Kreuz und quer durch die Atacama

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16.09.2013 – 30.09.2013

(Region XV: Arica, Skulpturen in der Wüste; Region I: El Gigante de Atacama, Ex-Oficina Salitrera Santa Laura, Iquique, Strandbesuch bei Punta Lobos; Region Antofagasta (II): Antofagasta, Warten auf den Besuch aus Deutschland in der Atacama, El Mano del Desierto, Calama, Besuch von Chuquicamata, über Chiu Chiu und die Laguna Inca Colla zu den Geysiren von El Tatio, San Pedro de Atacama, Salar de Atacama und die Laguna Chaxa; Fahrt über den Paso de Jama nach Argentinien)

Die Grenzangelegenheiten zwischen Peru und Chile dauerten zwar ziemlich lange, dafür gab es aber an beiden Grenzübergängen eine vorzügliche Behandlung. Bei den Chilenen wurden wir praktisch an die Hand genommen und durch jede Station der Grenze geführt – dabei sogar anderen vorgezogen. Wirklich nett und im Hinblick auf die späte Uhrzeit sehr hilfreich. So mussten wir nach dem Grenzübergang nur noch ein paar Kilometer weiterfahren und stellten uns in Chiles Villa Frontera in der Nähe einer Militärkaserne an den Strand.

Wir hatten die GPS Koordinaten des Übernachtungsplatzes von einigen anderen Reisenden und da er kurz hinter der Grenze lag aber weit genug entfernt von der Großstadt Arica war, kam er uns recht gelegen. Also suchten wir für uns in der Dunkelheit eine einladend aussehende Stelle, parkten den Wagen und richteten uns für die Nacht ein, während draußen der Pazifik an den Strand rollte und die Möwen kreischten.
Um 3Uhr in der Nacht donnerte jedoch jemand mit der Faust an unser Auto – Polizei! Das Blaulicht (in Chile Rotlicht Smiley) der Beamten flackerte über die Wände des Pinzis, als Florian sich etwas schlaftrunken aus dem Fenster lehnte. Wir würden zu nah am Militärgelände stehen und der Beamte bat uns bitte einige Meter zurück in Richtung öffentlicher Straße zu fahren. Oh man – und das um 3Uhr.
Also zog sich Florian schnell ein T-Shirt über, während ich hinten im Auto blieb und die nicht verzurrten Sachen zusammenhielt, bevor wir über den Strandweg zurück in Richtung Straße holperten. Dabei begegnete uns ein Chilene, der sich fast vor unser Auto stürzte – er war mit seiner Freundin und seinem Auto ebenfalls hier gewesen und hatte sich angeblich über die Polizei so “erschrocken” Zwinkerndes Smiley, dass er mit seinem Wagen kurzerhand zu weit vom Strandweg abgekommen war und nun von alleine nicht mehr freikam.
Kurz um – da mussten wir natürlich helfen, denn seine Freundin stand schon etwas miesgelaunt neben dem tiefergelegten Sportwagen.Also rettete Florian, nur mit Boxershorts und T-Shirt bekleidet, Nachts um 3Uhr auch noch geschwind die beiden Chilenen aus ihrer misslichen Lage, bevor wir ca. 500m weiter einen neuen Standplatz auf dem Strand für uns fanden. Von da an verlief unsere Nacht dann endlich entspannt.

Am nächsten Morgen brauchte die Sonne ein wenig, bis sie sich durch den auch hier wieder dichten Küstennebel gearbeitet hatte. Sie brannte allerdings recht erbarmungslos auf uns hinab als wir endlich in die Stadt hineinfuhren. Durch den Grenzübertritt nach Chile hatten wir so gut wie keine frischen Lebensmittel mehr bei uns, daher suchten wir uns auf kürzestem Wege einen Supermarkt, in dem wir uns mit allerlei Köstlichkeiten würden eindecken können.

Als wir jedoch in der Stadt ankamen, war uns gleich klar, dass hier in Chile gerade etwas vor sich ging: Autos, Häuser, Menschen … alles war geschmückt mit Fähnchen, Flaggen, Bannern und Girlanden in den Nationalfarben. Nach einem kurzen Blick in unseren Reiseführer war uns dann klar, was vor sich ging: In der Woche um den 18.09. herum herrscht in Chile Ausnahmezustand, denn der 18.09. ist der chilenische Unabhängigkeitstag. Also mal wieder ein Volltreffer! Klar, dass wir natürlich gerade zu diesem Datum wieder einmal die Grenze überquert hatten Smiley.

