Chiles Seengebiet und ein kurzer Abstecher zurück nach Argentinien

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19.11.2013 – 08.12.2013

(CHILE: Region IX La Araucania – Umrundung des Parque Nacional Huerquehue und Besuch der Thermen am Río Blanco, über Villarrica nach Pucón, Umrundung des Lago Calafquén zum Lago Riñihue; Region XV Los Ríos – Umrundung des Lago Ranco, vorbei an Entre Lagos bis zum Lago Rupanco; Region X Los Lagos – Umrundung des Lago Llanquihue über Puerto Octay, Frutillar, Puerto Varas und Ensenada in Richtung Entre Lagos; am Lago Puyehue entlang zum Paso Antonio Samoré; ARGENTINIEN: über Villa La Angostura nach San Carlos de Bariloche; Fahrt durch den Nationalpark Nahuel Huapi bis zum Lago Guillelmo, Weiterfahrt bis El Bolsón; durch den Nationalpark Los Alerces nach Trevelín und über den Paso Futaleufú nach zurück nach Chile)

Nach inzwischen 51 Tagen in Argentinien stand jetzt erneut ein Grenzübertritt nach Chile an. Die Grenzkontrolle am Paso Mamuil Malal stellte sich dabei als genau so einfach wie erhofft heraus: Die Argentinier saßen wie immer entspannt in ihrem hölzernen Grenzgebäude und auch die Chilenen hatten sehr viel mehr Interesse am Pinzgauer und einem Foto mit diesem, als an unserer Einreise. So kamen wir um eine Durchsuchung des Wagens nach Lebensmittel ein weiteres Mal herum und rollten schon bald durch die grünen Hügel des Nationalparks Villarrica  hinab in Richtung Pucón.

Herrlichstes Wetter hieß uns auf der anderen Andenseite willkommen und der Ginster blühte auch hier aus Leibeskräften, wobei der leuchtend rote chilenische Feuerbusch das Gelb des Ginsters noch zu übertrumpfen versuchte. Vom 1.200 Meter hohen Pass ging es auf kurvenreicher Strecke hinunter in das nur noch auf 300m liegende Pucón. Auf diesem Weg  konnten wir auch die ersten Ausblicke auf den 2.847m hohen Vulkan Villarrica erhaschen, der zwischen der gleichnamigen Stadt und Pucón über dem Lago Villarrica thront. Weithin sichtbar, überragt er mit seiner blütenweißen und scheinbar makellosen Spitze die bewaldeten Hänge und Wildblumenwiesen. Am Tag zuvor hatten wir den größeren Vulkan Lanín  auf argentinischer Seite bestaunt, aber jetzt erschien uns der Villarrica doch noch perfekter geformt zu sein.

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Wiesen voller Wildblumen vor dem Vulkan Villarrica.

Das sehr touristische Pucón steuerten wir erst einmal nur an, um unsere frischen Lebensmittel auf einen adäquaten Stand zu bringen, bevor wir weiter nördlich in Richtung des Nationalparks Huerquehue fahren wollten. Viele Thermalquellen befinden sich in dieser Region und sind umgeben von Araukarienwäldern, klaren Bächen, Seen und Wasserfällen.
Bis zu den Thermalquellen unserer Wahl schafften wir es jedoch am ersten Tag noch nicht und suchten uns einen sonnigen Platz vor einem Gatter neben einem rauschenden Bach. Ein Sturzbachenten-Paar mit ihren Küken zeigte hier seine unglaublichen Künste beim Manövrieren im Wildwasser. Wie sie gegen den starken Strom mühelos anglitten oder auf der Stelle stehen bleiben konnten, trotz der wilden Fluten, beeindruckte uns sehr … vor allem bei den nur Handteller-großen Küken! So genossen wir während der letzten Sonnenstrahlen fasziniert ihre Vorstellung bei einem kühlen Bier, bis wir uns zum Abendessen ins warm Auto zurückzogen.
Als wir das Essen gerade beendet hatten und es langsam dämmerte, spazierte plötzlich eine rote Baseball-Mütze am Autofenster vorbei. Florian lehnte sich zum Fenster hinaus und erblickte Ernesto, dem das Grundstück hinter dem Gatter gehört – ein netter, lustiger Mann mit freundlichen Augen.
Wir fragten, ob es ok sei hier für eine Nacht zu stehen und er hatte absolut nichts dagegen, wollte zu unserer großen Verwunderung vielmehr wissen, ob wir Milch mögen würden?! Als wir dies bejahten, lud er uns auch gleich für den nächsten Morgen zu einer Tasse frischer Milch auf seinen Hof ein.

So kam es also, dass er uns am nächsten Morgen um 9Uhr unten am Gatter abholte und wir mit ihm zusammen durch den wilden Araukarienwald hinauf in die Hänge wanderten. Die Blicke auf die umliegenden Berge und Vulkane wurden immer besser, als wir nach mehr als einem Kilometer eine großzügige Lichtung auf einem Hügel erreichten. Ein kleines Holzhäuschen stand hier, zwei Scheunen und ein paar zusammengezimmerte Verschläge. Kühe grasten auf der Wiese, zwei Hunde bellten schwanzwedelnd von der Scheune herüber und überall scharrten und pickten Hühner in der dunklen Erde.

