Über Sucre und Potosí zum Salar und den Lagunen

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16.07.2013 – 06.08.2013

(Departemento Tarija/ Departemento Santa Cruz: Von Villamontes nach Ipati; Departemento Santa Cruz/ Departemento Potosí: Von Ipati über die Ruta 6 nach Monteagudo, Padilla und Tarabuco nach Sucre; Departemento Potosí: Erkundungstour durch Sucre, Weiterfahrt von Sucre nach Potosí und Besichtigung der Stadt am Cerro Rico, Besuch und Übernachtung am Ojo del Inca, Weiterfahrt nach Uyuni, Salar de Uyuni, Lagunenroute bis San Pedro de Atacama in Chile)

Gerade waren wir noch in Paraguay, nahmen unseren neuen Kühlschrank in Empfang und besuchten unsere Freunde, und nun waren wir schon zurück in Bolivien. Aber im Grenzörtchen Ibibobo kündigte sich schon an, was uns später auf der Lagunenroute erneut überraschte … und auch leider ein wenig verzweifeln ließ. Es geht um unseren Gesamtaufenthalt in Bolivien, der mittlerweile schon ziemlich lange war (72 Tage) – erlaubt sind für Touristen, wie wir jetzt wissen, nur 90 Tage pro Jahr. Die Änderung der 90 Tage-Bestimmung im Jahr für Bolivien ist relativ neu – nachgemacht haben sie das dem Schengen-Raum … was uns leider gar nicht gelegen kam. Denn das heißt, dass wir durch unsere Ausreise nach Paraguay nicht – wie früher üblich – erneut 90 Tage bekommen hatten … und somit offiziell nur noch 18 Tage im Land bleiben durften.
Doch – das wussten wir nicht, bzw. hielten das, was der Grenzbeamte sagte, für nicht wahr. Schließlich stempelte er uns (trotz der nur noch möglichen 18 Tage) weitere 60 Tage in unsere Pässe und wir machten uns somit gar keine weiteren Gedanken. Mit den 60 Tagen waren wir völlig zufrieden, denn eingeplant war ja noch eine weitere Ausreise aus Bolivien über die Lagunenroute, was unseren Wissens weitere 90 mögliche Tage bedeutete, bevor wir Richtung Norden, La Paz und dem Titicaca-See endgültig Bolivien wieder verlassen würden. Doch es kommt ja immer anders, als man denkt Smiley.

Unsere Fahrt Richtung Nord-Westen von Villamontes aus, war wunderbar entspannt. Den ersten Teil der Strecke bis Ipati kannten wir ja bereits – doch ab da folgten wir einer kleinen Straße, die uns in Richtung Sucre führen sollte. Zwar war das Wetter zunächst noch etwas schlecht, die Regenwolken hingen tief über den grünen Hügeln und verwandelte die Erdstraßen in rost-rote Matschbahnen, denen wir weiter ins Landesinnere folgten. Wir waren wieder einmal sehr froh, dass wir den Pinzi dabei hatten und umso mehr erstaunt, dass die Einheimischen die schlechten Pisten mit ihren einfachen Pkws und zum Teil in Vollbesetzung meisterten.

Sucre, Boliviens zweite Hauptstadt, erreichten wir kurz vor dem Wochenende in herrlichem Wetter. Die Stadt liegt am Ostrand des Altiplanos auf 2.790m und besitzt eine der besterhaltensten Kolonial-Architekturen Südamerikas – es verwundert also nicht, dass das historische Stadtzentrum zum UNESCO Weltkulturerbe gezählt wird. Viele weiße Häuser vor stahlblauem Himmel, unzählige Kirchen und eine sehr entspannte Atmosphäre machen die Stadt zu einem kleinen Highlight.  Dabei schreiben die Stadtvorschriften vor, dass die Gebäude im historischen Zentrum der Stadt jedes Jahr in frischem Weiß gestrichen werden müssen Smiley.

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Iglesia de Santa Monica von 1547 – ein typisches Beispiel für den Mestizo-Barock-Stil in Sucre.

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Blick über die “weiße Stadt”.

