Das Ende der Sesshaftigkeit

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26.06.2013 – 15.07.2013

(BOLIVIEN: Departemento Cochabamba: Anzaldo; Departemento Potosí: Parque Nacional Torotoro; Departemento Cochabamba/ Departemento Santa Cruz: von Mizque über Aiquile und Saipina bis zur Ruta 7; Departemento Santa Cruz: Samaipata, “El Fuerte” und die Chorros de Cuevas; Departemento Santa Cruz/ Departemento Tarija: Von Samaipata bis hinter Villamontes an die Grenze zu Paraguay; PARAGUAY: Kurzbesuch im paraguayischen Chaco bei Rosi & Klaus und “mennonitisches Zeltlager”)

Nachdem unser Ausflug zum Cerro Tunari eine Art erste “Probe” des erneuten Lebens im Pinzgauer für uns war, hieß es am 26.06. tatsächlich Abschied nehmen – von Villa Moscú, von Nura und Hilmar und ihren Familien, sowie Friedel. Hier hatten wir eine wunderbare Zeit, doch wir mussten weiter und so fuhren wir mit einem lachenden und weinenden Auge bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen aus Cochabamba fort.

Unser nächstes Ziel sollte der Nationalpark Torotoro sein, ca. 180km von Cochabamba entfernt. Für diese Entfernung wird jedoch geraten einen ganzen Fahrtag einzulegen und so entschieden wir uns nur noch einen Teil dieser Strecke an unserem ersten Abend zu fahren. Florian kannte den Weg bis nach Anzaldo schon von seinen medizinischen Einsätzen und die knapp 70km bis dort waren im warmen Abendlicht auf den ziemlich guten Straßen schnell überwunden. Kurz vor Anzaldo fanden wir auf 3.000m einen wunderbaren Stellplatz mit traumhaftem Blick über die umliegenden Täler und Hänge und einem unglaublichen Sternehimmel in der Nacht.

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Schlafplatz bei Anzaldo.

Am nächsten Morgen sollte es früh losgehen, denn bis zum Nationalpark hatten wir noch einige Kilometer vor uns. Die Sonne schien herrlich als wir morgens bei 1,5°C aus dem Auto krabbelten und losfuhren. Zunächst durch das kleine Städtchen Anzaldo und dann immer weiter ins Inland hinein. Die wunderbare Straße folgte dabei einem kleinen Flusstal, das sich schnell in eine tiefe Schlucht und dann sogar in einen imposanten Canyon verwandelte. Traumhafte Landschaft mit Steinen in allen rot-, orange- und lilatönen und alles immer vor der Kulisse des wilden Flusstals, das in der jetzigen Trockenzeit jedoch kaum Wasser führte.
Immer wieder tauchten in den Straßenkehren kleine Dörfer auf, deren abenteuerliche Felder auf Inseln im Fluss oder an den steilen Hängen der umliegenden Schluchten lagen. Hühner und Schweine rannten über die Straße und die Ernte des Sommers wurde in den Bäumen getrocknet … eine richtige Landidylle vor wunderschöner, zum Teil wüstenartiger Naturkulisse. Zusammengefasst: Eine traumhafte Fahrt in Richtung Torotoro.

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Zum Schutz vor Ungeziefer wird die Ernte in Bäumen gelagert.

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Auf dem Weg zum Nationalpark Torotoro.

Das Örtchen Torotoro und den dort befindlichen, gleichnamigen und zugleich kleinsten Nationalpark Boliviens erreichten wir gegen Mittag. Und wie so oft herrschte natürlich Siesta. Das Touristenbüro, indem man die 30Bs pro Person an Nationalparkgebühr bezahlen sollte, war also leider geschlossen. Und als wir noch etwas ratlos vor der Tür des Büros standen, fiel uns ziemlich schnell ein Zettel ins Auge. Als Tourist hat man in Torotoro nämlich erstmal drei Pflichten: 1) sich beim Touristenbüro registrieren zu lassen, 2) die Nationalparkgebühren zu zahlen und 3) einen “Guide” zu engagieren, da ohne diesen die Besichtigung der Torotoro Highlights nicht möglich ist. Das hat uns doch etwas erstaunt, denn eigentlich hatten wir nicht vor Geld für einen Guide auszugeben und immer in Begleitung die Sehenswürdigkeiten des Parks zu erwandern. Hergekommen waren wir zwar vor allem wegen der versteinerten Dinosaurier-Spuren, aber wir hätten uns sicher auch die Höhlen und den Canyon angesehen. Nun standen wir also etwas unentschlossen dar.