Ernesto wohnt hier seit 8 Jahren mit seiner Frau Maria – zwei Töchter wohnen und arbeiten in Pucón und der Sohn ist beim Militär. Die Sonne schien warm durch die einfach-verglasten Fenster, als wir uns zusammen an den gemütlichen Esstisch setzten. Das kleine, selbstgebaute Haus besteht nur aus 4 Zimmern, wobei der Koch- und Wohnraum weit mehr als die Hälfte einnehmen. Ganz zentral steht hier ein kleiner Holzofen, um den sich die Sitzgelegenheiten drängen, sowie der große, holzbefeuerte Herd in der Küche. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt stellt ein altes batteriebetriebenes Radio dar, denn Strom, Telefon oder Handyempfang gibt es hier natürlich keinen.
Auf dem Herd stand ein großer Topf voller frischer, heißer Milch mit der uns Maria auch gleich einen Kaffee servierte. Die beiden wollten viel wissen – über uns und Deutschland, wo wir herkämen, was wir in Südamerika schon alles gesehen hätten. Voller Stolz zeigten sie uns auch ihre vergilbte Fotosammlung aller Kinder, Enkel und Verwandten – etwas, was wir inzwischen schon oft erlebt haben und uns immer wieder verdeutlicht, wie groß der Stellenwert der Familie in den südamerikanischen Ländern doch ist.

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Mit Ernesto und Maria neben ihrem roten Holzhäuschen.

Es war richtig nett mit den beiden und wir waren mal wieder froh, dass unsere Spanischkenntnisse inzwischen solche Unterhaltungen zulassen. Nach dem Kaffee bekamen wir jeder noch mehrere Tassen heiße Milch und erst jetzt merkten wir, wie würzig diese schmeckte. Nach Kräutern und Blumenwiese – wirklich richtig gut! Maria erzählte uns, dass sie daraus auch Käse und Frischkäse macht und zeigte uns stolz ihre gestrickten Schals, Teppiche und Pullover, die sie in Pucón verkauft. Auch den Gemüsegarten der beiden bekamen wir vorgeführt und erkundeten so zum ersten Mal eines der hier so typischen Gewächshäuser von Innen.
Ein solches, mit lichtdurchlässiger Plane bespanntes Holzgestell, dessen rundes Dach aus gebogenen Bambusstielen besteht, steht hier fast neben jedem Haus. Durch die überraschend milden Temperaturen im Winter ist, laut Maria, der Anbau von Gemüse im Gewächshaus das ganze Jahr über möglich. Als wir in die feuchte Wärme des Gewächshauses traten, wuchs hier jedenfalls alles, was das Herz begehrt: Junge Salatköpfe sprossen aus dem Boden, Zitronenmelisse, Salbei und weitere Kräuter gediehen hier ebenso wie Gurkenpflanzen und Zwiebeln. Draußen vor dem Gewächshaus standen Kirsch- und Apfelbäume und auch einige Beerensträucher. Wir jedenfalls waren schwer beeindruckt Smiley.

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Ein Blick in das Planen-Gewächshaus der beiden.

Zum Abschied zeigten sie uns auch noch ihre kleine Araukarien-Zucht. Die Samen der Araukarie – auch Piñones genannt – dürfen auf freiem Grund nur von den Mapuche Indianern gesammelt werden. Ernesto und Maria züchten in ihrem eigenen Garten aber ebenfalls Araukarien und setzen sie in die umliegenden Wälder. Die ca. 4cm langen Samen werden kühl, dunkel und leicht feucht gelagert und können roh gegessen oder zu anderen Speisen verarbeitet werden. Jeder von uns bekam gleich mehrere der keilförmigen Samen zum Probieren in die Hand gedrückt. Der Geschmack erinnerte uns stark an die heimische Esskastanie.

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Piñones – die Samen der Araukarie. 

Seit unserer Ankunft waren inzwischen mehr als zwei Stunden vergangen und wir verabschiedeten uns von den beiden, um die Thermen heute noch zu erreichen. Ernesto betonte nochmals, dass wir gerne auch noch bleiben oder nochmals vorbeikommen könnten, wenn wir in der Gegend wären. Wir versprachen uns zu melden, falls wir noch mal in der Nähe sein sollten und bedankten uns für die beispiellose Gastfreundschaft.

Es war inzwischen Mittag, als wir zurück auf die Schotterpiste bogen, zum eigentlichen Ziel – den Eco-Thermen des Río Blanco. Allerdings fanden wir schon nach wenigen Kilometern eine so herrliche Stelle auf einer Lichtung im Wald, dass wir einfach nicht an ihr vorbeifahren konnten. Die Sonne schien in den hier vollkommen ursprünglichen Wald, ein klarer Bach sprudelte vorbei und wir entschieden uns kurzerhand die Thermen noch einen weiteren Tag warten zu lassen.

