Back in Bolivia!

Zum letzten Bericht                     BILDER BACK IN BOLIVIA                    Zum nächsten Bericht

06.08.2013 – 30.08.2013

(CHILE: San Pedro de Atacama, Calama; BOLIVIEN: Departemento Potosí: Von der Laguna Verde nach Quetena Chico, Rauf auf den Uturuncu, über Soniquera und Villa Mar zum Valle de Rocas vor Alota, über Uyuni Richtung Oruro, von Oruro nach La Paz; Departemento La Paz: La Paz, Fahrt nach Coroico und zurück über den “Camino de la Muerte”, Tiahuanaco, Laguna Tuni und Cerro Austria, Copacabana am Lago Titicaca)

Der Titel lässt es vermuten – wir haben es geschafft … und sind zurück im schönen Bolivien. Aber auch der Kurzaufenthalt in Chile hat uns gut gefallen und gab uns die Möglichkeit unsere “Rückkehr” nach Bolivien vorzubereiten. Die Einreise nach Chile bei der Migration und der Aduana, sowie der Fruchtkontrolle (von der wir ja so Einiges gehört hatten), verlief erstaunlich entspannt. Margarine, Milchpulver und sogar Schmand haben die Nahrungsmittelkontrolleurin überhaupt nicht gestört. Was natürlich gar nicht ging war Obst und Gemüse … aber die alte Gurke und unsere letzte Limette hatten wir sowieso schon zur Seite gelegt. Wir hatten sie absichtlich nicht schon weggeworfen, denn für die Mitarbeiter der SAG ist eine “Konfiszierung” ja auch immer ein kleines Erfolgserlebnis Zwinkerndes Smiley.
San Pedro de Atacama, das kleine Hippie-/ Touristen-Städtchen in der Wüste, beherbergte uns dabei für zwei Tage … und wir nutzten die Zeit im Internetcafé, um uns über eine mögliche Rückkehr nach Bolivien zu informieren.

Zunächst einmal hatte der Polizist an der Grenze Recht – maximal 90 Tage pro Jahr sind mit einem Touristenvisum in Bolivien möglich. Das hatten wir einfach nicht gewusst, sondern angenommen, dass es – wie in Argentinien, Chile oder Paraguay – nach jeder Ausreise aus dem Land erneut 90 Tage gibt. Das gilt in Bolivien aber inzwischen nicht mehr und ist vermutlich eine Antwort auf die neuen Regeln des Schengen-Raumes, die es Bolivianern nur noch erlauben sich für 90 Tage im Jahr in ihm aufzuhalten … schade für uns.

Aber …

… unsere Recherchen hatten auch ergeben, dass – natürlich – mit einem anderen Visum eine erneute Einreise möglich ist. Für uns in Frage kam das visa de objeto determinado, was so viel heißt, wie ein “Visum für einen bestimmten Zweck”. Dieses Visum wird für Ausländer ausgestellt, die in Bolivien studieren oder arbeiten wollen. Und da kam uns die Idee, dass wir dieses Visum vielleicht rückwirkend beantragen könnten – schließlich hatten wir ja in Bolivien gearbeitet! Ein kurzes Telefonat mit der deutschen Botschaft in La Paz brachte uns aber erstmal nur insofern weiter, dass sie uns aus Bolivien nicht würden helfen können. Wir sollten es doch mal mit bolivianischen Konsulaten in Chile versuchen. Gesagt getan – also suchten wir nach Konsulaten Boliviens … und fanden eines im 100km entfernten Calama.

Am nächsten Tag verließen wir somit San Pedro machten uns durch die Wüste auf nach Calama. Hier besitzt Bolivien ein ziemlich schäbiges zwei-Raum-Konsulat, in dem der Konsul und sein Sekretär agieren. Beim Sekretär im Zimmer läuft der Fernseher und es warten ständig 15-20 Leute … wir gesellten uns also dazu.
Warum auch immer, wir kamen ziemlich schnell an die Reihe und erläuterten unser Problem, welches der Sekretär nicht ganz zu verstehen schien. Da er aber wohl merkte, dass wir gerne ein Visum hätten, füllte er uns recht schnell einen Zahlschein aus, den wir bei der nächsten Bank einzulösen hatten. 85 US$ pro Person sollte uns das Visum kosten … ein Preis, den wir wirklich gerne bereit waren zu zahlen. Also zogen wir los, zahlten das Geld ein und wurden bei unserer Rückkehr direkt ins Büro des Konsuls gebeten.

Ein sehr netter Mann, der uns erklärte, dass unser gewünschtes Visum eigentlich nur mit einer vorhandenen Einladung durch einen Bolivianer oder eine bolivianische Firma/ Einrichtung ausgestellt werden könne. Unsere vorgelegten Zertifikate über die Praktika würden nicht ausreichen. Bei dieser Aussage wurde uns dann schon wieder ein wenig anders …

Allerdings könne er die Einladung ja ausnahmsweise auch telefonisch einholen – und so hatte der Konsul plötzlich das Telefon in der Hand und wählte die Telefonnummer von Dr. Oscar Romero aus Cochabamba, dem Arzt bei dem Florian sein Praktikum absolviert hatte. Ob Dr. Romero einen Florian Krauß und eine Katja Brinkert kennen würde? Die würden gerade in Calama im bolivianischen Konsulat sitzen und ein Visum haben wollen, bräuchten dafür aber die Einladung eines Bolivianers – ob Dr. Romero denn die beiden noch mal einladen würde?
Und da Dr. Romero das mit einem JA beantwortete, war der Rest Formsache und das Visum schneller in unsere Pässe gestempelt, als wir Bolivien in Gegenwart des Konsuls über den grünen Klee loben konnten!