Genau in diesem Moment kam Benedicto vorbei, ein einheimischer Guide, und pries uns die Schönheiten der Gegend an Smiley … natürlich zielte er darauf ab uns als neue Touristen gewinnen zu können. Damit hatte er auch letztendlich Erfolg, denn mit ihm zusammen sahen wir uns die versteinerten Dinosaurier-Spuren an. Für 50Bs nahm uns Benedicto mit hinunter an den Río Torotoro, in dessen Sandsteinufern die ersten und hier noch frei zugänglichen Dinosaurier-Fußspuren zu sehen waren. Wenn das alles gewesen wäre, dann wäre die Guide-Pflicht hier wirklich lächerlich gewesen, aber Benedicto führte uns über die Straße zu einem sonst abgesperrten Bereich, der einen Großteil des Hangs gegenüber des Örtchens ausmachte.
Hier wimmelte es nur so von weiteren Spuren, zu denen Benedicto immer was zu erzählen hatte. Überhaupt müssen wir sagen, dass sich der Guide hier tatsächlich gelohnt hat – er erzählte uns viel über die Geschichte des Tals bis zur Entdeckung der Fußspuren, über das Örtchen Torotoro und ein bisschen über seinen Heimatort in 5km Entfernung … außerdem hatte er witzigerweise immer den passenden Miniatur-Plastikdino zur Fußspur dabei! Smiley

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Mehr als 60 Millionen Jahre alter Fußabdruck eines jungen Allosauriers.

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Fußabdruck eines Pterodactylus, einem Flugsaurier, im Größenvergleich.

Generell findet sich bei vielen bolivianischen Sehenswürdigkeiten oder Nationalparks eine Guide-Pflicht. Das bietet natürlich einerseits Schutz vor Vandalismus und auch die Möglichkeit die lokale Bevölkerung am Tourismus mitverdienen zu lassen. In einigen Fällen mag das sinnvoll sein, dennoch finden wir es lästig bei einer einfachen Wanderung zu einem Wasserfall einen “Babysitter” dabei zu haben … in solchen Fällen haben wir uns also schon oft gegen den Besuch der Sehenswürdigkeit oder des Nationalparks entschieden.

Nach einer schönen Übernachtung im trockenen Flussbett, brachte der nächste Tag wieder einmal Sonnenschein und eine herrliche Rückfahrt bis Anzaldo, von wo aus es nach Toco, Arani und dann Richtung Mizque ging. Immer wieder durchquerten wir kleine, aus Lehmziegeln gebaute Dörfer.

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Ein typisches, aus Lehmziegeln gebautes Haus, wie sie auf dem Land häufig zu finden sind.

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Fantastische Landschaften am Wegesrand.

Das absolute Highlight des Tages war jedoch unser Übernachtungsplatz. An der Straße von Arani nach Mizque führte eine ziemlich neue, und noch kaum bearbeitete Straße einfach in die Höhe. Während ich zunächst noch zweifelte, hatte Florian sich schnell für diesen Weg entschieden. Diese Straße machte Kehre nach Kehre und führte immer weiter den Berg hinauf und endete auf einem wundervollen, sonnigen Hochplateau auf knapp 4.000m – meilenweite Sicht und von anderen Menschen keine Spur. Ein Traum mit Abendsonne, neugierigen Kolibris, vielen zusammengewürfelten Felsen und einem unglaublichen Sternenhimmel. Wir müssen ganz klar sagen, dass dieser Platz sofort auf unsere Schlafplatz-Favoritenliste gewandert ist! Natürlich war es hier Nachts kalt und sobald die Sonne hinter den Hügeln verschwand, musste man die Wollmütze herausholen, aber dafür war man auf 3.876m im Paradies Smiley. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Tag einfach auch noch hier blieben und es uns einen Tag lang gut gehen ließen.

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Auf dem Hochplateau mit wunderbarer Aussicht.

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Zwei Tage lang genossen wir hier die Aussicht.

Doch irgendwann musste es natürlich trotzdem weitergehen, denn bevor wir in Richtung Paraguay fahren wollten, stand ja auch noch Samaipata auf unserer Liste. Also ging es weiter durch die wilde Schönheit Boliviens, auf geschotterten Pisten, vorbei an großen, bunten Bergen und üppigen Kakteen. Zuerst einmal nach Mizque, wo wir für den regulären bolivianischen Benzinpreis von 3.74Bs/ pro Liter absolut volltanken konnten! Der kleine Junge als Tankwart wurde dafür mit einem ordentlichen Trinkgeld belohnt! Wir waren einfach froh, ohne zu diskutieren alles volltanken zu können und dafür sogar nur 3.74Bs zahlen zu müssen! Smiley Danach konnte der Tag eigentlich nicht mehr schlecht werden – und er wurde es auch nicht, denn wieder fanden wir einen wunderbar einsamen Stellplatz in einem ausgetrockneten Flusstal, an dem nur ein paar Kühe und Ziegen zu Besuch vorbeikamen.