Wir hatten gerade alle Sachen für einen gemütlichen Tag am Fluss hervorgekramt und wollten uns genüsslich in die Sonne setzen, da winkte uns von der gegenüberliegenden Flussseite ein kleines Männchen zu. Er sagte nichts, gestikulierte nur wild mit den Händen und bedeutete uns, dass er vorbei kommen würde. Wir sahen uns zu diesem Zeitpunkt noch etwas verwirrt an – nicht nur, dass es nicht einmal eine halbe Stunde gedauert hatte, bis wir erneut mitten im Wald und scheinbar weitab jeder Siedlung auf einen Menschen gestoßen waren, sondern wir stellten nun auch fest, was es mit den Gesten des Mannes auf sich hatte …

… das hutzelige, hagere Männchen mit seinen sicher über 75 Jahren war taubstumm! Das hielt ihn aber nicht davon ab, sich mit uns beiden für eine 3/4 Stunde zu unterhalten Smiley. Nach anfänglichen Schwierigkeiten alle seine Gesten zu deuten, wurden auch wir immer besser in der nonverbalen Kommunikation und “lauschten” seinen Erzählungen. Er würde nur ein paar Kilometer von hier leben und jeden Morgen und Abend eine Runde drehen. Das Campen wäre hier kein Problem, wir könnten aber auch gerne mit zu ihm kommen, wo es Pferde und eine Wiese gäbe. Wir konnten ihm aber klarmachen, dass es uns hier sehr gut gefiel. Denn auch, wenn wir erstaunlich gut kommunizieren konnten, so fürchteten wir doch, dass uns nach einer Weile die Themen für eine pantomimische Konversation ausgehen würden. So blieben wir auf der Lichtung, auf der wir einen herrlichen Tag verbrachten, und bekamen  am Abend, auf seiner zweiten Runde, erneut Besuch von unserem taubstummen Chilenen. Er leistete uns für eine halbe Stunde Gesellschaft beim Abendbrot, bevor er sich winkend und lachend verabschiedete. Er hatte sichtlich Freude daran gehabt seine Geschichten zu erzählen. Auch wenn wir nicht alles verstanden haben, so war es doch auch für uns eine nette Erfahrung.

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Ein Platz, an dem wir nicht vorbeifahren konnten …

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Überall an den Bäumen, auf Steinen und in der Wiese sonnten sich Eidechsen in der warmen Sonne.

Am dritten Tag landeten wir dann schließlich und endlich doch noch auf dem Campingplatz an den Eco-Thermen des Río Blanco, die uns von anderen Reisenden empfohlen worden waren. Drei Becken werden hier auf einer Obstbaumwiese vom heißen Thermalwasser gespeist, das so heiß aus der Erde in das erste Becken strömt, dass man nicht länger als fünf Sekunden seine Finger hineinhalten möchte. Selbst das zweite, schon mit Flusswasser gekühlte Becken, ist für ein angenehmes Bad noch viel zu heiß. Erst das dritte und letzte Becken direkt auf Höhe des Flusses entpuppte sich als herrliche Badewanne. Eingefasst mit Natursteinen und Kieselboden kann man sich auf die Kante des Beckens stützen und dem Río Blanco zusehen, der direkt neben einem vorbeirauscht … oder man nutzt den eiskalten Gebirgsbach als temporäre Abkühlung zum heißen Thermalbecken. Wenn man doch nur auch eine Thermalquelle im heimischen Garten hätte Smiley.

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Das dritte und ungefähr 40°C heiße Becken der Eco-Thermen.

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Zur Abkühlung genügte es über eine kleine Mauer in den eiskalten Río Blanco zu steigen.

Während es dank des herrlichen Wetters tagsüber viel zu heiß für ein Bad in den Quellen gewesen war, nutzen wir den kühleren Abend und den neblig, trüben Morgen des nächsten Tages, ehe wir aus dem Nationalpark Huerquehue vorbei am einigen Seen in Richtung der Stadt Villarrica fuhren. Florians Geburtstag stand vor der Tür und auch wenn es nicht wie an meinem Geburtstag nach 35°C und Sonnenschein aussah, wollten wir es uns möglichst nett machen. Der Plan war es, uns in Villarrica mit allerlei Köstlichkeiten einzudecken und dann zwei Tage auf einem Campingplatz mit Internet zu verbringen.
So einfach sollte es aber nicht werden…

Villarrica ist das weniger touristische Pendant zu Pucón am Westende des Lago Villarrica und dabei mit seinen fast 40.000 Einwohnern auch wesentlich größer. Was wir für das Geburtstagsessen brauchten bekamen wir in den Supermärkten, doch als wir den einzigen Campingplatz mit Internet ansteuerten, war dieser geschlossen. Vielmehr sah es so aus, als würde er auch in nächster Zukunft nicht mehr geöffnet, also mussten wir uns schleunigst einen neuen Plan überlegen. Nach einiger Überlegung beschlossen wir zurück nach Pucón zu fahren, wo es einen Camping mit W-LAN geben sollte.

Dort angekommen, suchten wir uns einen Platz, der wenigstens leidlichen Internetempfang ermöglichte und begannen, wie auf Campingplätzen üblich für uns, Wäsche zu waschen. Noch während wir am späten Nachmittag unsere Wäscheladungen auf der Leine verteilten, rollten überraschend  Tina und Marco auf den Campingplatz. Wir kannten die beiden schon aus La Paz, wo ihr Toyota bei Ernesto Hug direkt neben unserem Pinzi gestanden hatte.

Am nächsten Tag feierten wir dann Florians Geburtstag. Mit einem herrlichen und ausgiebigen Frühstück begann der Tag, der ab Mittag leider schon – wie vorhergesagt – in Regen überging. Gut, dass wir vorher noch schnell einen Erkundungsspaziergang durch die Stadt gemacht hatten. So machten wir uns aus dem verregneten Tag einen gemütlicher Geburtstag im warmen Auto mit leckerem Essen und wechselhaftem Internet, während die dicken Regentropfen auf das Autodach und die Fenster prasselten. Leider also kein Sommergeburtstag für Florian, aber trotzdem ganz schön.