Unsere Rückkehr war also gesichert und so ließ es sich doch recht beschwingt durch einen riesigen Supermarkt in Calama schlendern und Leckereien, wie Pisco Sour, Käse!!! und Gemüse einkaufen, auch wenn das chilenische Preisniveau kilometerweit entfernt ist von den bolivianischen Preisen! Mir war nur ein wenig mulmig, wenn ich daran dachte, dass wir über den gleichen Grenzübergang wieder zurückwollten. Was würde der bolivianische Polizist sagen, wenn wir beide wieder vor ihm standen?

Erstaunlicherweise reagierte dieser sehr nett – was aber auch daran liegen könnte, dass wir uns noch mal in aller Form bei ihm entschuldigten. Schließlich hatte er Recht mit den 90 Tagen, und wir wussten es einfach nicht. Und eh wir uns versahen, waren wir zurück im Land Smiley.

Unseren weiteren Plänen stand also nichts mehr im Weg und nach dem erneuten bezahlen der 150BS Eintrittsgebühr für das Reserva de Fauna Andina Eduardo Avaroa (das Ticket ist nämlich nur 4 Tage gültig), machten wir uns auf schnellstem Wege auf zur Laguna Polques und dem heißen Thermalpool, um all die Aufregung der letzten Tage im heißen Wasser und aufsteigenden Dampf zu vergessen. Das klappte erstaunlich gut Smiley.

P1070535

Bunte Berge im Reserva de Fauna Andina Eduardo Avaroa.

P1070539

In der “Desierto de Dalí” – der Salvador-Dalí-Wüste.

Am nächsten Tag wollten wir der Aduana wieder einen Besuch abstatten, begegneten den drei Beamten aber auf dem Weg zu ihrem eigenen Besuch der heißen Quellen der Laguna Polques und wurden kurzerhand mitten auf der Straße abgefertigt, denn alle Dokumente und offiziellen Stempel hatten die drei Männer dabei! Smiley Umso besser für uns, denn so konnten wir gleich weiter Richtung Laguna Colorada und von dort Richtung Quetena Chico, einer kleinen Siedlung am Fuße des Vulkans Uturuncu.

Seit wir in unserem Wanderführer über Bolivien von diesem 6.008m Berg gelesen haben, war der Plan gefasst. Schließich wäre es schon etwas, wenn wir einen 6.000er besteigen würden! Das Einzige, das uns hier einen Strich durch die Rechnung hätte machen können, wäre zu starker Wind oder zu viel Schnee … und um das herauszufinden, wollten wir am nächsten Tag den Gipfel erklimmen.
Wir hatten auf ca. 4.700m geschlafen und folgten dann dem Fahrweg hoch zu den alten Schwefelminen. Eine holprige Angelegenheit, die uns gut 1,5 Stunden bis zum Ausgangspunkt der Wanderung kostete. Bis auf 5.512m schaffte es auch der Pinzi … aber dann versperrten uns wieder die verhassten, überfrorenen Schneefelder den Weg, so dass hier wirklich Schluß für das Auto war.
Und so ging es ab hier zu Fuß über Stock und Stein weiter hinauf – vorbei an gelbem Schwefelschutt, dampfenden Löchern und nach faulen Eiern stinkenden Fumarolen. Und schon jetzt war die Aussicht auf das unter uns liegende Land einfach traumhaft! Über einen schmalen Fahrweg ging es hoch bis zum Sattel zwischen den beiden Gipfeln des Uturuncu auf 5.800m … und erst dann mussten wir wirklich etwas für unsere 6.000er Besteigung tun. Immer im Zickzack ging es die steilen Schuttfelder hinauf – mit winzigen Schritten und vielen Pausen arbeiteten wir uns vor.
Fast im “Vorbeigehen” loggten wir als erster Finder einen schon seit zwei Jahren auf 5.944m platzierten Geocache, den bisher noch niemand gefunden hatte und starteten anschließend unseren Gipfelsturm! Mit Erfolg – wenig später standen wir auf dem 6.008m hohen Gipfel, während unser GPS sogar 6.022m anzeigte. Der Wind pfiff uns eisig um die Ohren, aber die Sonne schien und der Blick war unglaublich. Schade nur, dass 6.000m gar nicht so hoch aussehen, wenn schon die “normale” Umgebung durchschnittlich 4.000m hoch ist Zwinkerndes Smiley.
Wir können jetzt jedenfalls sagen, dass die Besteigung des Uturuncu ein Höhepunkt unserer Reise war – und sich die Rückkehr nach Bolivien auch wegen dieses Erlebnisses auf jedenfall gelohnt hat!

Panoramabild 3

Am Fuße des Uturuncu.

P1070589

Der Aufstieg zum Gipfel.

P1070593

Geschafft!

So kehrten wir also zufrieden mit uns und der Welt um 15.30Uhr zum Auto zurück und begegneten kurz davor einem Touristen-Paar mit einheimischem Führer (in Halbschuhen), die jetzt noch hoch zum Gipfel wollten. Wir konnten darüber nur die Köpfe schütteln, da es um spätestens 18Uhr vollkommen dunkel sein würde! Hoch würden sie es im Hellen vielleicht noch schaffen – aber runter? Das hat uns nur mal wieder bestätigt, wie sinnlos es zum Teil ist, einen Guide mitzunehmen, denn zumindest in diesem Fall hat sich bestätigt, was unser Reiseführer schon anmerkte: Nur weil ein Guide “Guide” heißt, heißt das nicht, dass er bergsteigerische Erfahrungen hat!

Zur Feier des Tages gab es am Abend ein Gläschen Rotwein, Nudeln mit Pesto und ein heißes Fußbad. Ein schöner Abschluss des Tages.

Schon am nächsten Tag ging es für uns weiter, schließlich galt unser Eintrittsticket des Reserva Eduardo Avaroa nur noch bis einschließlich heute und so mussten wir den beeindruckenden Süden Boliviens nun tatsächlich verlassen. Es ging weiter durch traumhafte Landschaften mit Canyons, schneebedeckten Bergen und weiten Ebenen … und immer konnten wir auf den kurvigen Straßen einen Blick zurück auf unseren Uturuncu werfen.