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Jedes Haus, Auto und Mast in Chile sind um den Nationalfeiertag beflaggt.

Noch schlimmer wurde es allerdings in dem großen Supermarkt, den wir fanden – die Menschen kauften sich dumm und dusselig und die Parkplätze waren zum bersten voll. Nur als Beispiel kaufte die Frau vor uns 30kg Garnelen, sowie zwei große Rindsbraten mit je 4kg Gewicht. Überall waren die Einkaufswagen bis an den Rand gefüllt.

Da wir zu diesem Zeitpunkt aber zunächst dachten, dass der Feiertag wohl nur den 18.09. beträfe, machten wir uns keine weiteren Gedanken und verließen Arica in Richtung Süden mit vielen, neuen Lebensmitteln an Bord und machten einen Mittagspause-Stopp an ein paar Kunst-Skulpturen in der Wüste, bevor wir uns am Abend einen einsamen Platz in der Atacama suchten.

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Kunst in der Atacama.

Die Atacama Wüste erstreckt sich zwischen dem 18. und 27. Breitengrad über eine Länge von 1.200km im Norden von Chile. Ihr zentraler Bereich weist dabei schon seit mindestens 15 Millionen Jahren ein hyperarides Klima auf. Die Wüste liegt im Regenschatten der Anden und der kalte Humboldt-Strom vor der Küste Chiles verhindert die Bildung von Regenwolken. Somit gibt es Bereiche in der Atacama in denen schon einige Jahrzehnte bzw. noch niemals Niederschläge verzeichnet werden konnten. Selbst im Death Valley in den USA fällt 50x mehr Regen als in Chiles Atacama Wüste Smiley.

An diesem Platz in der Wüste verbrachten wir auch den nächsten Tag, genossen die Sonne, die Stille, sowie die Klarheit der Nächte. Der Sternenhimmel war unglaublich und als im Laufe der Nacht der Vollmond aufging war es beinahe taghell – so helle Nächte haben wir noch nie erlebt. Man konnte kilometerweit gucken und hätte problemlos auch ohne Licht Auto fahren können. Von wegen “Nachts sind alle Katzen grau” – hier konnte man tatsächlich Farben sehen. Beeindruckend.

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Kurz vor Sonnenaufgang in der Wüste.

Nach unseren 2 Tagen in der Wüste ging es weiter in Richtung Süden, vorbei an grünen Flusstälern und dann wieder durch endlose Wüstenebenen. Ein Ziel war dabei der Gigante de Atacama, ein Geoglyph in Gestalt eines Menschen, der mit einer Höhe von 86m auf dem Cerro Unita in der Wüste nicht nur weithin sichtbar, sondern gleichzeitig auch die größte, aus Steinen gelegte Darstellung eines Menschen ist. Man glaubt, dass dieser um ca. 900 nach Christus entstandene Geoglyph einen mächtigen Schamanen der damals hier ansässigen Naturvölker darstellen sollte.

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Am Geoglyphen “El Gigante de Atacama”.

In der sengenden Mittagshitze ging es dann weiter die Panamericana entlang in Richtung Iquique und dabei immer wieder vorbei an den Ruinen verlassener Salpeterwerke. Chiles Norden war früher bekannt für seine Salpeter-Vorkommen  – leider machte den Werken die Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens Anfang der 1930’er (eine Methode Ammoniak synthetisch herzustellen) einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Nach und nach schlossen die Abbaustätten und zurück blieben die verwaisten Städte der Arbeiter und Fabrikgebäude, die unter der brennenden Sonne und den heißen Winden der Wüste langsam verfielen. Nicht so jedoch in den Städten Humberstone und Santa Laura, die 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Hier wird nun versucht den Verfall der Städte, die in den 1960ern endgültig verlassen wurden, minimal zu halten, so dass die beiden “Geisterstädte” für die Nachwelt erhalten bleiben. Es gibt Theater, Schwimmbäder, Einkaufsläden und Wohnhäuser, alte Farbrikgebäude, Plazas und Fußballplätze, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden und seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verfallen.

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Die Reste des Fabrik-Komplexes der Santa Laura Salpeter-Werke.

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Blick auf die ehemaligen Werkstätten des Salpeter-Werkes.