Am nächsten Tag war der Regen wieder vorbei und Florian hatte den Entschluss gefasst sich einer Bergtour auf den Vulkan Villarrica anzuschließen. Tina und Marco hatten ihm gestern davon erzählt, dass sie beide mit dem Gedanken spielten … und Florian reizte die Besteigung des Berges ebenfalls sehr, gilt er doch als recht einfach zu meisternder, aktiver Vulkan. Ich hatte mich dagegen entschieden, bin ich doch so gar kein Freund von Wanderungen über Eis und Schnee mit Eispickel und Steigeisen.
Nachdem sich Tina und Marco allerdings doch gegen eine Besteigung entschieden hatten, organisierten wir kurzerhand Florians eigene Tour zum Vulkan über Aguaventura, eine exzellente Agentur mit fairen Konditionen. Am folgenden Tag – je nach Situation vor Ort – sollte also die Besteigung des Villarricas stattfinden.

Zurück am Campingplatz, teilten uns Tina und Marco mit, dass Johann und Christa auf dem Weg zu uns waren. Mit den beiden hatten wir schon öfter vereinbart, dass wir uns beim nächsten Mal endlich einmal auf einem Campingplatz treffen würden – und so fand dann tatsächlich nach all den Begegnungen im Vorbeifahren ein gemeinsames Treffen in Pucón statt. Auch Iris und Wolfram, die wir am Lago Traful kennengelernt hatten waren wieder mit dabei … und so gab es am Abend ein großes Grillfest, bei dem wir trotz der zunehmenden Kälte draußen ausharrten und von unseren jeweiligen Erlebnissen berichteten. Ein richtig netter Abend.

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Von links nach rechts: Der Wagen von Johann und Christa, das Bimobil von Iris und Wolfram und der Toyota von Marco und Tina.

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Gemütlichkeit – leider ohne Lagerfeuer, aber wenigstens mit Grill.

Am nächsten Morgen klingelte uns der Wecker früh aus den Federn – denn schon um 6.30Uhr musste sich Florian am Treffpunkt einfinden, bevor es mit dem Auto hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung an den Berg ging. Das Wetter versprach gut zu werden an diesem Tag – viel Sonne war vorhergesagt, allerdings auch viel Wind. Leider war der Wind am Startpunkt der Tour bereits so heftig, dass die Guides der Gruppe gleich zu Beginn sagten, dass eine Gipfelbesteigung heute eher unwahrscheinlich werden würde. Da der Gletscher zur Zeit sehr vereist sei, wäre eine Überquerung bei zu starkem Wind ein zu großes Risiko. An diesem Punkt bestand dann auch die letzte Möglichkeit zu sagen, dass man entweder weiter wandert oder aber die Tour abbricht und somit außer den Transportkosten zum Berg nichts weiter bezahlen muss. Aufgrund des böigen Windes entschied sich Florian dagegen, die knapp 70€ nur für einen kurzen Aufstieg von 300 Höhenmetern bis zur Gletscherkante zu bezahlen und wählte den Rückweg. Die richtige Entscheidung, wie wir später erfuhren, denn die wenigen aus der Gruppe, die einen Aufstieg versucht hatten, hatten wie erwartet am Gletscher umkehren müssen.

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Der Villarrica am Morgen der geplanten Besteigung – vor Sonnenaufgang war es noch vollkommen windstill.

Ich war natürlich etwas erstaunt, als er schon gegen 9Uhr wieder zurück am Campingplatz war. Aber der Wind war leider wirklich sehr heftig – nicht nur am Berg. Auch hier unten in der Stadt blies er kräftig und sorgte dafür, dass wenigstens unsere letzte Ladung Wäsche in Windeseile trocknete. Da die Prognose für die nächsten Tage noch sehr viel heftigeren Wind und auch Gewitter vorhersagte, endschied sich Florian dann schweren Herzens die Besteigung nicht zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu versuchen, denn wir konnten und wollten nicht ewig auf besseres Wetter warten.

Und so brachen wir am nächsten Morgen zu unserer weiteren Erkundung des chilenischen Seengebietes auf. Von Pucón fuhren wir erneut in Richtung Villarrica und bogen kurz vor der Stadt nach Süden in Richtung des Lago Calafquén ab. An diesem Tag stand eine ungewöhnliche Dampfwolke über dem Villarrica Vulkan, der in den letzten Jahren eigentlich an Aktivität verloren hat, und vervollständigte so ein weiteres Mal sein perfektes Aussehen. Während wir noch bei grau bedecktem Himmel den Lago Calafquén umrundeten, setzte sich, wie hier so häufig, am Nachmittag die Sonne durch, als wir bei strahlendem Sonnenschein ein schönes Plätzchen am Lago Riñihue fanden. Hier verbrachten wir gleich zwei Tage, genossen das herrliche Wetter am Nachmittag und erkundeten das endlose Seeufer. Außerdem unterzogen wir einen unserer Reifen einem Bad im See, um endlich das verflixte Loch zu finden, aus dem dieser ständig Luft verlor. Den ganzen Reifen, trotz reduziertem Druck, unter Wasser zu drücken, gestaltete sich allerdings als gar nicht so leicht Smiley.