Unsere Etappe führte uns an diesem Tag bis kurz vor Alota, wo es ein weiteres “Valle de Rocas” mit ebenso erstaunlich-skurrilen Felsformationen gibt, wie das im Westen der Stadt. Der ockerfarbene Stein war im warmen Abendlicht einfach traumhaft und aufgrund der Tatsache, dass es schon später Nachmittag war, hatten wir die Felsen für uns alleine. Obwohl wir uns eigentlich vorgenommen hatten noch ein bisschen weiter in Richtung Uyuni zu fahren, wurde dieser Entschluss über Bord geworfen, als wir einen herrlichen Stellplatz an einem kleinen Bach mitten in diesem Felsendschungel fanden. Hätten wir nicht nur noch 30 weitere Tage für Bolivien, wäre dies hier ein Platz gewesen, an dem man gut noch einen zweiten oder dritten Tag hätte verbringen können.

P1070763

Valle de Rocas.

DSC_0505

Valle de Rocas.

P1070816

Unser traumhafter Schlafplatz im Valle de Rocas.

Aber die Zeit hatten wir ja leider nicht und so ging es am nächsten Morgen gleich weiter nach Uyuni. Allerdings nutzten wir das staubige Städtchen nur für unsere Einkäufe und den Besuch im Internetcafé, bevor wir den Pinzi erneut starteten und Richtung Norden aufbrachen, um in den nächsten beiden Tagen nach La Paz zu kommen. Das bedeutete viel Fahrerei und weniger schöne Stellplätze, aber das war uns egal – wir wollten ja so schnell wie möglich weiter – vorbei am Lago Poopó und an Oruro, einer weiteren Minero-Stadt.

An einem Mittwochabend kamen wir ca. 25km vor La Paz in der Dämmerung zum halten. El Alto, die Stadt am Talkesselrand oberhalb von La Paz, leuchtete schon in der Ferne und wir waren froh überhaupt noch einen Stellplatz in dem schon ziemlich besiedelten Gebiet gefunden zu haben. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass es so ziemlich die letzte Möglichkeit gewesen war Smiley, als wir weiter auf Boliviens Hauptstadt zufuhren.

In La Paz und Umgebung wollten wir einige Dinge erledigen, dabei stand ganz oben auf unserer Liste der Besuch der Werkstatt des Schweizers Ernesto Hug. Hier sollte der Pinzi mal eingehender durchgecheckt werden. Den GPS Punkt seiner Werkstatt hatten wir bereits – doch es lag nun an uns durch das Labyrinth der Stadt auch dorthin zu finden.
Wenn man sich La Paz aus dem Süden nähert, sieht man zunächst nichts von dem riesigen Talkessel. Man arbeitet sich durch das endlose, nur aus roten Ziegelbauten mit mehr oder weniger neuen Wellblechdächern bestehende El Alto an den Rand des Altiplanos vor. Steil und schroff fällt das Altiplano in den Kessel hinab, wobei die Wohnhäuser wie Schwalbennester an den Hängen kleben. Jeder Hang und Hügel, der es zulässt, ist mit den kleinen Ziegelhütten bebaut. Ein wirklich verrücktes und beeindruckendes Beispiel menschlicher Architektur und dem, was die Schwerkraft so zulässt.

DSC_0546

Erste Blicke auf La Paz mit dem Illimani im Hintergrund.

Wir suchten uns bei unserer ersten Abfahrt in den Talkessel eine eher harmlosere Straße aus, die durch einige von La Paz ländlicheren und auch wohlhabenderen Stadtvierteln aus dem Süden in Richtung Zentrum führte. Hier wuchsen wieder richtige Bäume, das Klima war herrlich warm und Papageien flogen wieder durch die Lüfte – eine wunderbare Abwechslung zu dem harschen Altiplano-Wetter, in dem wir nun (mit Ausnahme unseres Aufenthaltes in Chile) fast einen Monat verbracht hatten.

Erstaunlicherweise verlief der Weg in Richtung Ernestos Werkstatt ziemlich gut für eine Großstadt, denn im Gegensatz zu Sucre oder Potosí gibt es praktisch keine Einbahnstraßen, so dass unsere recht direkt durch die Stadt geplante Route uns bis vor das Tor der Werkstatt führte. Eine unglaublich aufgeräumte und sehr saubere Werkstatt fanden wir hier vor – kein Vergleich zu dem, was man in Südamerika sonst so an den Straßenrändern sieht. Nachdem die Klingel gefunden und uns Einlass gewährt wurde, konnten wir vor der Mittagspause noch schnell mit Ernesto selbst sprechen und unser Anliegen vortragen: Der Pinzi sollte endlich die neuen, stärkeren Vorder-Achsfedern bekommen, außerdem gab es noch einen kleinen Ölverlust am Ölkühler und Routine-mäßig würden wir gerne das Motor- und Getriebeöl, sowie die Bremsflüssigkeit tauschen.
Ernesto musste uns dann aber mitteilen, dass er von Pinzgauern eigentlich keine Ahnung und auch erst in zwei Wochen Zeit für uns hätte … es sei denn, wir würden selber Hand anlegen. Das kam uns natürlich sehr gelegen – denn erstens wäre das für uns billiger und zweitens konnte Florian die Arbeiten auch gut alleine erledigen, solange er den hier vorhandenen Federspanner würde benutzen können.
So wurden wir uns mit Ernesto schnell einig, nach der Mittagspause mit einem gewaschenen Pinzi wieder vor seinem Tor zu stehen und bis zum Sonntag in der Werkstatt neben dem normalen Betrieb schlafen und arbeiten zu können.