Wir steuerten in Sucre einen winzigen “Campingplatz” an, eine kleine Rasenfläche im Hinterhof eines emeritierten Universitäts-Professors, der nun in diesem Hinterhof alte Elektromotoren wieder auf Vordermann bringt. Der Hof bietet Platz für drei Fahrzeuge – mehr nicht Smiley …. und wir hatten Glück, dass mit uns dort nur noch Claude und Marie-Jo, er Franzose, sie Schweizerin, mit ihrem kleinen Reisemobil auf Toyota Hilux-Basis standen. Beides sehr nette Leute, denen wir ein bisschen mit dem Garmin helfen konnten, während wir im Gegenzug ein wenig von ihren bisherigen Reisen durch Südamerika profitieren konnten.
Insgesamt blieben wir drei Tage auf dem kleinen Hof, dessen strategische Nähe zur Innenstadt großartig war Smiley. Außerdem profitierten wir hier auch von der Nettigkeit der beiden Besitzer – Don Alberto und Felicidad. Da unser Wagenheber unterwegs ein wenig an Altersschwäche erkrankt war und sich selbstständig immer wieder absenkte, wollte Florian Don Alberto nach einer Adresse fragen, wo man neue Wagenheber kaufen könnte. Doch Alberto, immer ein wenig rastlos und scheinbar voller Energie, wusste gleich eine bessere Lösung – er setzte sich mit uns in ein Taxi, fuhr ans andere Ende der Stadt und dort zu einem Hydraulik-Spezialisten. Schon am Nachmittag konnten wir unseren reparierten “Patienten” wieder abholen Smiley.

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Camping bei Don Alberto und Felicidad.

Sucre, die auch “die weiße Stadt” genannt wird, hat uns großartig gefallen. Das Wetter war grandios und die weißen Gebäude strahlten vor dem blauen Himmel. Zu besichtigen gab es mehrere Kirchen und tolle Kolonialgebäude, doch das absolute Highlight war ein Besuch einer Schule, von dessen Dach man auf die benachbarte Iglesia San Felipe Neri steigen konnte und einen herrlichen Blick über die Dächer der Stadt hatte.

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Auf dem Dach der Iglesia San Felipe Neri.

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Blick in den Hof des früheren Klosters – heute eine Mädchenschule.

Von Sucre bis Potosí – unserem eigentlich nächsten Ziel – sind es nur 162km, eigentlich also eine Tages-Etappe. Wir ließen uns wieder einmal etwas mehr Zeit und legten einen Zwischenstopp oberhalb eines Flusstals ein. Hier genossen wir auch ein letztes Mal das eher milde Klima, bevor wir am nächsten Tag nach Potosí auf fast 4.100m hinauf fuhren … und damit in ein kühleres Klima, so dass die Wollmützen und Handschuhe ausgepackt werden mussten. Die Straße war gut, die Landschaft wurde karger, statt Bäumen gab es nur noch Büsche und irgendwann tauchte vor uns der bunte Cerro Rico auf. Ein beeindruckender Berg, der schon die Inka begeistert und die Spanier reich gemacht hatte.

Der Cerro Rico war zu Zeiten der Spanier die größte Silbermine der Welt und hatte Potosí zum wertvollsten Juwel der spanischen Krone, sowie zu einer der größten und wohlhabendsten Städte der Welt gemacht. Im  frühen 17. Jahrhundert war Potosí mit 160.000 Einwohnern so groß wie London und damit weitaus größer als das damalige Madrid. Die spanische Redewendung “eso vale un Potosí” (das ist ein Potosí wert) wurde verwendet um den Wert von absolut unbezahlbaren Dingen zu beschreiben. Dennoch beruhte der Wohlstand der Stadt auf dem Leben unzähliger indigener sowie afrikanischer Sklaven, die in den Minen des Cerro Rico ab 1545 schuften mussten. Schätzungen gehen von 9 Millionen Toten in den Minen dieses einen Berges aus!
Der Abstieg Potosís setzte um 1650 mit einer Jahrhundert-langen Silberkrise ein und die Einwohnerzahlen sanken bis auf 9.000 im Jahr 1825 ab. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt dann einen kurzen, neuen Aufschwung, als Zinn am Cerro Rico entdeckt wurde. Doch die Zinn-Krise des Jahres 1985 brachte die Stadt erneut zu Fall und das Minen-Geschäft in Potosí hat sich seitdem noch nicht wieder erholt.
Heute ist Potosí ebenfalls als UNESCO Weltkulturerbe deklariert und eine Schatzkammer für koloniale Kunst und Architektur mit unzähligen Stadthäusern und Anwesen, sowie mehr als 25 Kirchen.