Nach unserem Besuch von Santa Laura ging es nach Iquique ans Meer. Eigentlich wollten wir in der 215.000 Einwohner-Stadt nur Internet finden, schließlich rückte die Ankunft unseres Besuchs aus Deutschland immer näher und wir hatten das letzte Mal aus Arequipa nach Hause telefoniert. Doch die Tankstellen, die wir anfuhren hatten kein WiFi und außerdem sagte man uns, dass auch der 19.09. und 20.09. noch offizielle Feiertage wären und somit alles geschlossen sei. Also fiel uns auf die Schnelle erstmal nur McDonald’s ein, dass – trotz Feiertag – offen hatte. Skype funktionierte hier jedoch auch nicht, so dass wir am späten Nachmittag doch auf dem “Campingplatz” des Altazor Flight Parks landeten. Hier werden Paragliding-Kurse über der Stadt, dem Meer und der gewaltigen Sanddüne angeboten – aber eben auch Camping inklusive WiFi. Witzigerweise stand hier auch das Auto von einem Schweizer Paar, das wir in Cusco kennengelernt hatten. Jedoch trafen wir die beiden erst, als wir am nächsten Vormittag schon wieder vom Hof fuhren.

Von Iquique aus führen zwei Wege hinunter nach Antofagasta – über die Panamericana durch die Wüste oder am Meer entlang. Wir entschieden uns, trotz immer wieder präsentem Küstennebel, für die Meeres-Route. Die Wüste fällt zum Meer hin mit steilen Felsen in Ocker- und Sandtönen ab, so dass das Meer dank der hellen Steine immer eine wunderbare türkis-Farbe besitzt. Mähnenrobben tauchen zwischen den Felsen auf der Suche nach Nahrung und Pelikane fliegen in kleinen Gruppen ganz knapp über die Wasseroberfläche. Hier gab es immer wieder lange, weiße und gelbe Strände, an denen jetzt die Nationalfeiertag-feiernden Chilenen kleine Zeltlager erreichtet hatten und campten. Andere dieser endlosen Strände musste man dann wieder nur mit ein paar Möwen, Kormoranen und Krebsen teilen.

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Riesige, rote Krebse tummeln sich zwischen den Felsen.

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Ein Pelikan-Felsen vor Punta Lobos.

Solch einen Strand suchten wir uns für eine Übernachtung aus und fanden ihn beim Punta Lobos. Wir standen auf Millionen zerbrochener Muschel- und Schneckenschalen, spürten die Gischt in unserem Gesicht als sich die großen Wellen an den Felsen brachen und bestaunten die muntere Pelikan-Kolonie auf einem Felsen vor der Bucht. Große rote Krebse wanderten über die Felsen, Seesterne in unterschiedlichsten Farben und Formen klebten an den Steinen und kleine Echsen huschten über die Felsen. Kurz überkam uns die Idee, ein paar Krebse zu fangen. Allerdings waren die Biester viel zu schnell, viel zu misstrauisch und passten leider in viel zu enge Felsspalten, als dass wir sie hätten erwischen können. Also genossen wir einfach so den Tag am Meer und mussten Abends das Auto aufgrund der Flut ein wenig umparken Smiley.

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In großen Wellen rollt der Pazifik gegen die schroffe Küste Nordchiles.

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Gegen Abend schaffte es die Sonne dann doch noch sich durch den Nebel zu arbeiten.

Der nächste Tag führte uns weiter an der Küste entlang nach Antofagasta, wo wir kurz vor der Stadt unglaubliche 10€ an Maut für die 25km in die Stadt bezahlen mussten – das 10-fache eines Autos … und das nur, weil wir drei Achsen besitzen. Dass wir (laut Fahrzeugschein Zwinkerndes Smiley) unter 3,5t wiegen und ein “PKW” sind, hat dabei trotz Diskussionen leider Niemanden interessiert. Schade.

Lange blieben wir nicht in der Stadt. Ehrlich gesagt hatten wir jetzt ein wenig genug vom ewigen Nebel an der Küste und wollten auf schnellstem Wege wieder hinauf in die Wüste – zu blauem Himmel, Wärme und Sonne. Also kauften wir – in Anbetracht der Tatsache, dass mein Papa und meine Schwester in drei Tagen in Santiago de Chile landen würden – schon mal groß ein und fuhren dann zurück zur Panamericana, wo wir einen traumhaften Stellplatz in der Wüste fanden und ihn als “Wartepunkt” auserkoren.