Um den Pinzi vom Schlamm und auch endgültig von allen Salzresten unseres Südbolivien Abenteuers zu befreien, fuhren wir erneut hinauf nach El Alto, wo wir eine super Lkw Waschanlage mit netten Besitzern fanden. Auch nach Getriebeöl fragten wir hier oben in praktisch jeder Bude, die mit dem Schild “Lubricantes” warb – doch das benötigte GL4 war leider nirgends zu bekommen. Daher stand fest, dass der Wechsel des Getriebeöls vorerst von unserer To-Do-Liste gestrichen werden konnte.
Unser Ausflug von Ernestos Werkstatt hinauf nach El Alto gab uns nun aber zum ersten Mal die richtig beeindruckenden Ausblicke in den Talkessel hinein, schließlich näherten wir uns nicht langsam und ansteigend von Süden, sondern fuhren durch die einzelnen Stadtviertel auf kürzestem Weg nach oben. Wirklich unglaublich steile Straßen, teilweise so eng, das man sogar noch zurücksetzen musste, wenn sich Autos begegnen und überall Häuser, Dächer, Treppen, Gänge und immer der wuchtige Illimani in der Ferne. Einfach verrückt und beeindruckend.

Zurück in der Werkstatt, mit blitze-blankem Auto (anders hätte man sich hier hinein auch nicht getraut, so sauber ist die “Garage”), machte sich Florian direkt ans Werk. Und zwar an den Einbau der neuen und stärkeren Vorder-Achsfedern. Schon in Uyuni hatten wir uns bei den Werkstätten nach einem Federnspanner erkundigt, den es aber nirgends aufzutreiben gab. Mit Hydraulikzangen hatten sie die Federn dort komprimieren und ausbauen wollen – wirklich abenteuerliche Ideen waren uns präsentiert worden … doch keine klang erfolgversprechend. 

So lag unsere Hoffnung seit unserer Abreise aus Uyuni auf dem Besuch bei Ernesto – doch auch er hatte keine wirklich gute Idee … aber immerhin ein paar leidlich passende Federspanner. Also hieß es für Florian Zähne zusammenbeißen und es selbst probieren … und für mich die Daumen zu drücken. Und das taten wir dann auch – den ganzen Abend lang und bis in die Nacht hinein. Der Ausbau der Federn ging überraschend einfach und auch die erste der beiden verstärkten Federn ließ sich zumindest “Problem-arm” montieren. Doch dann fing die SCH**** an.
Obwohl auf den ersten Blick absolut baugleich, wehrte sich die zweite Feder mit aller Kraft. Mehrfach sprang der Federspanner trotz Sicherung ab – Gott sei Dank passierte dabei aber nichts! Es war inzwischen ziemlich kalt und dunkel geworden, wir waren müde und mussten uns daher um 1.30Uhr geschlagen geben. Vielleicht würde der morgige Tag ja mehr Glück bringen?!
Glück brachte er insofern, als dass um 17Uhr am nächsten Tag die zweite Feder ENDLICH auch an ihrem Platz saß … dass wir aber seit 8Uhr ununterbrochen daran gearbeitet hatten und es einiges an Nerven gekostet hatte, steht auf einem anderen Blatt. Aber wir waren unglaublich froh und richtig erleichtert, denn natürlich musste beim Einbau ein bisschen kriminell getrickst werden und das sorgte für eine dauerhafte Anspannung. Mal ganz davon abgesehen, dass es noch schwieriger gewesen wäre die neue und schon eingebaute Feder wieder auszubauen!
So fielen wir also am Freitag Abend völlig müde und extrem früh in die Betten und die restlichen Arbeiten erledigten wir am Samstag und Sonntag, so dass wir Montagmorgen um 8Uhr nach den vier anstrengenden Tagen die Werkstatt verlassen konnten.

DSC_0566

Ernesto Hugs Werkstatt.

DSC_0561

Der Versuch den Ölkühler abzudichten.

Mit vielen leckeren Lebensmitteln nach einem Besuch beim Supermarkt, rollten wir zurück in den warmen und tieferen Süden der Stadt, nach Mallasa. Dort befindet sich so ziemlich der einzige “Campingplatz” von La Paz – im Innenhof des Hotels Oberland. Diese Adresse ist schon seit Jahren der Anlaufpunkt für “Overlander”, wie man Reisende wie uns nennt. Somit standen die Chancen, dass wir mal wieder auf andere Reisende trafen, nicht schlecht. Und tatsächlich waren wir in den drei Tagen unseres Aufenthaltes dort insgesamt sechs Overlander Smiley. Näher kennenlernten wir davon Johann und Christa aus der Schweiz, die seit zwei Jahren mit ihrem Toyota HZJ durch die ganzen Welt fahren, Sarah und Merv aus Irland, die mit ihrem riesigen Unimog nur in Südamerika bleiben wollen, und Frank aus Deutschland, der mit seiner Super Ténéré gerade nicht so viel Glück hatte … sie stand mit defekter Lichtmaschine auf einem Andenpass und wartete auf den Abschleppdienst. Insgesamt alles sehr nette Leute, die viel über ihre bisherigen Reisen zu erzählen hatten und uns ein paar hilfreiche Tipps geben konnten.

Mal abgesehen davon, dass einem das Oberland verbietet selber Wäsche zu waschen (was wir eigentlich dringend nötig gehabt hätten), fanden wir unsere Zeit dort aber sehr erholsam. Schließlich war das Wetter gut, die anderen Reisenden sehr nett und die Anbindung an das Zentrum von La Paz ist mit öffentlichen Verkehrsmittel extrem einfach. Daher schnappten wir uns an unserem zweiten Tag, nach einem Frühstück in der Sonne ein Micro Richtung Zentrum und ließen uns durch den Trubel der Stadt chauffieren.

Das eigentliche Zentrum von La Paz mit der Plaza Murillo, dem Regierungs- und Parlamentssitz, sowie der Iglesia de San Francisco und dem Prado ist dann erreicht, wenn die bunten Hochhäuser die normalen Gebäude ablösen. Die Straßen werden voller, überall sind Taxis, Busse und Trufis, aus denen sich Leute lehnen und die Fahrziele hinausbrüllen. Wenn der Verkehr läuft, hat man Glück – wenn nicht, steigt man einfach irgendwann im Stau aus und läuft den Rest … so wie wir.