Zur Besichtigung all dieser Sehenswürdigkeiten steuerten wir in Potosí zum Residencial Tarija, einer Wohnanlage, in deren Innenhof wir mit dem Pinzi stehen konnten und Toiletten sowie Dusche nutzen durften. Schön war es hier nicht gerade, dafür war aber der Besitzer nett und wieder einmal war die Entfernung in die Innenstadt ein Katzensprung. Perfekt also, dass wir Nachmittags noch mal loswandern konnten, um uns schon mal ein Bild von der Stadt zu verschaffen. Leider hatten wir da die Rechnung ohne den aufgezogenen Sandsturm gemacht, der die Stadt und leider auch den imposanten Cerro Rico in diesige Staubwolken hüllte. Nur gut also, dass wir mit dem Besitzer der Wohnanlage ausgemacht hatten, dass wir am nächsten Tag erst gegen Mittag fahren würden und somit auf den kommenden Vormittag hofften.

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Sandsturm über Potosí.

Vorgenommen hatten wir uns nämlich für den nächsten Tag die Besichtigung der Casa Real de la Moneda, eine der beiden königlich-spanischen Münzprägungen in Südamerika. Auch hier war die Besichtigung des stattlichen und eiskalten Gebäudes nur mit Guide möglich. Dennoch wollten wir uns dieses Highlight nicht entgehen lassen, da uns auch Don Alberto in Sucre schon nahegelegt hatte, dass man in Potosí nur eines sehen muss – die Casa de la Moneda Smiley. Und so standen wir morgens um 9Uhr vor den gewaltigen Toren und warteten im Innenhof darauf, dass unsere englische Führung anfing – die, im Gegensatz zur ca. 40-köpfigen französichen Führung, nur aus fünf Leuten inklusive Guide bestand Smiley.

Zwei Stunden führte uns unser Guide durch das riesige Gebäude mit seinen vielen Räumen und brachte uns auf interessante, wenn auch ein wenig gehetzte Weise die Geschichte der Münzprägung und Silbergewinnung in Potosí näher. Beeindruckend, vor allem auch, weil dank Potosís kaltem und trockenem Klima viele der fast 600 Jahre alten Maschinen und Gerätschaften noch in hervorragendem Zustand sind. Ein lohnenswerter Besuch.

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Vier dieser Silber-Walzen haben die Spanier unter großem Aufwand aus Europa nach Potosí transportiert.

Und auch mit dem Wetter hatten wir an diesem Tag Glück – denn von einem weiterem Sandsturm war nichts zu sehen, als wir aus der “Casa de la Moneda” in die Sonne traten. Bevor wir die Stadt der Mineros wieder verlassen wollten, stand noch ein Besuch des Convento San Francisco an. In diesem Franziskaner-Kloster gibt es nämlich nicht nur Krypten zu besichtigen, eine uralte Christus-Figur mit echtem Menschenhaar (das angeblich regelmäßig geschnitten werden muss, weil es noch wächst Smiley), sondern auch eine Treppe auf das Dach – mit grandiosem Blick auf die Stadt und den Cerro Rico. Die Blicke vom Dach der Kirche auf die erdfarbene Stadt und die umliegenden, kargen Hügel waren wunderbar.

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Blick auf den Cerro Rico vom Dach des Convento San Francisco.

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Auf dem Dach der Iglesia San Francisco.

Mit den tollen Eindrücken aus Potosí sollte es  weiter nach Uyuni und zum größten Salzsee der Erde gehen, doch  vorher machten wir noch einen kleinen Abstecher zu den ca. 25km entfernten Thermen bei Tharapay. Diese Therme besteht aus einem fast kreisrunden, warmen Kratersee – dem “Ojo del Inca”. Während sich nachmittags hier noch einige Menschen – und vor allem auch Touristen aus Potosí – am Wasser tummelten, hatten wir ab 17Uhr das Gelände für uns alleine. Das warme Wasser des grünen Kraters war nicht nur schön im Vergleich zu der eher lauwarmen Dusche in Potosí, sondern auch perfekt zum Wäsche waschen Smiley.

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Morgenstimmung am “Ojo del Inca”.

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“Ojo del Inca”.

Und so ging es – zunächst noch ein wenig “gelähmt” durch ein vor uns herfahrendes Radrennen – in Richtung Uyuni in 212km Entfernung. Auch diese Etappe machten wir nicht an einem Tag, sondern teilten sie in zwei und konnten so die sich langsam verändernde Landschaft genießen. Hinter Potosí stießen wir nämlich nun endlich ins südliche Altiplano vor. Endlose Hänge und Hügel mit gold-gelbem Gras und grasenden Lamas. Ungebremst weht der Wind hier häufig  über die Hänge, aber die Sonne scheint verlässlich jeden Tag aufs Neue.