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Nichts als Sand und Stein – kilometerweit.

Von hier aus wurde am gleichen Abend auch noch eine Eil-Bestellung für einen Ersatz-Ölkühler bei Florians Papa aufgegeben, wobei wir bemerkten, dass wir an unserem Wüstenplatz keinen Handy-Empfang hatten. Florian musste mit dem Pinzgauer entweder in ein benachbartes Flusstal fahren, oder wir kletterten auf einen Hügel hinauf. Aber es war inzwischen wirklich dringend geworden, denn der Ölverlust hatte sich von täglich ein paar Tröpfchen recht plötzlich zu einer ordentlichen Pfütze entwickelt. Eine Reparatur des Ölkühlers in Südamerika wäre sicher schwierig geworden und wir wollten bei einem so wichtigen Teil auch nicht das Risiko einer notdürftigen Abdichtung eingehen. Ohne diesen “last-minute” Ölkühler hätte also die gemeinsame Fahrt mit Papa und Kristin unter keinem guten Stern gestanden.
Aber … die Bestellung kam rechtzeitig zu Hause an und der Ölkühler damit zu meinem Vater ins Gepäck.

Während wir also in der Wüste ausharrten, landete unser Besuch aus Deutschland in Santiago de Chile. Nicht nur, dass sie den Ölkühler dabei hatten, auch andere Ersatzteile waren mit im Gepäck. Im Vorfeld hatten wir uns mit dem chilenischen Zoll wegen der Einfuhr von Ersatzteilen in Verbindung gesetzt und – zum Glück – eine schriftliche Bestätigung bekommen, dass es möglich ist die Teile mittels des DATET (Declaración de Admissión Temporal de Efectos de Turistas) als Tourist zollfrei einzuführen. Bedingung ist nur, dass die Teile innerhalb von 90 Tagen von dieser Person auch nachweislich wieder ausgeführt werden. Allerdings hatten die Behörden am Zoll in Santiago damit wohl irgendwie Probleme, da unser Besuch ja mit dem Flugzeug einreiste und die Teile für unser Auto bestimmt waren. Wir hatten das zwar alles vorher in unseren Emails ausführlich beschrieben, aber jetzt wollten die Beamten am Flughafen die Zolleinfuhr-Nummer vom Pinzgauer wissen, sonst sei eine Einfuhr nicht möglich. Da davon nie die Rede gewesen war, kannten Papa und Kristin diese Nummer aber natürlich nicht.  Nachdem zwischenzeitlich sogar die Einfuhr ohne einen Zollagenten gar nicht möglich sein sollte, konnte Kristin zum Glück auf einem Foto im Handy unser Kennzeichen ablesen. Mit diesem ließ sich dem Zollcomputer dann endlich die besagte Zolleinfuhr-Nummer entlocken und die etwas überforderten Beamten waren wahrscheinlich genauso froh wie Papa und Kristin die Sache endlich erledigt zu haben. Nach zermürbenden drei Stunden am Zoll konnten die beiden dann endlich ihren Camper abholen. Die Armen! Dennoch schafften sie es an diesem Tag immerhin schon bis San Felipe und waren sich ganz sicher, dass wir uns schon am nächsten Tag treffen würden.

Als Treffpunkt hatten wir die Mano del Desierto auserkoren, eine Sandsteinskulptur an der Panamericana, die man nicht würde verfehlen können. Bevor wir aber dorthin fahren konnten, brauchten wir dringend neues Brauchwasser. Wir fuhren also nach La Negra, dem “Örtchen” an der Panamericana östlich von Antofagasta, um zu tanken und Wasser aufzufüllen. Während uns aber der eine Tankwart versicherte es gäbe Wasser, sagte der andere gleich Nein. Auch im Restaurant wollte man uns kein Wasser geben. Also entschlossen wir uns dazu wieder zurück nach Antofagasta zu fahren, denn wir brauchten wirklich dringend Wasser – nicht nur für uns, sondern eben auch für Papa und Kristin, wenn wir mit den beiden auf unserem Weg nach Calama in der Wüste übernachten wollten.