Unser erstes Ziel war dabei die Plaza San Francisco, direkt vor der Iglesia de San Francisco aus dem Jahre 1549. Diese Plaza ist die lebhafteste in La Paz und bildet den Grenze zu den Aymara-Wohnvierteln an den Westhängen. Hier saßen wir im warmen Sonnenschein auf Stufen und schauten dem bunten Treiben der Menschen zu, bestaunten die hübscheste Kolonialkirche in La Paz und warfen auch einen kurzen Blick hinein, wollten aber den dort stattfindenden Gottesdienst nicht weiter stören.

P1070835

Eingangs-Portal der Iglesia de San Francisco.

Daher machten wir uns weiter auf den Weg – als nächstes Stand nämlich der nur ein paar Blocks entfernte “Mercado de Hechicería” auf dem Plan. Dieser sogenannte Hexenmarkt wird seinem Ruf heutzutage nur noch bedingt gerecht. Gekauft werden kann hier heute nur noch zum Teil, was für Zaubersprüche und Beschwörungen gebraucht wird: Kräuter und Heilpflanzen darunter natürlich Koka, Alkohol, Lama-Wolle, getrocknete Lama-Föten, Silberlöffel und kleine Steinfiguren. Daneben gibt es nun immer mehr Läden, die die üblichen Touristen-Souvenirs verkaufen: Woll-Ponchos, T-Shirts, Schmuck.
Für uns war das daher leider eine kleine Enttäuschung. Irgendwie rechneten wir wohl mit dunklen, verwinkelten Gassen, waberndem Feuerdunst und einäugigen Frauen, die uns ihre Talismane feilboten. Aber das ist vorbei – trotzdem eine nette Straßen … und die skurrilen, getrockneten Föten sind einfach einen Blick wert Smiley.

P1070839

Das vielseitige Angebot des “Hexenmarktes”.

Weiter ging es für uns zur Plaza Murillo, dem Palacio Presidencial und Palacio Legislativo. Die beiden neoklassischen Gebäude strahlen in sonnigem Gelb und Orange und die bolivianische, sowie Indígena-Flagge wehen davor im Wind. Die Plaza selber ist wirklich schön: Viele Grünflächen, Bäume und Blumen. Frauen verkaufen an kleinen Ständen Süßigkeiten, Getränke und Taubenfutter in jeder Packungsgröße, denn diese gibt es hier wie Sand am Meer.

P1070852

Die Plaza Murillo und der Sitz des Parlamentes.

P1070849

Tauben vergiften … äh … füttern im Park.

Bevor wir dem Mercado Buenos Aires, einem etwas ordentlicheren “La Cancha” einen Besuch abstatteten, wanderten wir von der Plaza Murillo zur “Prachtstraße” von La Paz – dem Prado: Eine vierspurige Straße, in der Mitte gesäumt von prächtigen, und scheinbar zu jeder Tageszeit gewässerten Grünanlagen. Von hier aus fuhren wir am späten Nachmittag auch wieder mit dem Micro zurück nach Mallasa.

Das Ende unseres Aufenthaltes in Boliviens Hauptstadt kündigte sich an, nachdem wir den letzten Reisebericht hochgeladen hatten. Aber unser nächstes Ziel stand schon wieder fest – Coroico. Im Osten von La Paz fällt die Cordillera Real, die La Paz begrenzt, steil hinab in das Amazonas-Tiefland Boliviens. Auf ungefähr halbem Weg kommt man durch die Yungas, eine Region mit subtropischen Wäldern, die die zerklüfteten Hänge bedecken. Der Boden ist fruchtbar und die Region gesegnet durch eine Menge Regen, so dass in den warmen Yunga-Tälern Kaffee, tropisches Obst und natürlich auch Koka im Überfluss produziert wird. Hier liegt Coroico, ein ruhiges, kleines Städtchen mit vielen Geranien, Bananenstauden und singenden tropischen Vögel. Es bietet mit seinem warmen Klima das perfekte Gegenmittel zur Altiplano-Kälte. Für uns also ein sehr willkommener Kurzurlaub.
Mittlerweile gibt es von La Paz eine neue Straße hinunter ins ca. 3.000m tiefer gelegene Coroico, aber die Straße weswegen wir auch hierher unterwegs waren, wird häufig auch als “die gefährlichste Straße der Welt” oder “Camino de la Muerte” – die Straße des Todes – bezeichnet.
Unser Hinweg führte jedoch zunächst über die neue Straße, hinauf bis zum 4.700m hohen Cumbre-Pass, wo Aymara-Rituale für gesegnete Reisen abgehalten wurden, und als Beweis dafür noch die Feuer schwelten. Danach ging es immer hinab. Die Hochlandsteppe verschwand irgendwann, es wurde grüner, wärmer. Die Sonne schien und man hatte wunderbare Ausblicke auf die “Todesstraße”, sowie die umliegenden Yunga-Hügel, allesamt grün und saftig.
Coroico, ein altes Goldsucher-Nest, ist ein ruhiges Städtchen mit vielen, kleinen Hostels. Wir suchten uns für die nächsten zwei Tage das “Sol y Luna” mit einem paradiesischen Garten aus und genossen das warme Klima und die Geräusche der Tropen – ein herrlicher Kontrast zu der Stille der Altiplano-Nächte.
Leider wehrte die Idylle nicht lange – denn am nächsten Tag gab es das, was ebenfalls zur Fruchtbarkeit der Region beiträgt … Regen. Schade, aber die Vögel sangen weiter und der Spaziergang durch den wundervollen Garten mit den vielen Pflanzen war eine kleine Entschädigung.

DSC_0573

Endlich wieder sattes Grün!

DSC_0593

Ein Speckled Chachalaca macht es sich auf unserer Autotür gemütlich.