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Die kleine Dampfwolke über dem Gipfel des Villarricas wurde häufig vom starken Wind verblasen.

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Zwei Tage lang genossen wir hier den Blick über den Lago Riñihue.

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Am Ende fanden wir das Loch im Reifen doch noch.

Nach unserem Ruhetag am See ging es gleich weiter – natürlich zum nächsten See, was im chilenischen Seengebiet keine Schwierigkeit ist. Umrundet wurde dieses Mal der Lago Ranco, ein großer See mit kleineren Inseln und bewaldete Ufern. Ein Problem bei vielen der chilenischen Seen ist, dass praktisch jeder Quadratmeter am Ufer in Privatbesitz ist. Es ist also ungemein schwierig überhaupt irgendwo ans Wasser zu kommen, steht doch meist ein Tor oder Zaun vor den Zufahrten. Im Gegensatz zu den Seen auf argentinischer Seite, die fast alle in Nationalparks liegen und daher weitgehend von unberührter Natur umgeben sind, ist die Landschaft auf chilenischer Seite traditionell von Land- und Viehwirtschaft geprägt. Dadurch ist sie nicht weniger schön, aber eben dichter besiedelt, was es für uns schwieriger macht gute Stellplätze zu finden. Doch meistens hatten wir nach längerer Suche trotzdem Glück und so fanden wir auch am Lago Rupanco, wieder direkt am Wasser eine Stelle für die Nacht. Hier sahen wir den vielen Einheimischen mit ihren Booten beim Angeln zu, bevor wir vor einer wie aus dem Nichts auftauchenden Mottenplage bei einbrechender Dunkelheit in die Gemütlichkeit des Pinzi-Koffers flüchten mussten.

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Am Westende fließt ein Fluss aus dem Lago Rupanco  – hier fanden wir eine Stelle für die Nacht.

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Wilde Margeriten blühten überall.

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Ein steter Begleiter am Straßenrand – der chilenische Feuerbusch in voller Blühte.

Am nächsten Tag stießen wir zum achten See unserer Seenrunde vor – dem riesigen Lago Llanquihue, über dem die ebenfalls schneebedeckten Vulkane Osorno (2.660m) und Calbuco (2.003m) thronen. Der Osorno steht mit seiner perfekten Form dem Villarrica vermutlich in Nichts nach, während der Calbuco, als aktivster Vulkan der Region, seine typische Vulkanform bei einer Eruption einbüßte: Er ist nun ein wuchtiger Fels mit zackigem Krater.

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Der Blick von Puerto Octay auf den Osorno.

Durch Wälder voll mit Feuerbüschen und Fuchsien kamen wir nach Puerto Octay,  die älteste von Deutschen gegründete Stadt an diesem See. In vielen Nach- und Straßennamen (zum Beispiel Wulf, Werner oder Haase) lassen sich hier die Spuren der deutschen Siedler noch wiederfinden. Ein weiteres Merkmal der Region ist die, laut Reiseführer, typisch deutsche Architektur. Die Wiedererkennung typischer deutscher Merkmale hielt sich bei uns zwar in Grenzen, aber die bunten, aus Holz und Wellblech errichteten Häuser, haben dennoch ihren Reiz. In den Städten rund um den See waren diese alten Häuser in gutem Zustand und zum Teil restauriert, während viele der abgelegeneren Gehöfte ein traurigeres Bild mit morschem Holz und rostendem Wellblech boten.

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Die Hauptstraße von Puerto Octay mit Blick auf die wellblechverkleidete Kirche.

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Häuser aus der Gründerzeit in Puerto Octay, im Hintergrund liegt die Spitze des Osorno noch in den Wolken.

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Am Rande Puerto Octays finden sich Beispiele für noch nicht restaurierte Gebäude.

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Bauernhöfe rund um den See.

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Bauernhöfe rund um den See.

Wir übernachteten kurz vor Frutillar, wo wir ein weiteres Mal einen schönen Platz direkt am See fanden.  Im Abendlicht der untergehenden Sonne leuchteten die schneebedeckten Vulkangipfel am anderen Ufer in  surreal wirkenden Farben – ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Zum Abschluss des Tages am “deutschen See”, wie er hier genannt wird,  gab es dann  frisch gemachten Rotkohl mit Kartoffelpüree und Bratwurst – mehr Klischee geht wohl kaum Smiley.

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Von unserem Schlafplatz vor Frutillar hatten wir einen herrlichen Ausblick auf den Osorno (links), sowie den Calbuco (rechts).

Der nächste Fahrtag führte uns über Nueva Braunau und das wieder einmal sehr touristische Puerto Varas bis nach Ensenada, das zwischen den Vulkanen Calbuco und Osorno liegt. Der Wind peitschte über den Lago Llanquihue und verlieh ihm das Aussehen eines Meeres – dunkelblau, fast unendlich und mit weißen Schaumkronen überzogen. Ein herrliches Bild in der strahlenden Sonne mit den vielen blühenden Sträuchern und Blumen am Ufer.

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Der Strand von Ensenada am Fuße des Vulkans Osorno.

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Der Osorno im Abendlicht.