Also ging es zurück zum Meer noch immer auf der Suche nach Wasser. Doch auch bei der nächsten Tankstelle wollte man uns nichts geben, nicht mal verkaufen, während quer über die Straße die Grünanlagen von Antofagasta gewässert wurden. Auch einen der Gärtner mit Wasserschlauch sprachen wir an und fragten nach Wasser, woraufhin er meinte, dass ihm die Hände gebunden wären. So standen wir da – ohne Wasser.
Im Vorbeifahren durch die Stadt erblickte Florian jedoch einen Privatmann, der sein Auto wusch – also hielten wir dort und fragten ihn. Hier war es kein Problem unsere Kanister aufzufüllen und auch unser Geld als Dank wollte er nicht haben mit der Begründung “es sei doch nur Wasser!?”. So waren unsere Wasser-Sorgen nach stundenlanger Suche und fast 160km Fahrt endlich gelöst und wir brachen auf zur “Hand der Wüste”.

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Die “Mano del Desierto” – der von uns auserkorene Treffpunkt.

Die Mano ist eine Granit-Statue, die seit 1992 am Wegesrand der Panamericana südlich von Antofagasta steht. Hier oben war es drückend heiß und die Sonne brannte, als wir die nähere Umgebung für einen brauchbaren Schlafplatz erkundeten, den man für die erste Nacht mit Kristin und Papa noch würde anfahren können. Nachdem wir fündig geworden waren, aßen wir gemütlich an der Mano zu Abend, telefonierten kurz mit den beiden ebenfalls “Reisenden” und verabredeten uns noch für die gleiche Nacht.

Gesagt getan – bis knapp 1Uhr mussten wir auf den Camper der beiden warten, während die schier unendliche Schlange an Lkws über die Panamericana an uns vorbei donnerten. Aber dann war es soweit … und Papas und Kristins “Häuschen auf 4 Rädern” rollte vom Asphalt auf den Schotter!!! Ein schönes, freudiges Wiedersehen mit den beiden, die fertig und geschafft nach der langen Fahrt endlich vor uns standen. Schnell ging es zum Schlafplatz und dann noch mit ein paar kühlen Bierchen in den Camper der beiden, denn es gab natürlich viel zu erzählen! Smiley Es war schon nach 3Uhr, als wir müde in die Betten fielen und uns auf das morgige Frühstück in der Sonne freuten.

Es war schon ein bisschen komisch morgens aus dem Fenster zu blicken und seinen Vater zu sehen, der mit dem Fotoapparat durch die Wüste stapfte Smiley … aber irgendwie war es eben auch richtig gut. Schnell waren unsere Campingtische vereint und die Platten bogen sich unter der Menge der Köstlichkeiten, die es zum Frühstück gab. Wir hatten extra frisches Brot gebacken, Eier wurden gekocht und das Frühstück dehnte sich sicher über zwei Stunden aus. Längst war noch nicht alles erzählt worden, was in dem vergangenen halben Jahr zu Hause oder auf ihrer Reise hierher geschehen war.

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Der Tisch biegt sich Smiley.

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Ab jetzt also zu Viert unterwegs …

Nachdem aber wirklich jeder satt und zufrieden war, fuhren wir mit den beiden zu dem nur 25km entfernten, hübschen Platz in der Wüste ohne Handy-Empfang. Während Florian und Papa den neuen Ölkühler einbauten und auch sonstiges am Auto inspizierten, saßen Kristin und ich in der Sonne und sprachen über Gott und die Welt. Am Abend machten die beiden Bekanntschaft mit unseren prallgefüllten und von der Sonne erhitzten “Wasserschweinen” (unsere Schweizer-Militär Wassersäcke) und konnten genüsslich duschen, bevor wir den Abend mit Pisco Sour, Rotwein und einem großen Salat ausklingen ließen.

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Schrauben und Entspannen weitab von jeder Straße.

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Wo bleibt eigentlich das Feierabend-Bier?!

Am Folgtetag sollte unsere Reise mit den beiden richtig beginnen, wobei uns unsere erste Etappe ins ca. 250km entfernte Calama bringen sollte. Calama kannten wir bereits von unserem Besuch beim bolivianischen Konsul. Nun wollten wir die Stadt jedoch erneut besuchen und gleichzeitig einen Blick auf die größte Kupfermine der Welt werfen. Wir quartierten uns also auf einem Campingplatz in Calama ein, meldeten uns für einen Besuch der Mine am nächsten Tag an und verbrachten einen netten Abend zusammen.

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Für vier hungrige Reisende muss der Kochtopf abends schon richtig voll sein.