Leider war es jedoch auch nebelig und regnerisch an unseren Rückfahrtag, der uns über den “Camino de la Muerte” wieder zurück nach La Paz bringen sollte. Das verhinderte so manche spektakuläre Fern- und Aussicht. Trotzdem war es eine schöne Fahrt über den zum Teil schmalen und recht ursprünglichen Weg, der direkt in den Fels gehauen ist. Auf der Straße gilt hierbei ausnahmsweise Linksverkehr, damit der Fahrer den Abstand zum gefährlichen Abgrund besser einschätzen kann. Dennoch würden wir die Straße nicht als wirklich gefährlich bezeichnen – sie ist nicht wahnsinnig schmal und es gibt zudem viele Ausweichstellen. Wer hier jedoch Nachts, zu schnell und unter dem Einfluss von Koka und Alkohol unterwegs ist, muss sicher damit rechnen auf einem der vielen Straßenkreuze verewigt zu werden.

Weitaus häufiger kommen mittlerweile aber Touristen auf Mountainbikes ums Leben, die zum Teil lebensmüde und ohne jeden Verstand den Weg hinunterbrettern. Allerdings erreichen die Biker den oberen Einstieg zum “Camino de la Muerte” nicht vor 10.30Uhr. Wenn man sich also für eine Fahrt des Weges vor dieser Uhrzeit entscheidet – so wie wir – ist man ziemlich alleine und läuft nicht Gefahr eine ungewollte Kühlerfigur als Andenken davon zu tragen.
So konnten wir die Wasserfälle, steilen Schluchten und bunten Vögel ganz alleine genießen – sahen aber auch die vielen Kreuze und Schreine am Wegesrand, die davon zeugen, dass hier jährlich angeblich mindestens drei Fahrradfahrer zu Tode kommen.

DSC_0597

Der Nebelwald macht seinem Namen alle Ehre.

DSC_0621

Auf dem Camino de la Muerte.

Wieder zurück in La Paz war das Wetter leider immer noch schlecht – und kalt. In den Bergen hatte es geschneit und somit standen wir ein bisschen vor einer Zwickmühle, denn auf unserer Liste stand noch die Bergtour zum Cerro Austria – bei zu viel Schnee aber vielleicht unmöglich. Daher entschieden wir uns zuerst den Ruinen von Tiahuanaca einen Besuch abzustatten und dem Schnee somit ein weiteres Mal auf unserer Reise Zeit zum schmelzen zu geben.

Tiahuanaco oder Tiwanaku ist eine alte Ruinenstadt, deren Ursprung noch vor den Inkas liegt. Der Name bedeutet dabei soviel wie “Setz dich nieder, kleines Lama”. Gegründet wurde diese Stadt vor über 3.000 Jahren in der Nähe des Titicaca-Sees und war Hauptstadt eines riesigen Reiches, das 57.000km2 umfasste – von Boliviens Cordillera Real über Perus und Chiles Cordillera Occidental. Die Tiahuanaco-Zivilisation basierte, wie auch heute im Altiplano noch üblich, auf dem Anbau von Kartoffeln und der Lama-Haltung. Durch eine perfektionierte Art des Ackerbaus in Form besonderer Hochbeete – den sogenannten “sukakullos” – wurden Ernten von bis zu 20T Kartoffeln pro Hektar möglich. Im Vergleich dazu bringen die Felder auf dem Altiplano heute nur ca. 3T  Kartoffeln pro Hektar. Da Tiahuanaca jedoch so stark von der Landwirtschaft abhängig war, brachte eine lang-anhaltende Dürreperiode um 1.000 nach Christus die Zivilisation zu Fall – und von der damals großen Stadt ist heute nur noch das Zentrum mit den zeremoniellen Komplexen vorhanden, denn nach dem Untergang Tiahuanacos dienten die vielen Steinbauten der Bevölkerung als Baumaterial für Kirchen, Häuser und sogar für den Damm der nahegelegenen Eisenbahnlinie.

Panoramabild 4

Das Zentrum von Tiahuanaco.

Bevor wir über das Gelände schlenderten, statteten wir noch den beiden zugehörigen Museen einen Besuch ab. Doch auch hier zeigte sich schon das, was auch für die gesamte Anlage gilt – es besteht dringender Restaurationsbedarf! Aus Decken tropft es, Stahlträger scheinen durchgerostet, viele Räume sind komplett abgesperrt, Infotafeln fehlen oder sind bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Im Großen und Ganzen sind viele Bereiche abgesperrt.
Das war also ein krasses Gegenteil zu dem perfekt gepflegten “El Fuerte”, das wir in Samaipata besichtigt hatten. Dennoch hatte es natürlich seinen Reiz und ließ auch hier schon die unglaubliche Baukunst der Tiahuanaco-Kultur vermuten – die zum Teil perfekt bearbeiteten, mehrere Tonnen wiegenden Steinblöcke waren beeindruckend. Auch die schiere Größe der zeremoniellen Anlage, in dessen Zentrum ein Tempel und zwei Stufenpyramiden standen, war faszinierend.
Schade ist eben nur, dass hier Einiges getan werden müsste, um die Anlage, Museen und die Informationen darüber aufzuarbeiten. Soweit wir aus unserem Reiseführer wissen, hat die bolivianische Regierung aber wohl eine Bitte um Finanzierungshilfe an die UNESCO geschickt, denn seit 2000 zählt auch Tiahuanaco zum Weltkulturerbe.

P1070891

Beispiele der hohen Keramik-Kunst der Tiahuanaco-Kultur.

P1070907

Mit Steinköpfen bestückte Tempelanlage.

P1070894

Katja spielt den Reiseführer.

P1070923

Das Sonnentor von Tiahuanaco mit dem Fries einer Gottheit.