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Auf dem Weg nach Mizque.

Am nächsten Tag – gemächlich wie immer, denn im Durschnitt sind wir auf den winzigen und sehr kurvigen Straßen mit einem Tempo von 30km/h unterwegs – ging es für uns weiter und zwar in Richtung Samaipata. Der Wild-West-Charme der Natur verabschiedete sich zusehends und auch die Staubstraßen verschwanden, als wir auf die alte Straße von Santa Cruz nach Cochabamba trafen. Das Letztere bedauerten wir aber nicht Smiley.
Samaipata liegt genau an dieser Strecke ca. 120km von Santa Cruz entfernt nach Westen. Es ist ein ruhiges, verschlafenes Städtchen, dass sich zwischen den grünen und saftigen Hügeln in ein kleines Tal schmiegt. Das Klima ist angenehm frisch, aber nicht kalt und von der Schwüle der Tropen weit entfernt, auch wenn die Vegetation schon wieder deutlich tropischer ist. Hergekommen waren wir, weil es rund um Samaipata Einiges zu entdecken gibt. Hier finden sich nicht nur unzählige Wanderwege, sondern auch El Fuerte de Samaipata, eine noch vor den Inkas gegründete Kultstätte mit einem riesigen, bearbeiteten Sandsteinfelsen in ihrem Zentrum.

Übernachtet haben wir während unserer Zeit in Samaipata auf dem Campingplatz eines holländischen Ehepaares, das schon seit 30 Jahren in Samaipata lebt. Ein wunderschönes Gelände, mit – wie wir finden – der bisher besten Dusche Südamerikas (sehr viel Wasser, super Strahl und extrem heiß Smiley) und dem besten Gemüse- und Kräutergarten, den wir je gesehen haben. Ein botanischer Garten hätte hier nicht vielfältiger und besser gepflegt sein können! Mit 50Bs pro Person ist der Platz natürlich nicht ganz billig, dafür waren aber die Leute nett und die Benutzung des Gemüse- und Kräutergartens inklusive! Kein Wunder also, dass wir kulinarisch hier so richtig zuschlugen – am ersten Tag eine riesige Schüssel Salat und dazu Rosmarin-Salbei-Kartoffeln und am zweiten Tag ein weiterer Salat und Knoblauch-Kräuter-Spaghetti! Oh, war das herrlich!

Nachdem wir also den ersten Tag erstmal nur auf dem Campingplatz verbrachten, Brot buken und sonstige Alltäglichkeiten bewältigten, stand der zweite Tag im Zeichen des Tourismus. Wir standen früh auf, frühstückten und fuhren passend los, um pünktlich zur Öffnung von El Fuerte um 9Uhr am Tor zu stehen. Das alles nur aus Angst vor den möglichen Touristenströmen. Erstaunlicherweise waren wir die ersten und einzigen Besucher und  hatten somit die Anlage – bis auf einen wirklich begabten, Pan-Flöte spielenden Parkwächter – ca. 2,5h für uns komplett alleine. Erst als wir wieder gehen wollten, kamen weitere Besucher. Unser baldiger Besuch von Macchu Picchu wird da wohl völlig anders aussehen! Smiley

El Fuerte bedeutet “die Festung” auf Spanisch. Der ursprüngliche Name der Anlage ist leider in Vergessenheit geraten. Es wird angenommen, dass diese Stätte ca. 1000 v.Chr.  von den Chiriguano gegründet wurde, einem Volk, das aus dem östlichen Chaco stammte. Im 16. Jahrhundert kamen die Inka aus dem Westen, die ihr riesiges Reich weiter nach Osten ausbreiten wollten. In einigen Konflikten wechselte El Fuerte dabei immer wieder den Besitzer … bis die Spanier 1570 nach Samaipata kamen und El Fuerte für sich einnahmen. Jede Kultur formte die Anlage natürlich nach ihren Ideen, baute an oder um. Fest steht aber wohl, dass es zumindest für die Chiriguano und die Inka eine religiöse und zeremonielle Stätte war. Für die Spanier war es tatsächlich eher eine Festung, die sie erst verließen, als Samaipata im Tal gegründet wurde.
Die gesamte Anlage ist in gutem Zustand und aus dem Dschungel herausgearbeitet, der den Sandsteinfelsen und die umliegenden Hügel umgibt. Unterhalb des rituellen Felsens gibt es immer wieder Lichtungen, auf denen Häuser für die Priester standen, und eine große Plaza mit altem Markthaus. Wirklich ein beeindruckender Komplex, durch den ein gelungener Rundweg führt … und das alles sogar ohne einen Guide Zwinkerndes Smiley.

