Nacht hatte am Regen nichts geändert. Es schien eher so, als würde es erneut heftiger, sobald wir aufgestanden waren. Schnell waren unsere Schuhe durchnässt und wir trugen die Feuchtigkeit mit hinein in den Pinzi – leider eine Unvermeidbarkeit bei solchem Wetter. Mit uns auf dem Campingplatz war noch ein einsamer, argentinischer Backpacker, nicht mal 20, den wir voller Mitleid mit zurück nach San Martín nahmen – er wollte nun doch lieber in ein Hostel gehen Smiley.

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Bevor Regen und Schnee kamen – Abendstimmung am Lago Lacár bei San Martín de los Andes.

Damit war er wohl gut beraten, denn es regnete den ganzen weiteren Tag. Wir selber fuhren hinauf in die umliegenden Berge und wurden dort von nassem Schnee auf nur knapp 800m Höhe empfangen, der uns den ganzen Tag ins Auto verbannte. Aber wir kochten einen großen Topf Gulasch (irgendwie kann man mit dem Rindfleisch ja nicht immer nur Grillen, und schon gar nicht bei Schneeregen), und so war es schön warm im Auto.

Als hätte es den gestrigen Tag nicht gegeben, begrüßte uns am nächsten Morgen die Sonne und ein wolkenloser Himmel. Auf den Bergen lag jede Menge neuer Schnee, der unglaublich hell in der Sonne und vor dem blauen Himmel leuchtete. Vereinzelt blühten schon Lupinen an den Straßen, als wir uns auf die Ruta de los Siete Lagos (Die Route der sieben Seen) begaben und die Straßen an immer wieder neuen, smaragdgrünen Seen vorbeiführten. An der “Area Camping libre” des Lago Villarino, einem Gebiet in dem “wildes” Camping auch im Nationalpark erlaubt ist, war unsere Etappe dann aber schon wieder beendet. Zu schön lag der See vor uns und wir fanden einen windgeschützten Platz hinter einem Berberitzenbusch. Schafe liefen um uns herum und immer mal wieder kam ein Paar Pferde vorbei und grasten in unserer Gesellschaft. Am Ufer brütete ein Kiebitzpaar und meckerte sobald man sich nur irgendwie regte und wieder sausten die Chimango Caracaras durch die Lüfte. Wilde Erdbeer-Pflanzen blühten, der gelbe Ginster war überall und Südbuchen hatten sich zu den Araukarien gesellt.
Kurz um, es war einfach ein herrlicher Platz, den wir für zwei Tage genossen.

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Idylle am Lago Villarino.

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Entspannen beim Socken-Stricken Smiley.

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Am Lago Villarino.

Da es Wochenende war, hatten wir das Gebiet aber natürlich nicht immer für uns alleine. Auch die Argentinier kamen am Samstag und machten sich einen schönen Tag mit Asado am See. Uns störte das jedoch nicht weiter, waren doch – Gott sei Dank – die lauten Stereoanlagen zu Hause geblieben Smiley.

Florian versuchte sich hier wirklich vorbildlich im Angeln der riesigen Forellen, die man – schrecklicherweise – immer schon vom Ufer aus sehen konnte, ging jedoch leider leer aus. Wie gut sich doch so ein Fisch für unser Abendessen gemacht hätte – nur hätten wir nicht mal eine Pfanne gehabt, die groß genug gewesen wäre! Smiley 

Am Sonntag entschieden wir uns dann den Lago Villarino und seine verflixten Forellen, die all unsere Bemühungen ignorierten, zu verlassen um am Lago Traful in Richtung Confluencia weiterzufahren. Kaum waren wir ein paar Kilometer auf dem Schotter unterwegs, kamen uns Christa und Johann entgegen, die wir aus La Paz kannten und das letzte Mal am Paso Jama mit meinem Papa und meiner Schwester getroffen hatten. Sie hatten Iris und Wolfram im Schlepptau, alte Bekannte denen sie schon in Namibia begegnet waren. Wir unterhielten uns eine Weile am Straßenrand, stellten fest, dass auch sie mal wieder in die gleiche Richtung unterwegs waren wie wir und nahmen uns fest vor, dass wir uns nicht immer nur im Vorbeifahren treffen wollten, sondern dass wir es irgendwie mal zusammen auf einen Campingplatz schaffen mussten.