Uyuni selbst liegt am Rand des Salar de Uyuni auf einer Höhe von 3.668m. Es sah unglaublich aus, als man über den Pass kam und die Stadt im Nichts liegen sah, in der Ferne das blendende Weiß des Salzsees. Die Stadt Uyuni wurde 1889 im Zuge der Eisenbahn-Streckennetzerweiterung gegründet und bildete den Knotenpunkt für Züge aus und nach Chile, sowie Argentinien. Zugverbindungen haben in Bolivien heute aber praktisch an Bedeutung verloren und so verwundert es, dass Uyuni nicht zu einer Geisterstadt geworden ist. Dem Salar de Uyuni sei Dank – denn heute ist das eher schäbige Städtchen, das von Müll und Staub geprägt ist, der Touristen-Knotenpunkt der Region. Von hier werden Touren auf den Salzsee oder auch zu den Lagunen im Süden Boliviens organisiert.

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Abendlicht in Uyuni.

Um uns selbst auf unsere Lagunen- und Salar-Tour vorzubereiten, war es unverzichtbar, dass wir einen Halt in der Stadt einlegten. Das Hostel, auf dessen Hinterhof wir stehen konnten, war dabei eben so heruntergekommen, wie einige andere Teile der Stadt. Tagsüber war es sonnig und warm in Uyuni, aber sobald die Sonne verschwand purzelten die Temperaturen ziemlich schnell in den Keller und es gab jede Nacht Frost.

Als weitere Sehenswürdigkeit besitzt Uyuni den Cementerio de Trenes, einen Zugfriedhof, auf dem so einige Dampf-Loks und Waggons aus der Glanzzeit der Stadt auf ausrangierten Gleisen zu finden sind. Bei einem kleinen Abendspaziergang bestaunten wir dabei die ausgeschlachteten Wracks der Züge, bevor wir wieder zurück schlenderten.

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Der Zugfriedhof in Uyuni.

In Uyuni organisierten wir Benzin, einen weiteren Spritkanister mit 65L Volumen für unsere Lagunenroute und Lebensmittel auf dem Markt … und wäre es nach uns gegangen, dann hätten wir auch mit der Lagunenroute begonnen … doch der Schnee machte uns einen Strich durch die Rechnung.
Die Lagunenroute verläuft auf einem großen Teil der Strecke bis zur chilenischen Grenze durch das Reserva de Fauna Andina Eduardo Avaroa und auf Nachfrage bei dem Büro des Reservats in Uyuni hieß es, dass die Grenze zwischen Bolivien und Chile aufgrund des Schnees gesperrt sei. Um jedoch die Lagunenroute bis zur Grenze hinunterzufahren und auf dem Rückweg einen anderen Weg am Vulkan Uturuncu vorbei zu wählen, war es zwingend nötig, in Chile unsere Benzinkanister wieder zu füllen. Bei gesperrter Grenze aber eine Unmöglichkeit.
Da es hieß, dass man einfach mal eine Woche auf das Abtauen des Schnees warten
solle, entschieden wir uns dafür zuerst dem Salar de Uyuni einen Besuch abzustatten, dessen strahlendes Weiß wir schon in der Ferne gesehen hatten.

Mit einem tatsächlichen See hat der Salar de Uyuni jedoch in den Winter- und Trockenmonaten Juni, Juli und August eher wenig zu tun, obwohl das Salz des “Sees” in tieferen Schichten von Wasser gesättigt ist. Doch im trockenen Winter bildet sich an der Oberfläche eine feste und stabile Salzkruste, die es erlaubt auch mit dem Auto auf den größten Salzsee der Erde zu fahren. Die endlose Weite der gleißenden Oberfläche lässt einen ziemlich oft denken, dass es sich um einen zugefrorenen See handelt … aber die Geschmacksprobe hat bestätigt, dass es Salz ist Smiley.
Der Salar de Uyuni ist ein “Überbleibsel” des vor 12.000 Jahren langsam ausgetrockneten Lago Tauca, einem noch viel größeren See. Das Salz des heutigen Salars stammt dabei aus dem Gestein der umliegenden Berge und soll stellenweise fast 120m dick sein. Außerdem handelt es sich bei dem Salar de Uyuni nicht nur um den größten Salzsee der Welt, er birgt auch das größte bekannte Lithium-Vorkommen der Welt.