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Blick auf den bearbeiteten Sandsteinfelsen im Zentrum von “El Fuerte”.

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Grundrisse spanischer Behausungen vor dem rituellen Felsen der Chiriguano und Inka.

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Plaza und wiederaufgebaute Inka-Bauten unterhalb des Sandsteinfelsens.

Danach wollten wir irgendwo am Straßenrand eine kleine Mittagspause machen, ehe eine Wanderung zu den Chorros de Cuevas, drei wunderschönen Wasserfällen, anstand. Man folgte dem Flusslauf bergauf und musste dabei teilweise durch das herrlich kühle Wasser waten. Unterhalb der Wasserfälle gab es immer wieder kleine Sandstrände und zusammen mit dem Grün der Pflanzen und dem Gurgeln des Flüsschens, hätte man hier Stunden verbringen können. Uns trieb aber irgendwann der Heißhunger nach Samaipata zurück Smiley.

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Der dritte der “Chorros de Cuevas”.

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Barfuß geht’s den Bachlauf entlang.

Auf dem Rückweg konnten wir unsere neue Tank-Strategie anwenden. Da es in Bolivien für Ausländer leider immer wieder ein Problem ist, Benzin zu einem guten Preis bzw. in ausreichenden Mengen zu bekommen, suchten wir uns Alternativen zu den offiziellen Tankstellen. Häufig bieten Privatleute mit einem einfachen “Hay Gasolina” oder “Se Vende Gasolina”-Schild an der Hauswand Benzin zum Verkauf an. Dies richtet sich in erster Linie an Motorradfahrer mit geringer Reichweite und kostet dann zwar mehr als die offiziellen 3.74Bs pro Liter, ist mit 5 bis 6 Bs aber immer noch deutlich günstiger als die 9,2Bs an regulären Tankstellen. Seit dem Rückweg von Torotoro versuchen wir nun also – wenn wir ein solches Schild entdecken und gerade etwas Benzin benötigen – anzuhalten und Benzin zu kaufen. Die Volumenmengen variieren dabei jedoch stark … von 60L bis hin zu 500ml Zwinkerndes Smiley hätten wir schon Benzin kaufen können!
Zum Glück ist der Pinzgauer ja sehr anspruchslos, was die Qualität des Benzins betrifft (Hauptsache die Quantität stimmt Zwinkerndes Smiley) – bisher hatten wir also noch keine Probleme.

Erwähnenswert finden wir übrigens auch noch, wie sehr sich der Besuch der Sprachschule ausgezahlt hat! Wir verstehen die Leute nicht nur besser, sondern können richtige Unterhaltungen führen. Für Philosphie-Diskussionen reicht es natürlich noch nicht, es geht aber mittlerweile über den üblichen Smalltalk hinaus.  Das macht das Reisen und die Begegnungen mit den Menschen, oder auch die kurzen Zwischenstopps an den Maut- und Polizei-Stationen, insgesamt wesentlich entspannter und auch interessanter. Denn endlich können auch wir den Leuten etwas von uns erzählen und müssen nicht immer nur auf die Fragen mit “No entiendo” (Ich verstehe nicht) oder “Despacio, por favor” (Langsamer, bitte) antworten.

Einen weiteren Stopp in Samaipata legten wir bei Gerhard Griese ein. Er betreibt eine deutsche Metzgerei, deren Schild wir bei der Ankunft in Samaipata am Straßenrand gesehen hatten. Er ist seit 30 Jahren im Metzgerei-Geschäft und stellt seine Wurst, die in allen größeren Städten Boliviens verkauft wird, in Samaipata her. Als wir bei ihm auf den Hof fuhren, kam er gerade um die Ecke und begrüßte uns mit seinem nordisch-eingefärbten “Na, was macht ihr denn hier?” – gerade so, als würden wir ihn kennen! Smiley Er hatte wenig Zeit, erzählte uns aber trotzdem ein bisschen über seine Anfänge in Bolivien und dass er eigentlich nach Paraguay hatte gehen wollen. Außerdem führte er uns in seinen Kühlraum, wo so einige Leckereien auf den Verkauf warteten. Wir – da natürlich noch ohne Kühlschrank – konnten leider nur einen Holsteiner- und Bondiola-Schinken, sowie eine Salami mitnehmen.