Unser Besuch am Süd-Ostende des Titicaca-Sees hatte dem Schnee den in den Bergen nun hoffentlich etwas Zeit zum tauen gegeben. Also machten wir uns auf den Weg in Richtung Tuni, einem winzigen Örtchen am Fuße des Huayna Potosí, einem mächtigen Berg, der schon von La Paz aus zu sehen war. Von hier führt ein Wanderweg hinauf zur Laguna Chiar Khota und dem dort gelegenen Condiriri-Basis-Lager auf 4.700m. Von diesem Base Camp starten viele Wanderungen in die umliegenden 5.000er – so auch zum recht leicht erreichbaren Aussichtsberg Cerro Austria mit Blick auf wild zerrissene Gletscherflächen. Nachdem wir bei einem netten, alten Lama-Bauern den Pinzi in Tuni unterstellen durften, und er uns versicherte, dass der Cerro Austria auf jedenfall trotz des vorhandenen Schnees bestiegen werden kann, schulterten wir unser schweres Gepäck und marschierten in die Berge.

P1070961

Der kleine Ort Tuni am Fuße des Huayna Potosí.

P1070965

An der Laguna Tuni.

DSC_0702

Auf schmalen Pfaden zur Laguna Chiar Khota.

Jetzt waren wir regelrecht froh, dass auf den Bergen noch Schnee lag, denn die Landschaft wirkte so einfach noch beeindruckender. Hohe, schneebedeckte Gipfel, Gletscherfelder und davor Lamas, Esel, Kühe, die auf den Hochweiden der Anden im Sonnenlicht grasten. Eine wirklich herrliche Wanderung, die uns zunächst über einen Fahrweg, später über schmale Pfade hinauf zur blauen Laguna Chiar Khota und dem Condoriri Basis Lager brachte. Hier empfingen uns die vielen bunten Zelte anderer Wanderer, die die unzähligen Gipfel der Umgebung von hier aus besteigen wollten.
So ergab es sich, dass wir bei unserer Ankunft gleich den 77-jährigen, furchtbar netten Art und seine Frau Priscilla kennenlernten. Die beiden sind Amerikaner und haben erst in ihren 70ern das Bergsteigen entdeckt – mit 72 zum Mount Everest Base Camp, mit 75 auf den Kilimandscharo und nun mit 77 hinauf zum Alpamayo. Viel hatten die beiden zu erzählen – von den 70 Ländern der Erde, die sie schon bereist hatten und vom Ski-Fahren in Utah Smiley … das klang alles so gut, dass wir uns für unser nächstes Treffen entweder in Europa oder in Utah zum Ski-Fahren verabredeten und Adressen austauschten Smiley.
Nachdem ausgiebig erzählt worden war, machten wir uns daran unser kleines 2-Mann-Zelt in der Sonne aufzubauen, bevor sie hinter Condoriri, Cerro Austria und Co. verschwand. Dann wurde es ziemlich schnell ziemlich kalt und wir verkrochen uns in unserem Zelt, kochten Nudelsuppe, tranken Tee mit Rum und lasen uns gegenseitig vor, bis wir in voller Kleidung in die warmen Schlafsäcke krochen und trotz Kälte uns Eis an der Zeltdecke einschliefen. Es stellte sich in der Nacht als gute Entscheidung heraus, so viel “mitgeschleppt” zu haben, denn trotz zweistelliger Minusgrade froren wir in unserem kleinen Zelt nicht.

P1070974

Im Condoriri Base Camp schlagen wir unser Zelt auf.

Am nächsten Morgen sollte es früh losgehen, immerhin würde es bis zum Gipfel des Cerro Austria und zurück zum Base Camp mindestens fünf Stunden dauern – und zurück zum Pinzi mussten wir danach ja auch noch. Doch statt vom Wecker geweckt zu werden, weckte mich eine Magen-Darm-Verstimmung pünktlich um 6Uhr … grandios! Somit stand dann ziemlich schnell fest, dass es wohl nichts mit dem Cerro Austria werden würde. Medikamente und Lebensmittel für viele weitere Tage hatten wir auch nicht dabei, also mussten wir wieder zurück nach Tuni – leider. Aber das Wetter hatte wohl Mitleid mit uns, denn während wir uns mit dem gesamten Gepäck wieder auf den Rückweg machten, zogen sich über der Cordillera Real wieder die Wolken zusammen und bei der Ankunft im Tal erzählte uns der nette Lama-Hirte, das wieder neuer Schnee angekündigt sei. Ich jedenfalls war froh, dass wir wieder zurück waren, denn nach der Bergtour war ich richtig schlapp und machte drei Kreuze, als ich mich schon Nachmittags ins Pinzi-Bett legen konnte.

Am nächsten Tag ging es mir nach einer gehörigen Portion Schlaf schon wieder etwas besser und wir machten uns auf den Weg zu unserem wohl letzten großen Ziel in Bolivien – dem Titicaca-See. Nach dem sonst eher trockenen und lebensfeindlichen Altiplano standen wir also plötzlich vor dem riesigen Wasserkörper (8562km2) auf knapp über 4.000m. Das Wetter war bei unserem Besuch leider schlecht, auf den bergigen Inseln im See schneite es sogar, so dass wir ihn zunächst nicht in seiner vollen Pracht und dem tiefen Blau bewundern konnten.
Der Name “Titicaca” stammt aus der Sprache der Aymara und bedeutet so viel wie “Pumafelsen”. 30% seiner Fläche gehören dabei zum bolivianischen Staatsgebiet, die restlichen 70% zu Peru. Trotz seiner 8-12°C Wassertemperatur wirkt der See als Wärmespeicher für die umliegende Region und ermöglicht den landwirtschaftlichen Anbau von Kartoffeln, Quinoa, Gerste und Mais. Einen weiteren, entscheidenden Beitrag zur Ernährung der Bewohner liefert der Fischreichtum des Sees.
Unser Weg führte uns vom “Festland” an den schilfreichen Küsten des Sees entlang zur Engstelle Estrecho de Tiquina, die wir mittels Fähre überquerten und weiter nach Copacabana fuhren. Das Städtchen liegt nur wenige Kilometer von der bolivianisch-peruanischen Grenze entfernt und beherbergt die berühmteste Wallfahrtskirche Boliviens. Der weitaus berühmtere Strand gleichen Namens in Brasilien wurde übrigens nach dem  hier am Titicaca-See liegenden Ort benannt. Das Klima unterscheidet sich – trotz Namensgleichheit – allerdings erheblich Smiley.