Die größte Kupfermine der Welt, die Jahr ein Jahr aus Milliarden in die chilenische Wirtschaft pumpt, liegt nur ca. 15km nördlich von Calama und heißt Chuquicamata, ebenso wie die Stadt in der einst die Arbeiter der Mine lebten. Seit 2008 sind alle Einwohner der Stadt jedoch aufgrund von Umwelt-Problemen nach Calama umgesiedelt worden … dass ebenfalls Kupfer unter der Stadt gefunden wurde, spielt dabei vermutlich keine Rolle Zwinkerndes Smiley.
Betrieben wird die Mine von der staatlichen CODELCO – Coopercaión del Cobre – und die Gratis-2,5-Stunden-Touren starten am CODELCO-Office in Calama. Von dort wird man mit einem Bus in Begleitung eines Guides nach Chuquicamata gebracht. Zunächst geht es in die verlassene Stadt, in der noch alle Gebäude stehen – die Bank, Wohnhäuser, ein Theater und Kino – ganz so, als wären die Leute erst gestern gegangen. Andere Bereiche der Stadt sind aber bereits unter den riesigen Abraumhalden verschüttet. Nachdem alle mit Warnwesten und Helmen ausgestattet waren und den Informationen des Guides gelauscht hatten, ging weiter in die eigentliche Mine.

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Im verlassenen Chuquicamata.

Alles bekommt hier einfach andere Dimensionen: Die Abraumhalden sind so hoch wie Berge, die Muldenkipper von Liebherr oder Komatsu sind so groß wie Häuser und der Tagebau selbst über 1km tief (1250m). Jährlich werden hier 630.000 Tonnen Kupfer gefördert, das hier als Kupferoxid und Kupfersulfid zu finden ist. Kupfer macht ein Drittel des chilenischen Exports aus (China und Indien sind Hauptabnehmer), daher ist die Rolle, die die Mine für Chiles Wirtschaft spielt, schwer zu überschätzen Smiley.
In der Mine arbeiten heute fast 30.000 Menschen 24h am Tag, nie scheint irgendetwas still zu stehen: Abraum wird von den riesigen Muldenkippern (deren 6 Reifen nur 8 Monate halten und dann für 40.000 US$ das Stück erneuert werden müssen) weggeschafft, Kupfer-haltiges Gestein zur Weiterverarbeitung gebracht. Eine wahnsinnige “Geld-Druckmaschine”, die nicht nur mit dem Kupfer selber, sondern auch mit den “Neben-Produkten” des Gewinnungsprozesses (z.B. Molybdän, Silber und Gold) Geld macht. Allein mit dem Erlös aus dem Verkauf dieser Produkte lässt sich der komplette Betrieb der Mine, sowie die Weiterverarbeitung des Kupfers finanzieren. Das 99,9% reine Kupfer wird also quasi zum Nulltarif aus der Erde geholt Smiley.

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Die Dimensionen der Mine sind atemberaubend.

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Pro Schaufel des Baggers werden 120t Gestein auf den Muldenkipper geladen, der nach drei Schaufeln seine maximale Nutzlast erreicht hat.

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Die 3.600PS starken Muldenkipper verbrauchen 3,5L Diesel pro Minute! Um die knapp 400t Gestein vom Grund der Mine an die Oberfläche zu transportieren, benötigen sie eine Stunde.

Mehr als 2,5h führte uns die Tour über das Minengelände ehe wir wieder auf dem Parkplatz des CODELCO-Office in Calama standen. Da es schon später Nachmittag war und wir wirklich ein wenig erledigt waren, verbrachten wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Calama.

Der nächste Tag sollte uns weiter bis nach San Pedro de Atacama führen, allerdings mit einem kleinen Umweg über Chiu Chiu, die Lagune Inca Colla und das El Tatio Geysirfeld. Chiu Chiu ist nicht sehr weit von Calama entfernt und so hatten wir das winzige Örtchen recht schnell erreicht. Eigentlich ist das Dorf eher unspektakulär, beherbergt allerdings die älteste Kirche Chiles aus dem Jahre 1675. Gute 10km weiter befindet sich die Laguna Inca Colla, ein kreisrunder Kratersee mit einer Oberfläche von mehr als 500m2 in der sonst wasser-losen Atacama. Stahlblau und ohne erkennbaren Grund lag die Lagune in der Mittagssonne vor uns. Die Einheimischen sagen über sie, dass derjenige ewige Jugend erhält, der in ihr badet … wir haben das allerdings nicht ausprobiert, sondern machten uns auf in größere Höhen.