Am nächsten Morgen ging es von Samaipata weiter in Richtung Villamontes, dem Ausgangsort für die Grenzüberquerung nach Paraguay. Gestärkt durch den leckeren Holsteiner-Schinken, ging’s für uns früh los und schon um 7Uhr waren wir auf der Straße, schließlich lagen gut 560km vor uns. Die Straßen waren gut, an Maut- und Polizeikontrollen gab es erfreulicherweise wenig Diskussionen und unsere Fahrt lief daher wie am Schnürchen. Durch zunächst tropische Gegenden, wurde die Landschaft ab Santa Cruz wieder von Viehzucht geprägt. Je weiter wir in den Süden kam, desto trockener wurde das Klima und allmählich sah die Landschaft auch schon wieder aus, wie der uns gut bekannte Chaco Smiley.

Wir übernachteten direkt vor dem Grenzörtchen Ibibobo und wurden im Morgengrauen von dem bisher lautstärksten Guten-Morgen-Konzert der Chaco Chachalacas, den “Buschhühnern”, geweckt. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das Geschrei der Vögel durch den dornigen Chaco – und so auch an diesem Morgen. Für uns nur ein weiteres Indiz, dass wir uns dem paraguayischen Teil des Chaco näherten … und somit auch unseren Freunden … und dem neuen Kühlschrank Zwinkerndes Smiley.

Schon um 7Uhr standen wir in Ibibobo bei der Migration vor der Tür und entwischten anschließend der bolivianischen Polizei, die – natürlich gegen Geld – gerne eine Kopie der Zollpapiere des Pinzgauers gemacht hätten. Da wir aber wussten, dass dies unnötig ist und uns die Dame von der Migration das nochmals bestätige, nahmen wir einen anderen Abzweig und rollten der Grenze entgegen. Dort angekommen, machten wir die übliche Tour durch die Zollämter, reisten mit dem Auto aus Bolivien aus und nach Paraguay ein. Sehr unkompliziert, ohne größere Kontrollen – nur einen KfZ-Versicherungsnachweis wollte der bolivianische Beamte bei der Ausreise noch sehen … warum? Wir wissen es auch nicht Smiley.

Und so einfach waren wir dann wieder zurück – in Paraguay – das wir drei Monate zuvor verlassen hatten. Dass wir noch einmal hierher zurückkehren würden, hätten wir uns ja eigentlich auch nicht träumen lassen. Es war noch früh und wir hatten – im Gegensatz zum Vortag – nur ca. 360km vor uns. Wir malten uns den Tag schon ganz nett aus – Fahrt nach Mariscal Estigarribia zur Migration von Paraguay, dann nach Filadelfia, mal eben ein bisschen einkaufen, Klaus und Rosi anrufen und auf unsere Ankunft vorbereiten und dann gemütlich nach Valencia fahren.
Allerdings hatten wir unsere Rechnung ohne die paraguayische Transchaco-Route gemacht. Jede bisher in Bolivien gefahrene Straße war besser als dieser Asphalt! Schlagloch neben Schlagloch, dann zum Teil gar kein Asphalt mehr. Dies stellte sich aber sogar als Vorteil heraus, da es hier wenigstens keine 40cm tiefen Schlaglöcher mehr gab, sondern nur noch staubiges Waschbrett. Insgesamt schlugen unsere Federn auf dieser Strecke sicher 40 Mal durch, so dass wir sehr froh sind, dass neben dem Kühlschrank auch ein neues paar stärkere Vorderachsfedern dabei waren. Für die “wenigen” Kilometer brauchten wir am Ende – trotz unseres frühen Starts – den ganzen Tag.  Dazu kam noch, dass es mit 35°C wirklich heiß war und der im Chaco berüchtigte, starke Nordwind blies, der den gelben Sand in dichten Staubwolken über die Straße fegte.