Um dieses “Wunder der Natur” genauer unter die Lupe zu nehmen und dem Schnee auf der Lagunenroute Zeit zum schmelzen zu geben, fuhren wir also los. Die nächste Möglichkeit auf den See zu gelangen ist via Colchani, einem winzigen Nest ca. 20km nördlich von Uyuni. Die Einwohner von Colchani kratzen und kehren hier das Oberflächensalz zu kleinen Kegeln zusammen, um es abzutransportieren. Bis vor Kurzem diente das Salz dabei immer noch als Naturalie im Tausch gegen andere Dinge mit anderen Städten und Gemeinden. Jedes Jahr zogen Dutzende von Lamas, bepackt mit Salz, manchmal auch bis hinunter nach Tarija und kamen mit Mais, Koka und anderen Dingen zurück, die nicht auf dem Altiplano angebaut wurden. Solche Karawanen sind mittlerweile aber selten bis ausgestorben.

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Zum Trocknen wird das Salz vor dem Abtransport zu Kegeln aufgeschichtet.

Wir jedenfalls bestaunten diese Kegel aus Salz und fuhren dann weiter hinaus in das gleißende Weiß des scheinbar uferlosen Sees, in dessen Mitte mehrere Inseln gibt. Eine davon sehr touristisch (Isla Inca Huasi; 15Bs Eintritt), die anderen eher einsam – und eine von diesen steuerten wir an. Wir wählten die Isla Pesacdo, die fast 90km von Colchanis Salzkegeln entfernt liegt.
Von den Inseln war zunächst natürlich noch nichts zu sehen. Am Horizont gab es nichts als Weiß und dem über dem Salar thronende Vulkan Tunupa. Wir fuhren daher erstmal der Richtung unseres GPS nach und vertrauten darauf, irgendwann auf die Insel zu stoßen. Und das taten wir auch, denn irgendwann tauchten in der Ferne die Umrisse der Inseln auf der Oberfläche des Sees auf.

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Endloses Weiß auf dem Salar de Uyuni.

Auf der Isla Pescado verbrachten wir zwei wunderbar einsame Tage, beobachteten die scheuen Viscachas und ihre akrobatischen Sprünge über die Felsen, bestaunten die gigantischen Kakteen, die aus der Ferne mit ihren hellen Stacheln fast weich aussahen und erlebten die Helligkeit des weißen Sees in der Nacht, der die gesamte Landschaft im Mondlicht in ein gespenstisches weiß-grau tauchte.

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Unser Platz auf der Isla Pescado.

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Die typischen Kandelaber-Kakteen auf den Inseln des Salars.

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Diese Muster entstehen, wenn der See trockenfällt.

Nach den zwei Tagen auf der Insel wollten wir weiter in den Süden des Sees und zu möglichen anderen Inseln vorstoßen. Doch leider spielte der Salar da nicht ganz mit, denn die Salzkruste trocknet in der Trockenzeit von Norden nach Süden aus, und die Ufer der Inseln im Süden waren wesentlich weicher und damit unbefahrbar, da die Gefahr besteht einzubrechen. Also ging es in traumhaftem Licht über den Salar zurück in Richtung einer der südlichen Rampen, über die man den Salar verlassen kann und dann in mehreren Tagesetappen zurück nach Uyuni.

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Unterwegs auf dem Salar.

Wir waren ein wenig skeptisch, ob unsere knapp einwöchige Tour ausgereicht hatte, um den Schnee auf der Lagunenroute schmelzen zu lassen … doch unsere erneute Nachfrage im Büro des Reserva Eduardo Avaroa stimmte uns über die Maßen fröhlich. Die Grenze war wieder offen und unserer Lagunen-Expedition stand nun nichts mehr im Weg! Schnell kauften wir also alle nötigen Lebensmittel ein, füllten unsere Treibstoff-Vorräte auf 285L Benzin auf und machten uns auf den Weg.

Vor uns lag nun eine Woche voller wilder Natur, gletschergeschaffener Lagunen in kupferrot und türkis, auf denen sich unzählige Flamingos tummeln, schneebedeckten Vulkangipfeln und kalten Andenwüsten mit Felsen in den unterschiedlichsten Farben – und das immer zwischen 4.000m und 6.000m Höhe.
Eigentlich dachten wir, dass wir aufgrund der Abgeschiedenheit wenig andere Touristen treffen würden … doch weit gefehlt. Vermittelten die von uns im Vorfeld gelesenen Reiseberichte häufig ziemliche Einsamkeit, so mussten wir feststellen, dass man diese Einsamkeit nur findet, wenn man sie aktiv sucht! Denn ansonsten begegnet man praktisch zu (fast) jeder Tageszeit einem Touren Toyota, der die Touristen vom Salar, an die Lagunen und zurück nach Uyuni fährt. Alleine ist man auf der Route und besonders an den Hotspots wirklich selten. Allerdings kann man – anhand der bekannten Routen und Tour-Pläne – ganz gut abschätzen, wann und wo die Touren-Toyotas stoppen bzw. übernachten werden, so dass man trotzdem herrliche und völlig unberührte Plätze finden kann.