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Chiles älteste Kirche.

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Die Laguna Inca Colla.

Auf 4.300m befindet sich das El Tatio Geysirfeld, in dem rund 43 kleinere Geysire ihr kochendes Wasser an die Oberfläche spucken. Üblicherweise wird dieses Geysirfeld in den frühen Morgenstunden besucht, da um diese Zeit der Wind noch recht schwach ist und die Dampfsäulen sehr viel weiter in den Himmel steigen. Allerdings wimmelt es um diese Zeit natürlich von Touristen, so dass wir einen späteren Zeitpunkt wählten.
Die kleinen Wasserdampfwolken vor dem azurblauen Himmel waren trotzdem richtig schön, ebenso wie die zum Teil skurril geformten Mineralien-Ablagerungen, die das verdampfende Wasser über Jahrhunderte hinterlassen hat. Sonnig, kalt und windig war es hier oben und je höher wir von der Lagune Inca Colla hier herauf gefahren waren, desto mehr mussten Papa und Kristin mit der Höhe kämpfen – Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen waren wohl die vorherrschendsten Symptome, die die beiden hatten. Trotzdem waren sie fit genug, dass wir zwischen den dampfenden Wassersäulen hin und her wanderten und die Vicuñas und Andenmöwen beobachten konnten. Auch ein Bad in einem Thermalpool hätten wir hier noch nehmen können – in Anbetracht des doch eher ermatteten Zustands von meiner Schwester und meinem Papa, dem Wind und der Kälte, entschieden wir uns aber dagegen und fuhren auf dem schnellsten Wege bergab. In die Wärme und Sonne von San Pedro de Atacama – immer mit Blick auf den schönen Vulkan Licancabur.

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Geysirfeld “El Tatio”.

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Papa und seine Töchter.

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Andenmöwe.

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Vicuña auf der Flucht.

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Von den Geysiren nach San Pedro de Atacama.

In San Pedro auf 2.400m erholten sich die beiden recht schnell – und nach einer heißen Dusche und entspanntem Abendbrot sah alles schon wieder ganz gut aus. So planten wir für den nächsten Tag den Besuch des Städtchens und eine Tour auf den Salar de Atacama inklusive der wasserführenden Laguna Chaxa.

Wenn man – wie wir – den Salar de Uyuni besucht hat, wirken andere Salzseen natürlich ein wenig unspektakulär. Für meine Schwester und meinen Vater war es jedoch der erste Besuch eines Salzsees. Der Salar de Atacama ist mit einer Fläche von 320.000ha Chiles größter Salzsee, eine riesige Fläche voller eigentlich lebensfeindlicher, weißer Salzkristalle, die zum Teil in bizarren Formen den Boden bedecken. Nur an einigen Stellen gibt es Leben auf dem See, nämlich dort, wo sich das Wasser in Lagunen sammelt. Eine dieser Lagunen ist die Laguna Chaxa, eine bekannte Brutstätte für Flamingos. Aber auch Regenbogenpfeiffer, diverse Enten und andere Wasservögel lassen sich in den flachen Gewässern der Lagune beobachten. Besonders die Flamingos und ihre Spiegelungen auf dem stillen Gewässer der Lagune waren ein beeindruckendes Motiv vor der Kulisse der kargen Atacama-Berge.

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Laguna Chaxa auf dem Salar de Atacama.

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Der Chilenische Flamingo.

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Unsere kleine Reisegruppe.

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Zurück von dem Besuch der Lagune machten wir uns auf zur Erkundung des kleinen Hippie-Städtchens San Pedro. Florian und ich hatten vor ca. 2 Monaten hier schon einmal zwei kurze Tage verbracht und damals aufgrund unseres Bolivien-90-Tage-Problems eher weniger die Ruhe für Stadtbesichtigungen gehabt. Nun aber konnten wir das Bummeln durch die Erdgassen genießen. In San Pedro reiht sich ein kleines Geschäft an das nächste. Vor allem die entspannte Stimmung des Ortes lockt viele Touristen an und die Stadt ist völlig darauf eingerichtet. Es gibt unzählige Hostels, Restaurants und Souvenirläden – eigentlich viel zu touristisch für unseren Geschmack … . Aber die Leute sind nett, die Sonne schien – was will man mehr?! Wir ließen uns also von der Stimmung anstecken und schlenderten mit einem leckeren Waldfrucht-Eis zurück zum Campingplatz, um unseren vorerst letzten Abend in Chile zu verbringen.