P1080038

Überfahrt über die Estrecho de Tiquina.

P1080037

Auf der schaukelnden Fähre über den Titicaca-See.

Für unsere Zeit in diesem Wallfahrtsort mit der imposanten Kirche, vor der sich täglich Autos, Busse und Taxis segnen lassen, quartierten wir uns auf  dem winzigen Campingplatz Suma Samawi am Ende der Strandpromenade ein. Ein alternatives Hostel mit Campingmöglichkeit in bunten Farben und eher etwas heruntergekommen, aber dafür nur 25m vom Wasser entfernt und mit lockerer Atmosphäre. Wir erkundeten an unserem zweiten Tag die Stadt und konnten die Sonne doch noch überreden sich mal wieder blicken zu lassen.

P1080042

Der Strand von Copacabana.

DSC_0743

Schilfboote auf dem Titicaca-See.

DSC_0740

Die Basilika von Copacabana, der wichtigste Wallfahrtsort Boliviens.

Und so wurde es doch noch herrlich warm und sonnig. Der riesige See mit seinen Inseln erstrahlte in dunklen Blau – einfach wunderschön … und somit ein würdiger Abschluss für unsere vier, unvergleichlichen, abenteuerlichen, unvergesslichen Monate in Bolivien.

Bis zum Bericht aus Peru,

K+F

FAZIT: Endlich kann es nun ein Fazit geben, denn unsere Zeit in Bolivien ist vorbei … leider. Trotz korrupter Polizisten, einem eklatanten Müllproblem, erschwertem Tanken für Ausländer und undurchsichtiger Maut-Preise haben wir das Land sehr lieb gewonnen. Es ist bisher das abwechslungsreichste Land unserer Reise – es gibt Hochgebirge, Seen, Regenwald, karge Ebenen, historische Stätten und unglaubliche Naturschätze. Es ist das Land, in dem wir Kultur und Bräuche und auch die Sprache näher kennenlernten, unser Praktikum absolvierten und uns mittlerweile ziemlich gut zurecht gefunden haben. Wir haben gelernt mit der Polizei umzugehen und kannten uns hier gut aus. Schade also, dass wir weiter müssen, denn vor allem das Amazonas-Tiefland blieb für uns ja noch unentdeckt. Daher steht wohl fest, dass wir irgendwann noch mal wiederkommen müssen – nur nicht mehr in diesem Jahr, denn die 90 Tage für Touristen plus 30 Tage Visum haben wir nun ja ziemlich ausgereizt.
Bolivien – nos vemos!

Zum letzten Bericht                    BILDER BACK IN BOLIVIA                     Zum nächsten Bericht

5 Gedanken zu „Back in Bolivia!

  1. Maria Füchtbauer-Walter

    Liebe Katja, lieber Florian!
    Eure Bilder sind so schön – toll, dass ihr diesen Blog habt! Auch die Texte machen großen Spaß zu lesen, weil sie munter und echt wirken. Man erfährt Geschichten – das ist schön.
    Ich habe noch nicht alles gelesen. Darum weiß ich nicht, ob – außer zu Beginn – keine größeren Probleme aufgetreten sind. Ich hoffe es aber sehr für euch! Habt ihr eigentlich den Kühlschrank von Johannes und Barbara bekommen? Das erzählten sie uns Pfingsten bei der Taufe von Johannes (ist er nicht Florians Patenkind?).
    Viele Grüße und alles Gute weiter, Maria (aus Oldenburg)

  2. Großmutter-Karla

    Ihr Lieben Beide,
    ich bin glücklich und dankbar, den wunderschönen Bericht und die Bilder erleben zu dürfen und in meinem hohen Alter alte Bolivienerfahrungen wiederbeleben und auffrischen zu können. Ich bin noch in Lavesum und Simon liest mir alles lieb vor. Vielleicht erwische ich noch den Perubericht bis ich in einer Woche wieder in Tübingen bin.
    Von Herzen, alles Gute, viel viel Freude und weiter die tüchtigen Überwindungen aller Schwierigkeiten!
    Ganz liebe Grüße
    Großmutter

  3. rosi

    hola Ihr Zwei,
    endlich gelesen!!!!!!
    wunderschön Euer Bericht, die Bilder, Ihr geniest das Land und seine Schönheit, herrlich.
    Einwenig bedauer ich, das ich nicht in die Höhe kann, durch Euch erlebe ich es auch so. ich fühle mich dabei!! Danke
    buen viaje
    Rosi – Paraguay

  4. Karin und Manfred

    Hallo Ihr Beiden,
    zweimal waren wir Euch ganz dicht auf den Fersen – in Warnes bei Kranewitters und in Sucre. Mit großem Interesse und Respekt haben wir von eurem Praktikum gelesen ( komme selber aus dem med. Bereich). Wir waren sieben Wochen im Süden von Bolivien und werden mit Sicherheit nächstes Jahr auf unserem Weg in den Norden auch nochmal einreisen. Wir versehen eure Begeisterung für das Land und freuen uns mit Euch, dass es mit einem Visum nochmal geklappt hat. Weiterhin eine gute Reise, vielleicht trifft man sich ja mal 🙂
    Liebe Grüße von Karin und Manfred ( mit MOMO einem 1017 er unterwegs)

  5. BLUME AUS AACHEN

    Hallo ihr beiden

    wir haben beim 2 schraubertreff -AC- auf euch getrunken ….

    so hoffen wir das der ölkühler gut zu euch kommt ….

    und weiter hin eine gute reise …

    gruß blume

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.