Von hier aus brachen wir dann auch zu unserer Rückreise nach Argentinien auf. Schon im Vorfeld hatten wir aufgrund unserer begrenzten Zeit die hochgelobte Insel Chiloe im Pazifik aus unserer Reiseroute ausgeklammert und wollten entlang des Lago Puyehue über den Pass Antonio Samoré zurück nach Argentinien fahren. Es war ein herrlicher Sonntagnachmittag, als wir aus Chile aus- und nach Argentinien einreisten … warm und sonnig.

Was uns bei der Überquerung des Passes jedoch auffiel, waren die Massen an hellgrauem Bimsstein, sowie die kilometerweit reichenden, toten Wälder. Überall waren die Leitplanken verbeult und rostig, im Wald türmte sich die Asche zu Füßen der Bäume zum Teil meterhoch auf und es sah aus, als hätte man tonnenweise Katzenstreu abgeladen. Da erinnerten wir uns an einen kleinen Infokasten im Reiseführer, der von der Puyhehue-Cordón Caulle Vulkankomplex Eruption im Jahre 2011 berichtet hatte. Der Ausbruch hat die Landschaft in dieser Region Chiles und Argentiniens zu großen Teilen verändert. Die ausgeschleuderte Asche des Vulkanausbruches hat 2011 zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt. So mussten beispielsweise nicht nur die Flughäfen vom nahen Bariloche und Mendoza geschlossen werden, sogar in den mehr als 1500km Luftlinie entfernten Städten Buenos Aires und Montevideo konnten aufgrund der Aschewolke keine Starts und Landungen durchgeführt werden.

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Tote Wälder und tonnenweise Asche – das Resultat des Puyehue-Cordón Caulle Ausbruchs im Jahr 2011.

Kein Wunder also, dass es hier oben – selbst nach fast zwei Jahren – immer noch aussah, wie in einer anderen Welt. Der Regen aus Asche und Bimsstein hatte die Wälder erstickt und die Leitplanken sandgestrahlt, welche dann bei Regen zu rosten begannen. Nur die schnell wachsenden Pflanzen, wie Bambus, verleihen der grauen Masse hier und da schon wieder grüne Farbe.

Uns führte der Weg am Ende des Tages nach der Grenzüberquerung nur noch auf einen hübschen Patz im Wald am Lago Nahuel Huapi. Und auch hier federte der Boden noch unter unseren Füßen durch die helle Asche unter der Laubschicht.

Der Lago Nahuel Huapi liegt im gleichnamigen Nationalpark und zusammen mit dem Nationalpark Lanín wird die Gegend hier auch oft die “argentinische Schweiz” genannt. 1903 wurde der Nationalpark von Argentiniens bekanntestem Naturforscher Perito Moreno gegründet und ist damit der älteste Nationalpark des Landes. Dunkelblaue Seen, kristallklare Bäche und Flüsse, bewaldete Endmoränen und schneebedeckte Andengipfel prägen die Landschaft. Allerdings ist dieser südliche Teil des argentinischen Seengebietes durch die Nähe zu Bariloche, das sich langsam aber stetig zur Großstadt entwickelt, wesentlich besser erschlossen und auch stärker besucht als sein nördlicher Nachbarpark Lanín.

Wir wollten San Carlos de Bariloche hauptsächlich nutzen, um in einem großen Supermarkt die letzten Einkäufe für unseren baldigen Besuch der Carretera Austral in Chile zu tätigen. Die Lage der inzwischen über 130.000 Einwohner zählenden Stadt ist wirklich begnadet: Umgeben von einem Kranz aus schneebedeckten Zweitausendern am Südostufer eines tiefblauen Sees. Leider war das praktisch auch schon alles, was uns an Bariloche gefallen hat, denn heute fühlen sich hier neben betuchten Chilenen und Brasilianern zum Skifahren, hauptsächlich Argentiniens Party-willige Abiturienten wohl. Somit blieben wir nur kurz in der touristischen Stadt, kauften ein und verließen Bariloche über den landschaftlich schönen Circuito Chico nach Süden.

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San Carlos de Bariloche am Ufer des windgepeitschten Lago Nahuel Huapi.

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An einem der vielen Aussichtspunkte auf dem Circuito Chico.

Am nächsten Tag wollten wir im Nahuel Huapi Nationalpark eine Wanderung zum Mirador Cerro Tronador machen. Als wir jedoch am Eingang des Nationalparks auf die Rangerstation stießen, staunten wir nicht schlecht, was uns die Wanderung kosten sollte. Die Eintritte für uns und das Auto pro Tag waren uns, abgesehen von den fast 90km Schotterpiste,  dann doch zu viel und so entschieden wir uns kurzerhand dagegen.

Somit war klar, dass wir hier nicht länger als nötig bleiben würden und folgten schon am nächsten Tag der Straße in Richtung El Bolsón. Auf dem weiteren Weg nach Süden trafen wir kurz nach unserem Aufbruch Helge und Ulla, zwei Reisende, denen wir das letzte Mal in Brasiliens Foz do Iguaçu begegnet waren und seither nur ab und zu per Mail in Kontakt gestanden hatten. Für eine dringende Reparatur an ihrem Wohnmobil mussten sie nach Bariloche, ehe sie, wie auch wir, die Carretera Austral befahren wollten. Wir verabschiedeten uns also und waren sicher, dass wir sie in Chile wiedertreffen würden.