Unser “Weiter-Reise-Plan” war es, im Anschluss an die Ruta de los Siete Lagos wieder hinauf nach Junín de los Andes zu fahren und von dort über den Paso Mamuil Malal nach Chile in Richtung Pucón einzureisen, um ein wenig den Süden und die Seenregion Chiles in Augenschein zu nehmen, bevor wir über den Paso Cardenal Antonio Samoré zurück nach San Carlos de Bariloche in Argentinien fahren wollten.

Nach der Verabschiedung von den Vieren, ging es für uns aber erst einmal weiter am wunderschönen Lago Traful mit seinen vielen Steilufern entlang. Der Weg schien nur aus blauem See und gelbem Ginster zu bestehen, in der Ferne die schneebedeckten Berge.

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Erste Blicke auf den Lago Traful.

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Hinter jeder Biegung des Weges sieht es anders aus.

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Vom Mirador Villa Traful hat man einen herrlichen Blick auf die Berge im Westen, die nach dem schlechten Wetter noch immer mit etwas Schnee überzogen sind.

P1090796-Argentinien 3Am Mirador Villa Traful

Ein schöner warmer Tag, der uns über Caleufú zurück nach San Martín de los Andes brachte und für die Nacht an den Lago Lolog führte. Eine steife Brise wehte uns hier im Abendlicht entgegen, während der Blick aus unserem Fenster so aussah, als würde der Pinzi auf dem Wasser stehen, so nah standen wir am Kieselufer des glasklaren Sees.

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Ein herrlicher Stellplatz am Lago Lolog – wäre es doch nur nicht so windig gewesen Zwinkerndes Smiley.

Den vorerst letzten Tag in Argentinien wollten wir eigentlich ganz entspannt verbringen: Wir schliefen erstmal etwas länger, wollten dann ein Frühstücksei kochen und hatten uns mit unseren noch zu allen Seiten abstehenden Haaren gerade vor unseren heißen Kaffee gesetzt, da hielt ein Schweizer Camper oben an der Straße. Günther und Doris stellten sich uns vor und waren so höflich, dass sie nichts über unser noch etwas verschlafenes Äußeres sagten Smiley. Auch sie waren auf dem Weg nach Chile und dann weiter nach Feuerland – vermutlich würden wir den beiden, deren GPS-Koordinaten ihrer schon 5 Jahre andauernden Südamerika-Reise wir lustigerweise bereits nutzten, also auch noch einmal begegnen.

Nach einem doch noch sehr netten Frühstück und der immer wieder auf- und abtauchenden Gruppe Inkataucher vor unserem Fenster, ging es zurück nach Junín de los Andes. Ein paar letzte Sachen wurden eingekauft, das Internet an der Tankstelle genutzt und dann ging es der Straße nach in die Berge, zurück in einen Teil des Parque Nacional Lanín und campierten mal wieder neben einem verwunschenen Flüsschen, dem Río Malleo.

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Kurz vorm “Paso Mamuil Malal” leistet uns der Vulkan Lanín in unserer letzten Nacht in Argentinien Gesellschaft.

Morgen würden wir die Grenze überqueren, um das chilenische Seengebiet zu erkunden. Viele Reisende, die wir getroffen haben, halten diese Gegend für die schönste Region Chiles. Jetzt gilt es also sich selbst ein Bild zu machen, ob die Seen auf der Westseite der Anden mit der weitgehend unberührten Natur in Argentinien mithalten können … Smiley

Bis zum nächsten Bericht über den Süden von Chile,

K+F

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