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Die Hauptstraße von San Pedro de Atacama.

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Wir genießen die Wärme und Sonne in San Pedro.

Am nächsten Tag ging es für uns nämlich rauf auf den Berg – hinauf zum Paso de Jama zwischen Argentinien und Chile. Ein weiterer Höhentest für meinen Papa und Kristin. Obwohl der Pass “nur” auf 4.200m liegt, erreichte man zwischendurch Höhen von über 4.800m – ein echter Rekord für unsere beiden Besucher aus Deutschland! Und dieses Mal meisterten die beiden die Höhe schon viel besser. Während wir mit dem Pinzi im Schneckentempo den Pass erklommen, winkten wir im Vorbeifahren Christa & Johann zu, die wir in La Paz kennengelernt hatten. Papa und Kristin machten auf dem Weg nach oben immer wieder Pausen mit ihrem Camper, um nicht wie wir mit 25km/h den Berg hinauf kriechen zu müssen.

Als irgendwann eine konstant-bleibende Höhe erreicht war, konnten wir auch gemeinsam die karge Schönheit der Anden genießen: Bunte Berge, faszinierende Felsformationen und türkisfarbene Lagunen. Immer mal wieder kreuzte ein Graufuchs unseren Weg oder Vicuñas und Guanacos weideten die spärlichen Grashalme ab.

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Der Paso de Jama ruft Erinnerungen an die nahegelegene Lagunenroute in Bolivien bei uns hervor.

Die Grenzstation zwischen Chile und Argentinien lag dann bereits auf argentinischem Staatsgebiet. Hier hatten wir das große Pech, dass knapp vor uns zwei Reisebusse angekommen waren, die so wie wir nach Argentinien einreisen wollten. Und nun dauerte es einfach ewig …
Es bildeten sich lange und chaotische Schlangen vor den Schaltern der Grenzstation und die Tatsache, dass es nur einen chilenischen Zöllner für Ein- und Ausreise gab, verlängerte unseren Aufenthalt in dem schlecht-belüfteten Grenzhäuschen enorm. Dachten Florian und ich noch, dass unser Grenzbesuch zwischen Peru und Chile wohl der Längste werden würde, wurden wir hier eines Besseren belehrt, als wir nach über 2 Stunden endlich weiterfahren konnten.

Aber … alles hat wunderbar geklappt, trotz der langen Wartezeit. Nachdem es bei der Einfuhr der Ersatzteile mittels DATET in Santiago so große Probleme gegeben hatte, bereitete uns die vorgeschriebene Ausfuhr dieser Teile im Vorfeld etwas Kopfzerbrechen. Die Beamtin vom chilenischen Zoll war jedoch unglaublich nett und wollte die Ersatzteile nicht einmal sehen. “Ihr seht einfach vertrauenserweckend aus” hatte sie gesagt und uns mit einem Lächeln davon geschickt. Na dann Smiley.

Und so waren wir nun auch offiziell in Argentinien – alle Vier. Mit den letzten Sonnenstrahlen und bei heftigem Wind erreichten wir einen wilden Stellplatz mit Blick in ein Flusstal und feierten bei einem Pisco Sour und Gläschen Wein die Ankunft in unserem nächsten gemeinsamen Reiseland.

Viele Grüße und bis zum nächsten Bericht,

K+F

P.S.: Unser Abschluss-Fazit zu Chile schreiben wir vermutlich erst gegen Ende unserer Reise, denn auf unserem Weg nach Feuerland werden wir sicher noch mal nach Chile zurückkehren.

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2 Gedanken zu „Kreuz und quer durch die Atacama

  1. Familie Vofrei

    Na ihr ??? Wie geht es euch ???
    Die vielen Bilder sind echt wunderschön !!!!! Wir sind alle sehr begeistert von eurer Tour durch Süd-amerika und hoffen das es ein unvergesliches Erlebnis für euch ist /sein wird . Hier in Lavesum warten wir auf neue Einträge !!!! Viel spaß !!! 😉

  2. Wolfgang

    Wow, wieder einmal phantastische Bilder und ein toller Bericht. Zum Glück waren wir letztes Jahr schon dort 😉

    Viel Spass noch auf der Weiterreise und den letzten Etappen!

    Wolfgang/Tübingen

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