Bevor wir jedoch nach Chile fahren konnten, stand für uns noch ein Besuch bei Klaus Schubert an – derjenige, der uns die KfZ-Versicherung für den Pinzgauer in Südamerika organisiert hatte. Allerdings hatten wir uns bei Klaus erst für das Wochenende angemeldet, so dass es nun galt unsere Ankunft in El Bolsón noch ein paar Tage hinauszuzögern.
Das stellte aber kein großes Problem dar, war doch die Landschaft einfach himmlisch und ein Platz am Río Foyel schnell gefunden. Wie praktisch jeden Tag schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel und wir wollten uns mal wieder an einer kulinarischen Spezialität fürs Abendessen versuchen. Die Entscheidung war gerade auf selbstgemachte Rouladen gefallen, als gegen Nachmittag plötzlich
Fahrrad-Lukas den Hügel hinab und auf uns zu rollte! Smiley 

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Auf der Suche nach Alternativen zu gegrilltem Rindfleisch haben sich unsere ersten Versuche mit Rouladen als durchaus wiederholungs-würdig erwiesen.

Bei der Überfahrt von Chile nach Argentinien hatten wir schon darüber gesprochen, dass wir Lukas jetzt noch einmal wiedertreffen könnten, wo er doch auch auf den Weg nach El Bolsón zu seinem Onkel war. Und nun trafen wir ihn tatsächlich an seinem letzten Abend, bevor seine Reise nach 11 Monaten am nächsten Tag in El Bolsón enden sollte. Während wir also ganz herrliche Rouladen zubereiteten, baute der Vegetarier Lukas etwas schwermütig zum letzten Mal sein Zelt auf und machte ein letztes Lagerfeuer. Am nächsten Morgen luden wir ihn zu einem ausgiebigen Frühstück mit frisch gebackenem Brot und Rührei ein und wünschten ihm eine schöne letzte Etappe, ehe wir selbst über die gewundene Ruta 40 nach El Bolsón fuhren.

El Bolsón liegt im fruchtbaren Flusstal des Río Quemquemtreu, gesäumt von den hohen Bergen des Cerro Nevado und Cerro Piltriquitón. Obst gedeiht im Klima dieses geschützten Tales besonders gut und so haben sich hier seit den 60er Jahren viele Menschen niedergelassen, die einen alternativen Lebensstil pflegen und all die Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Kirschen  und Himbeeren zu leckeren Marmeladen verarbeiten. Auch Hopfen wächst hier in Massen und so hat sich El Bolsón ebenfalls zum Zentrum für Bierbrauer entwickelt. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag findet im Zentrum des Städtchens ein alternativer Handwerksmarkt statt, auf dem nur selbst hergestellte Produkte verkauft werden dürfen – hier findet man die Marmeladen wieder, natürlich das Bier, aber auch Käse, Holz-, Schmuck- oder Lederarbeiten. Ein wirklich schöner Markt, über den sich ein Spaziergang lohnt, gibt es doch auch viel kulinarische Spezialitäten der Region direkt zum Probieren vor Ort Smiley.

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Unzählige Sorten Bier gibt es bei der Brauerei – wir hingegen testeten nur das “Original” Smiley.

Für unseren Aufenthalt in der Kleinstadt wählten wir die Cerveceria El Bolsón, eine Bierbrauerei mit angeschlossenem Campingplatz. Hier fanden wir eine schöne Wiese mit vielen Bäumen und heißen Duschen vor, sowie ein inbegriffenes Glas Bier – wenn man will. Wir sagten da natürlich nicht Nein Smiley. Während der zwei Tage hier arbeiteten wir viel am letzten Reisebericht und lernten eine Gruppe australischer Reisender kennen, die mit einem Odyssey-Overland-Truck ähnlich wie Rotel-Tours durch Südamerika fuhren. Am zweiten Abend wurden wir dann überraschend Zeugen eines Waldbrandes an dem wahrscheinlich einige Australier nicht ganz unbeteiligt waren …
Plötzlich stand ein Teil des Waldes hinter den Zelten der Australier in Flammen und die Bomberos Voluntarios, die freiwillige Feuerwehr von El Bolsón, rückten mit ihren alten Fahrzeugen an — Spannung auf dem Campingplatz. Ich war ziemlich erstaunt, wie schnell sich die Flammen in dem grünen Buschwerg ausgebreitet hatten. Aber der trockene Bambus im Unterholz hatte wohl wie Zunder gewirkt. Umso besser, dass die Feuerwehr unter den Augen vieler Schaulustiger nach einer guten Stunde alle Glutnester erstickt hatte und wir nicht doch noch vor den Flammen fliehen mussten. Es roch allerdings noch die ganze Nacht nach kaltem Rauch unter den dichtstehenden Pappeln des Campingplatzes.

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Ein kurzer Blick beim Abendessen aus dem Fenster und wir erschraken – der Wald neben unserem Zeltplatz stand in Flammen!

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In Windeseile war die freiwillige Feuerwehr von El Bolsón zur Stelle.

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Dennoch dauerte es fast eine Stunde, bis sie die Flammen gelöscht hatten.

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Das Löschfahrzeug der Bomberos Voluntarios.

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“ROMY”, der Tanklaster, brachte fleißig Löschwasser-Nachschub zum Einsatzort.