Dreckig vom Staub und geschafft nach dem heißen, langen Tag, kamen wir am späten Nachmittag in Filadelfia an. Es war ein tolles Gefühl in eine Stadt zurückzukehren, in der man sich schon richtig auskannte. Schnell erledigten wir das Nötigste, trafen auf dem Supermarktparkplatz einen Mann aus Marl, der gleich unser Recklinghäuser Kennzeichen erkannt hatte und versuchten dann über das Internet Kontakt zu Rosi & Klaus aufzunehmen. Wir erreichten sie leider nicht und entschieden uns dafür einfach unangekündigt vorbeizuschauen.

Im letzten Tageslicht erreichten wir die Farm von Anna und Hildi, auf deren Grundstück das gemütliche Häuschen von Rosi und Klaus steht. Als wir an deren Tür klopften und die Köpfe herein steckten, war die Überraschung gelungen und Rosi und Klaus sprangen vom Abendbrot-Tisch auf. Es war ein schönes Gefühl die beiden wiederzusehen, da wir vor drei Monaten mit dem eigentlichen Wissen abgefahren waren, dass man sich vermutlich nie wiedersehen wird. Nun standen wir doch wieder vor ihrer Tür und wurden ausgiebigst in die Arme geschlossen Smiley. Am Abend wurden erstmal die vergangenen drei Monate rekapituliert. Außerdem hatten wir ja auch noch Pakete aus Deutschland auszupacken, so dass es sich ein wenig anfühlte, als wäre Weihnachten. Der neue Kühlschrank, sowie einige Autoersatzteile hatten wir zu Rosi und Klaus schicken dürfen, denn Paraguay erhebt auf Pakete, die einen Warenwert von 200 US$ nicht überschreiten, keine Einfuhrzölle. Dabei mussten wir bei der Taxierung auf den Zollpapieren etwas kreativ sein. Da unsere Pakete den Zoll jedoch anstandslos passiert haben, hat sich der Umweg über Paraguay für uns wirklich ausgezahlt.

Die nächsten zwei Tage standen erstmal im Zeichen des Pinzgauers, der mal ein bisschen general-überholt und geputzt wurde. Die Bremsen wurden kontrolliert, das Öl nachgefüllt, das Fett nachgeschmiert und natürlich der neue Kühlschrank eingebaut. Dabei mussten wir zunächst unseren schon bestehenden Innenausbau minimal verändern, damit der neue Kühlschrank seinen Platz fand. Aber mit Klaus umfassender Werkzeugausrüstung hatten das die beiden Herren ziemlich schnell fertig gebracht.
Und auch auf der Farm von Anna & Hildi war wieder einiges los – denn gerade war “Kälbchen”-Zeit, so dass jeden Tag mehrere neue Kälber auf den Weiden standen … darunter auch ein Zwillings-Paar Smiley. Auch bei diesem Besuch konnten wir mit Hildi auf die Weide fahren. Da sich bei einigen der neuen Kälbchen der Bauchnabel mit den Resten der Nabelschnur entzündet hatte, musste zur Behandlung der Kleinen die gesamte Herde in den Corral getrieben werden.

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Zur Behandlung werden die Kälber mit dem Lasso eingefangen.

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Einmal auf dem Boden liegend, lassen die Kälber die Behandlung erstaunlich ruhig über sich ergehen.

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Das 3 Tage alte Bullen-Kalb des Zwillingspaares.

Der Einbau des neuen Kühlschranks kam dabei gerade rechtzeitig, denn ein “Ausflug” war geplant Smiley. Dieses Mal nicht nur mit Rosi und Klaus, sondern auch mit ihren Freunden Elsi und Viktor, die wir schon von unserem ersten Besuch kannten, sowie weiteren Freunden. Es waren nämlich gerade Sommerferien und wie in jedem Jahr, nehmen sich die Mennoniten zwei bis drei Tage von ihrem Hof-Alltag frei und fahren weg. Meist zu einem der großen Flüsse, wie dem Río Pilcomayo im Westen, oder dem Río Paraguay im Osten. Und uns wurde unmissverständlich Smiley klar gemacht, dass wir doch auch dabei sein sollten!

In diesem Jahr sollte es für insgesamt 23 Leute (davon elf Kinder) in sechs Autos für drei Tage an den Río Paraguay, genauer gesagt nach Puerto Casado gehen. In Puerto Casado waren die ersten mennonitischen Siedler in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Schiff aus Asunción angekommen und fuhren dann mit der Eisenbahn eines Tannin-Fabrikanten bis Puntariel, bevor es ab dort mit dem Ochsenkarren weiter in den Chaco ging. Hauptsächlich hatte man sich Puerto Casado aber wohl wegen des Flusses, dem Fischen und einem möglichen Boots-Trip ausgesucht Smiley.