Wir starteten jedoch erstmal – wie alle – an der Laguna Cañapa, einer blauen Lagune mit unseren ersten Flamingos, die anscheinend sehr an Menschen gewöhnt waren und uns ziemlich nah heran ließen. Zwei, der insgesamt drei in den Anden vorkommenden Flamingo-Arten trafen wir hier an, darunter den äußerst seltenen James Flamingo.

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Ein James Flamingo.

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Wenn wir uns langsam bewegen, lassen uns die Flamingos ziemlich nah heran.

Da wir uns aber auf einen ruhigen Nachmittag ohne Touristen gefreut hatten, nahmen wir nach dem Besuch der ersten Lagune nicht den Weg aller anderen, sondern fuhren an die etwas abgeschiedene Laguna Chulluncani. Hier genossen wir die Ruhe und erlebten die erste, richtig kalte Nacht mit zweistelligen Minusgraden, die es von nun an jede Nacht geben sollte. Zum Teil fiel das Thermometer auf unter -20°C Außentemperatur, was zu einer morgendlichen Temperatur von -2°C im Auto führte. Dank Zwiebelkleidung und guten Schlafsäcken haben wir trotzdem kaum gefroren und bevor wir aus dem Bett krochen, wärmten wir den Koffer mit der Standheizung auf angenehmere Temperaturen auf.

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An der Laguna Chulluncani.

Am nächsten Tag ging es für uns wieder zurück zur Hauptroute – und somit zur Laguna Hedionda, einer türkisfarbenen Lagune mit unzählig vielen Flamingos verschiedenster Arten. Auch weitere Lagunen lagen nun auf unserem Weg, allerdings hatten sich dort keine weiteren Flamingos eingefunden, so dass wir einfach weiterfuhren: Durch Steinwüsten und immer wieder vorbei an unglaublich bunten Bergen, Vicuña-Herden und schneebedeckten Gipfeln. Die Pisten waren dabei durch die Masse der hier durchfahrenden Toyotas erheblich beansprucht. Oft liefen bis zu 30 Spuren parallel. Gemeinsam war dabei allen 30 das nervtötende Wellblech – der einzige Wermutstropfen für uns und den Pinzi in der sonst so herrlichen Landschaft.

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Das Material- und Nerven-aufreibende Wellblech.

Einen weiteren Stopp, bevor wir die Nacht an der Laguna Colorada verbringen wollten, legten wir beim Árbol de Piedra in der Pampa Siloli auf 4.500m ein. In dieser Vulkanasche-Wüste sandstrahlen die steten Winde die hier befindlichen Steinformationen in zum Teil sehr surreale Formen – wie dem ca. 8m hohen “Steinbaum”, dessen Krone auf einem schmaleren Stamm in der Landschaft steht.
Die Laguna Colorada schließt sich relativ schnell nach dem Árbol de Piedra an und bildet quasi das Eingangstor zum Reserva de Fauna Andina Eduardo Avaroa. Die Laguna Colorada, mit heißen Zuflussquellen, ist eine kupferrote und zugleich die größte Lagune des Reservats, die ihre Farbe der Algenart Dunaliella salina zu verdanken hat. Auch hier tummelten sich am Abend unserer Ankunft hunderte Flamingos, die im seichten Wasser mit ihren beeindruckenden Schnäbeln die Algen aus dem Wasser filterten.

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Der 8m hohe Árbol de Piedra.

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Flamingos an der Laguna Colorada.

Von dort ging es weiter zu den nächsten Sehenswürdigkeiten, sowie einem Pflichttermin. Noch bevor wir das Geothermalfeld Sol de Mañana erreichten, statteten wir der Aduana auf über 5.000m einen Besuch ab, um die Ausreise des Pinzis aus Bolivien für unseren “Tank-Urlaub” in Chile vorzubereiten. Erst danach ging es weiter zu dem Feld mit brodelnden Schlammtöpfen, fauchenden Fumarolen und dem Sol de Mañana Geysir. Allerdings haben wir die Vermutung, dass man hier etwas anderes unter einem “Geysir” versteht, als wir es in Island kennengelernt haben. Statt der Eruption einer Wasserfontäne, strömte hier nur eine kontinuierliche Wasserdampfsäule mit lautem Fauchen in den Himmel. Trotzdem ein beeindruckendes Schauspiel.