Nachdem wir am nächsten Tag unsere zu flickenden Reifen bei einer Gomeria vorstellten, um mit vollzähligen Ersatzreifen auf die Carretera Austral starten zu können, machten wir einen kurzen Abstecher zu Klaus Schubert, bei dem wir unsere Versicherungspolicen abholten und ein paar Gläser selbstgemachten Apfelsaft abstaubten. Danach ging’s gemächlich weiter nach Süden, dem Nationalpark Los Alerces entgegen.

Nach einer Nacht neben einem Gauchito Gil Schrein und der Erkenntnis, dass vorbeifahrende Argentinier gerne mal Gauchito zum Gruß zuhupen, fuhren wir am nächsten Tag durch den herrlichen Nationalpark Los Alerces, von dem wir gehört hatten, er würde gerade unter einer Rattenplage leiden und daher geschlossen sein.

Der Park verdankt seinen Namen der immergrünen Patagonischen Zypresse, auch Alerce genannt. Dieser riesige Baum, der uralt werden kann, ist unter strengen Artenschutz gestellt, wurde er doch in früherer Zeit bis fast zur kompletten Ausrottung abgeholzt. Sein Holz ist äußerst witterungsfest und hart. Allerdings wachsen die Alercen, die bis zu 60m hoch und einen Stammdurchmesser von bis zu 5m erreichen können, extrem langsam, was die Erholung des Bestandes erschwert.

Als wir den nördlichen Eingang des Parks erreichten, rechneten wir mit allen möglichen Auflagen für die Durchfahrt durch den Park, aber die nette Rangerin teilte uns stattdessen Folgendes mit: Leider würde in diesem Jahr in einigen Regionen des Parks eine bestimmte Bambusart blühen. Von den Samen des Bambus ernährt sich wiederum eine bestimmte Nagerart, die – wie das in der Biologie eben so ist – sich in Jahren der Bambusblüte natürlich besonders gut vermehrt. Da Nager im Allgemeinen Überträger des Hanta-Virus sind, einer ernstzunehmenden Virusinfektion, sollte daher nun im Park besondere Vorsicht gelten. Man solle sich bevorzugt nur an sonnigen und gut belüfteten Plätzen aufhalten, kein Essen herumliegen lassen, das die Nager zusätzlich anlockt. Einige Bereiche des Parks und viele Wanderwege wären daher im Moment unzugänglich, ansonsten gäbe es aber nichts weiter zu beachten.
Und wir hatten Horror-Stories gehört, dass überall tote Ratten – ohne Kopf!? – herumlägen, dass man das Auto und die Schuhe desinfizieren müsste, wenn man den Park betritt und wieder verlässt. Von all dem war keine Rede, alles wirkte sehr entspannt und eigentlich eher präventiv. Wir bekamen eine Menge Infomaterialien über den Park, den blühenden Bambus und die Nagerart, sowie das Hanta-Virus und konnten dann ganz entspannt weiterfahren.

Mal wieder hatten wir herrlichstes Wetter, die Seen und Flüsse waren blauer denn je … nur die Alercen wollten sich uns nicht so recht zeigen. Es wimmelte von Südbuchen, Lenga und Ñire Bäumen … aber von den mächtigen Alercen sahen wir wenige. Nur ein paar kleinere Exemplare standen hier und da an den Ufern der Seen. Da werden wir dann wohl in ein paar Jahrzehnten noch einmal wiederkommen müssen, wachsen die “Riesen” doch leider nur einen Zentimeter in 15 bis 20 Jahren Smiley.

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Einer der vielen Seen im Nationalpark Los Alerces.

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Von Ratten war im Nationalpark keine Spur, dafür hatten wir herrliche Aussichten auf die schneebedeckten Anden.

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In faszinierenden Grün- und Türkistönen glitzerte der Río Arayanes in der Sonne.

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Unsere kleine Wanderung im Nationalpark Los Alerces – hinauf zum Mirador über dem Río Arayanes.

In Trevelín besuchten wir noch einmal einen Supermarkt und tankten alle unsere Kanister bis auf den letzten Tropfen voll, da wir uns die Ersparnis von über 60 Cent/Liter Benzin gegenüber Chile natürlich nicht entgehen lassen wollten. Ein letztes Mal schliefen wir dann auf argentinischer Seite an der Straße zum Paso Futaleufú nach Chile. Dabei floss der schönste, mir bisher bekannte Fluss – der Rio Futaleufú, in Argentinien auch Río Grande genannt –  hier nur ein paar hundert Meter von uns entfernt durch das Tal. Er sollte uns in den nächsten Tagen nach dem Grenzwechsel zwischen Chile und Argentinien noch fast bis zur Carretera Austral begleiten.

Seine wilden, türkisfarbenen Wellen versprachen schon viel von dem, was wir uns von der legendären Carretera Austral – der Abenteuerstraße Chiles – erhofften: Einsamkeit, Endlosigkeit und ungezähmte Schönheit. Zu Recht können wir sagen, dass wir uns auf diesen Teil Chiles ganz besonders freuten.

Bis zum Bericht von der Carretera Austral,

K+F

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Ein Gedanke zu „Chiles Seengebiet und ein kurzer Abstecher zurück nach Argentinien

  1. rosi und klaus

    toll!!! wie immer Euer Bericht, und ich bin wieder mal mit gefahren, lache…
    Der Süden von Chile , Traumhaft schön! Suerte auf der Carretera Austral, die uns leider noch fehlt,
    bin gespannt auf den nächsten Bericht.
    alles gute Euch Rosi

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