So fuhren wir an einem grauen Dienstagmorgen mit Nieselregen alle gemeinsam los in Richtung Osten und gabelten unterwegs Elsis Bruder samt Familie, dessen Schwager mit Familie, sowie weitere Freunde in ihren Pick-Ups auf. Angekündigt war eigentlich besseres Wetter, aber davon merkte man auf den ersten 100km nichts. Es hatte geregnet und die Erdwege waren glitschig, matschig und daher auch unglaublich rutschig. Selbst der Pinzgauer kam hier des Öfteren ins Schlingern und unser Heck versuchte uns mehrfach zu überholen. Klaus mussten wir sogar aus dem Dreck ziehen, als er sich trotz 4×4 nach einem Rutschmanöver unglücklicherweise in den Graben manövriert hatte und sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnte. Doch das Glück war auf unserer Seite und ab Puntariel waren die Wege wieder trocken und die Fahrt konnte ohne Probleme weitergehen.

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Glitschig wie Schmierseife und klebrig wie Kleister zugleich – wer hier im Graben hängt, kommt auch mit Allrad ohne Hilfe nicht mehr raus.

Nachmittags erreichten wir das kleine Städtchen Puerto Casado, ca. 280km von Valencia entfernt, am Río Paraguay. Die Sonne schien mittlerweile unbarmherzig vom Himmel und es hatte sich auf 34°C erwärmt. Puerto Casado war einst ein reiches Städtchen, dessen ehemaligen Glanz man noch gut an den hübschen Häusern erkennen kann. Hier stand einst eine große Tannin-Fabrik, die das Tannin zur Ledergerbung aus dem im Chaco wachsenden Quebracho-Baum gewann. Doch nachdem natürliches Tannin zur Ledergerbung nicht mehr gebraucht wurde, musste die Fabrik geschlossen werden und die Stadt verlor enorm an Bedeutung.

Mit unserer Ankunft begann die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz. Eine wirklich Ahnung, wo man sich mit dieser großen Gruppe hinstellen könnte, hatten die Mennoniten aber auch nicht. Doch nach einigem Herum-Fragen landeten wir auf einer Wiese direkt am Fluss, gegenüber der Polizei. Wir selber versuchen Stellplätze in der Nähe von Siedlungen immer zu meiden und waren daher zunächst etwas skeptisch. Doch auch wenn immer mal wieder Leute aus der Stadt zum “Zeltlager-Begucken” vorbeikamen, hatten wir einen tollen Platz für die drei Tage gefunden. Eine Treppe führte hinunter zum breiten Fluss, der hier eine langgezogene Kurve machte und es gab genug Schattenplätze, um sich vor der brennenden Sonne zu schützen.

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Das “Iglu”-Zeltlager ist errichtet.

Kaum waren wir angekommen, wurden die Zelte aufgebaut, ein Feuer entfacht und das Asado fürs Abendessen vorbereitet. Losgerissene Inseln aus Wasserhyazinthen trieben stromabwärts und wirkten wie kleine Boote auf dem großen Fluss, über dem inzwischen die Sonne unterging und den Himmel in unglaubliche Rot-, Gelb- und Orange-Töne tauchte. Solche Sonnenuntergänge hatten wir schon lange nicht mehr gesehen und konnten kaum genug davon bekommen Smiley. Trotz der hier wieder nervenden Moskitos war es schön mit den Leuten am Feuer zu sitzen und endlich mal wieder Asado zu essen.

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Fischer im Abendlicht.

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Inseln aus Wasserhyazinthen treiben den Fluss hinunter.

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Zubereitung des allabendlichen “Asados”.

Auch die nächsten Tage verliefen recht ähnlich und entspannt. Eine Gruppe paraguayischer Fischer kam vorbei, die ein Krokodil geschossen hatten und es an Land direkt zerlegten. Auf ausdrücklichen Wunsch des Fischers sollten Florian und ich unbedingt ein Bild mit dem erlegten Krokodil machen. Wir hätten auch die Haut mitnehmen können, “ihr müsst sie nur noch mit Salz behandeln” hat er gesagt … aber wir wollten uns lieber nicht vorstellen, was passiert, wenn wir mit einer Krokodilhaut am Zoll auftauchen Smiley.

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Gar nicht so einfach das Biest fürs Foto ruhig zu halten Zwinkerndes Smiley.

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Nur das Fleisch, insgesamt 38kg, wurde für umgerechnet rund 60€ verkauft.