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Schlammtöpfe im Geothermalfeld “Sol de Mañana”.

 

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Der “Geysir”.

Auf unserer Lagunenroute hatten wir uns schon mehrfach gewundert, warum selbst kleinste Schneefelder weiträumig umfahren wurden. Der Grund wurde uns jedoch schlagartig klar, als wir selbst durch ein solches Schneefeld “abkürzen” wollten. Aufgrund der extremen Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen bestehen die Schneefelder aus verschiedenen Schichten und der Schnee variiert in seiner Konsistenz zwischen weich und extrem vereist. Nachdem der erste Teil recht gut zu überwinden war, brachen wir mit den Rädern plötzlich ein. Das Zentralrohr lag auf einem festgefrorenen Panzer aus Eis und die Räder hingen praktisch in der Luft – wie ein Käfer auf dem Rücken. Also packten wir die Schaufeln (die in 4950m Höhe scheinbar Ihr Gewicht verdoppelt hatten) aus, krochen unter den Pinzi und gaben unser Bestes, um den Räder wieder Grip und dem Zentralrohr wieder Luft zu verschaffen. Mit den uns zur Verfügung stehenden Schaufeln waren die harten Eisplatten jedoch kaum zu brechen. Auch die Zuhilfenahme der Sandbleche brachte keinen Erfolg, so dass wir sehr froh waren, als uns nach über einer Stunde schweißtreibender Schaufelei ein Touren Fahrzeug zu Hilfe kam.

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Jetzt wissen wir, warum die Einheimischen die Schneefelder immer weiträumig umfahren …

Wir kamen jedenfalls ziemlich erledigt durch unser unfreiwilliges Schnee-Abenteuer an dem Übernachtungsplatz für die Nacht an – der Laguna Polques. Eigentlich eine Lagune, wie jede andere – wäre da nicht die Badewannen-warme Thermalquelle, die in die Lagune mündet. Gefasst in einem betonierten Becken, sprudelt das sicher 40°C heiße Wasser aus der Erde, bevor es dampfend über den Überlauf in der Lagune verschwindet. Genau das Richtige, um sich nach einem kalten und windigen Altiplano-Tag und den Strapazen des Festfahrens ein wenig zu erholen! Und das taten wir gleich doppelt: Am späten Nachmittag nach unserer Ankunft, als die Sonne gerade untergegangen war und am frühen Morgen zum Sonnenaufgang. Denn dann hatten wir den Thermalpool komplett für uns alleine Smiley.

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Beim Sonnenaufgang hatten wir die Thermalquelle noch ganz für uns allein …

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… 30 Minuten nachdem wir das Wasser verlassen haben, sah das schon ganz anders aus.

Auch wenn die heiße Quelle sehr verlockend war … der Weg führte uns noch weiter in den Süden und der Grenze Chiles entgegen. Hier thront der Licancabur über der türkisfarbenen Laguna Verde, dessen Farbe sich je nach Intensität des Windes im Tagesverlauf ändert. Ein wunderbares und unvergleichliches Bild.

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Die Laguna Verde vor dem Vulkan Licancabur.

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An der Laguna Verde.

Der nächste Tag sollte dann für uns der Tag des Grenzübertritts werden. Da es unterwegs keine Tankmöglichkeit gibt und sich der Verbrauch in diesen Höhen schwer vorhersagen lässt, hatten wir vor dem Grenzübertritt noch 60L Benzin “zu viel”. Zu viel deshalb, weil wir von mehreren Reisenden gelesen hatten, die nicht mit Treibstoff in Kanistern das Land verlassen durften, da dieser in Bolivien eben sehr stark subventioniert wird. Auch wenn es sich wahrscheinlich nur um Schikane oder Abzocke des Grenzers gehandelt hat, wollten wir diesem möglichen Problem von vornherein aus dem Weg gehen und entschieden uns die 60L in einem Steinmännchen getarnt, an der Laguna Verde zu verstecken. Und da wir zu diesem Zeitpunkt noch dachten, dass wir in jedem Fall nach Bolivien zurückkehren würden, war das Steinmännchen schnell gebaut.

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Abendstimmung an der Laguna Blanca.

Aber dann kam alles ganz anders …

Mit der Aduana hatten wir die Ausreise des Pinzis ja schon am Vortag erledigt – es fehlte also nur noch unsere eigene Ausreise. Die wird an der Laguna Verde von einem leicht korrupten Polizisten der Policia Boliviana erledigt. Dieser verlangt nämlich – natürlich zu Unrecht – eine Ausreisegebühr von 15Bs pro Person. So eine Gebühr gibt es aber natürlich nicht – und das sagten wir ihm auch, als wir vor ihm in der kalten Hütte auf dem Pass zwischen Chile und Bolivien standen. Das passte ihm natürlich nicht und so fing er an nach etwas zu suchen, mit dem er uns irgendwie eins auswischen konnte … und das fand er leider auch!

Denn, wie wir bereits am Anfang dieses Berichtes geschrieben haben, dürfen Touristen nur einmal im Jahr für 90 Tage nach Bolivien … und am Ausreisetag befanden wir uns schon den 94. Tag im Land. Erst wollte er uns noch weißmachen, dass wir 14 Tage über den 90 Tagen lagen, aber als wir dann noch einmal mit ihm zusammen zählten, bestätigten sich die 94 Tage. Wir müssten jetzt eine Strafe für jeden überzähligen Tag im Land zahlen und eine erneute Einreise nach Bolivien wäre in keinem Fall möglich – so viel stand fest!
Wir beide waren natürlich wie vor den Kopf gestoßen und führten dann eine Art “Good tourist, bad tourist”-Theater auf. Das ging so weit, dass der Polizist die Hand an die Waffe legte und Florian mit einer Verhaftung drohte. Alles also überhaupt gar nicht komisch und vor allem waren wir wirklich ein wenig verzweifelt – schließlich wollten wir auf anderem Wege wieder zurück nach Uyuni, vorbei am über 6000m hohen Uturuncu und – wenn möglich- hinauf. Wir wollten noch La Paz sehen, den Titicacasee und die Straße des Todes! Und jetzt sollten wir ausreisen, Strafe (20Bs pro Tag) für unsere überschrittenen Tage zahlen und das Land endgültig verlassen?

Da wir nicht weiter wussten und sich der Polizist auch weigerte bei der Migration in Uyuni anzurufen bzw. außerdem noch unsere Migrations-Zettel einbehalten hatte, sahen wir in dem Moment keine andere Möglichkeit, als hier und jetzt Bolivien zu verlassen … schließlich mussten wir erstmal herausfinden, was das mit den 90 Tagen nun wirklich auf sich hatte! Doof war dabei nur, dass wir eben noch unsere 60L Benzin  in einem Steinmännchen versteckt hatten. Also erfanden wir noch schnell die Geschichte von einem befreundeten Reise-Paar, das eigentlich an der Laguna Verde auf uns warten wollte und in ca. zwei Tagen mit unserer Rückkehr rechnete … da wir nun aber permanent ausreisen würden, unsere Freunde aber noch ein paar Dinge von uns hatten, müssten wir noch mal eben zurück zur Lagune! Für den Polizisten kein Problem. Also sausten wir zurück, luden unser Benzin ein, versteckten es gut und hatten Glück, dass der Polizist nicht nachsah.

So bezahlten wir also unsere Strafe für die vier Tage, die wir zu lange im Land gewesen waren, erhielten den Ausreisestempel und verließen Bolivien. Unsicher, immer noch ein wenig aufgebracht und eigentlich wild entschlossen wieder zurückzukehren, machten wir uns über den Paso Jama auf den Weg hinunter nach San Pedro de Atacama. Dort würde es mit Sicherheit Internetcafés und somit die Möglichkeit zur Recherche über die “90-Tage-pro-Jahr” Regelung geben.

Und auch wenn der “Zwischenfall” an der Grenze sich irgendwie ein bisschen anfühlte, wie ein Schlag in den Magen, so hatte unsere Ausreise nach Chile auch ihr Gutes – je weiter wir hinunter in die Atacama kamen, desto wärmer wurde es … und zum ersten Mal seit Uyuni konnten die Wollmützen wieder weggepackt werden! Smiley

Bis zum nächsten Bericht,

K+F

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Ein Gedanke zu „Über Sucre und Potosí zum Salar und den Lagunen

  1. rosi

    oje…….. Bolivien, ein Glück das Ihr doch gute Nerven habt. schade, das es in diesen Ländern immer so einen Ärger gibt. Dafür war alles war Ihr gesehen habt wunderschön.Bin nun mal gespannt wie es weiter geht.
    suerte Rosi

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