Mittags gab es den uns schon bekannten Guiso und abends natürlich wieder Asado … und leider auch Moskitos.
Während die Mennoniten am letzten Tag eine Bootstour nach Vallemí machten, erkundeten Florian und ich die nahegelegene Tannin-Fabrik … oder besser gesagt deren Ruinen. An vielen Stellen finden sich Zugänge auf das alte Werksgelände, mit den großen Hallen, Häusern und Werkstätten. Oft sind sogar noch Fahrzeuge in den Hallen geparkt und auch Maschinen und Werkzeuge blieben zurück. Doch im Großen und Ganzen hat sich die Natur das Gelände schon wieder zurückerobert.

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Pflanzen überwuchern die Industrie-Ruine.

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Züge, Fahrzeuge und Maschinen sind auf dem Gelände zurückgelassen worden.

Am Freitag ging es wieder zurück nach Hause. Dieses Mal nicht in Kolonne, denn wir fuhren mit Rosi und Klaus gemütlicher als die zum Teil doch recht forsch fahrenden Mennoniten. Außerdem hatten wir erneut das Pech, dass es in den Tagen unseres Ausflugs geregnet haben musste, so dass ein Teil der Erdstraße in einer Senke in einem wirklich schlimmen Zustand war. Lkws hingen am leichten Hügel und fuhren sich immer wieder im Schlamm fest, die Autos stauten sich dahinter. Da wir nicht für immer warten wollten, nahmen wir Klaus und Rosi und ihren Toyota Landcruiser, dessen Reifen für den Matsch leider nicht geeignet waren, in den Schlepp und fuhren kurzerhand an den stehenden Fahrzeugen vorbei.
Allerdings nur solange, bis wir vor einem großen Viehtransporter mit Hänger standen, der ebenfalls nicht weiterkam und die Straße versperrte. Als uns die Fahrer des Lkws dann vorschlugen, wir sollten sie doch mit dem Pinzi rausziehen, waren wir zunächst ein wenig skeptisch, versuchten aber dennoch unser Glück … und hatten Erfolg! Smiley Da zog doch der kleine Pinzi tatsächlich einen großen, zum Glück aber unbeladenen Lkw wieder auf die Straße und machte das Weiterkommen der anderen Fahrzeuge möglich. Wir waren natürlich mächtig stolz, besonders weil die Fahrer der anderen Lkws vorher so ungläubig gegrinst haben Smiley.

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Mit einem dicken Stahlseil wird der Viehtransporter angehängt.

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Unter staunenden Blicken zieht der Pinzi den Lkw wieder auf die Straße Smiley.

Und so konnten wir nach der Bergungsaktion erneut weiterfahren und erreichten am Nachmittag Valencia. Doch damit kündigte sich auch so langsam unsere Rückkehr nach Bolivien an. Das Wochenende verbrachten wir natürlich noch bei Rosi und Klaus. Am Sonntag gab es bei Grill-Spezialist Viktor nochmals eine köstliche Lammkeule vom Spieß. Das zarte Fleisch zerging auf der Zunge und war eine willkommene Abwechslung zum – für europäische Geschmäcker – doch sehr fettigen Asado. Schon lange haben wir nicht mehr so herrliches Fleisch gegessen.

Montags hieß es für uns dann aber endgültig Aufbruch und auch Abschied, schließlich hatten wir uns lange und ausgiebigst bei Rosi und Klaus dick und rund gefuttert. Mit mehreren Gläsern Sauerampfer-Marmelade, frisch gebackenem Brot und Samen zur Selbstanzucht des “Sauerampfers” (der – wie wir mittlerweile wissen – eigentlich kein Sauerampfer sondern eine Hibiskus-Art ist), füllten wir den Kühlschrank mit mehreren Köstlichkeiten in Filadelfia auf, bunkerten kiloweise Roggenmehl, Erdnüsse und Melasse für unser selbstgebackenes Sauerteig-Brot und machten uns wieder auf den Weg in Richtung Bolivien.

Im Grenzgebiet der beiden Länder fiel uns dann auf, dass wir Shampoo und Duschgel in Valencia hatten stehen lassen – und wie Klaus auch einige Tage später in einer Mail schrieb, würden sie es für uns aufbewahren, bis wir zum dritten Mal vorbeikommen Smiley. Vielleicht wieder in drei Monaten? Zwinkerndes Smiley Schließlich sind alle guten Dinge ja bekanntlich drei … Smiley

Jetzt müssen wir uns aber erstmal das restliche Bolivien ansehen, denn da wartet ja noch so Einiges auf uns.

Bis zum nächsten Bericht,

K+F

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