Peru in 17 Tagen

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30.08.2013 – 16.09.2013

(Departemento Puno: Yunguyo, Puno, Abra La Raya; Departmento Cusco: Cusco, Santa Teresa, Aguas Calientes, Machu Picchu, Cusco, durch das Hinterland von Cusco zum Colca-Canyon – Tambobamba, Quinota, Santo Tomas, Sibayo; Departemento Arequipa: Colca-Canyon, Arequipa, an die Küste Richtung Tacna, vorbei an Ilo, Tacna, Grenze zu Chile)

Peru – das letzte neue Land unserer Reise, und damit auch der letzte neue Einreisestempel in unseren Reisepässen. Das war irgendwie ein komisches Gefühl, sagte es uns doch einmal mehr, dass wir schon über die Hälfte unserer Reise erlebt haben. Während wir zu Beginn der Reise noch dachten, dass wir es vermutlich auch noch nach Ecuador schaffen würden, stand irgendwann fest, dass das ein utopischer Gedanke war. Bei unserer Art zu reisen, die sich dadurch auszeichnet, das wir wirklich langsam unterwegs sind und gerne auch mehr Zeit dort verbringen, wo wir es schön finden, stand ziemlich bald fest, dass wir wohl nicht weiter nach Norden kommen würden als Südperu.

Und genau dort sind wir am 30.08. angekommen – im Süden dieses großen Landes, der wirklich Einiges zu bieten hat.

Peru ist das Land der Inka. In keinem anderen Land haben wir das bisher so stark zu spüren bekommen wie hier. Man ist sehr stolz auf die Vergangenheit – und es ist nicht nur so, dass einem das Wort überall entgegenspringt (Inka Cola – Lieblingsgetränk der Peruaner, Inka Farma – eine Apotheken-Kette, Inka Caja – eine Bank, Inka Chips, etc.), praktisch jeder kleine Ort besitzt Ruinen und archäologische Stätten, die mit Schildern am Straßenrand angepriesen werden. Es gibt hier also Unzähliges zu entdecken.

Wir hatten aber von Vornherein ein limitiertes Zeitfenster für unseren Peru-Besuch. Ende September bekommen wir nämlich Besuch von zu Hause Smiley und darauf freuen wir uns riesig. Allerdings treffen wir den Besuch im Norden von Chile – und daher sitzt uns die Zeit hier in Peru seit langer Zeit mal wieder unangenehm im Nacken. Aber gut – der Besuch von zu Hause wiegt das mit Sicherheit auf.

Daher reisten wir, einen Monat vor der Ankunft des Besuchs in Chile, am Grenzübergang Kasani-Yunguyo von Bolivien nach Peru. Beim Grenzübertritt durch ein steinernes Tor betraten wir dabei nicht nur wieder ein anderes Land, sondern seit langem mal wieder eine andere Zeitzone. Peru hat zu dieser Jahreszeit einen Zeitunterschied von 7 Stunden zu Deutschland. Das bedeutete für uns nun, dass es morgens um 5.15Uhr hell und abends um 18Uhr schon wieder dunkel wird – nervig. Also passten wir unseren Tagesrythmus dem Licht an, standen nun immer um 5.30Uhr auf und sind dafür meist zwischen 21 und 22Uhr im Bett.

Bei der Einreise waren wir aber sehr froh, dass unsere Uhren noch um eine weitere Stunde zurückgestellt wurden, denn so standen unsere Chancen besser, dass wir noch vor der Mittagspause (in Peru ganz gerne von 12Uhr Mittags bis 16Uhr) in Puno ankommen würden. Denn ein Halt in Puno war zwingend notwendig, da Peru allen Autofahrern vorschreibt eine peruanische KfZ-Versicherung, die SOAT, abzuschließen. Das gilt natürlich auch für uns Reisende. Im Vorfeld kann man die SOAT nirgends abschließen. Erst im Land gibt es Versicherungsbüros, wo die verpflichtende SOAT auch Monats-weise abgeschlossen werden kann.
Aber … Smiley

… ein großes Problem für Reisende ist die Tatsache, dass das digitale SOAT-Programm, mit dem die Police erfasst wird, oft keinen Platz für ausländische Nummernschilder bietet. Das Programm ist genormt auf peruanische Autokennzeichen. Kommt ein Reisender mit einem ausländischen Kennzeichen daher, bzw. fährt ein für das System unbekanntes Auto (der Pinzgauer ist da auch ein Kandidat), kann die Police nicht ausgestellt werden. Also wollten wir diese Probleme möglichst umgehen und folgten den Hinweisen einiger anderer Reisender nach Puno. Dort gibt es ein Versicherungsbüro mitten in der Stadt, das – ganz altmodisch aber ungemein effektiv – die SOAT Police von Hand ausfüllt! Das heißt: Keine Probleme mit ausländischen Kennzeichen oder besonderen Autoherstellern.

Und so fuhren wir nach dem Grenzübertritt immer entlang des stahlblauen Titicaca-Sees mit seinem hier deutlich ausgeprägteren Schilfgürtel. Immer wieder lagen kleine Dörfer am Wegesrand und die Menschen grüßten ausgesprochen freundlich und oft schon von ganz alleine – etwas, das wir in Bolivien selten erlebt hatten. Kurz um, es gefiel uns schon mal sehr gut. Landschaftlich änderte sich erstmal wenig, aber direkt ins Auge stachen einem die in Peru typischen Moto-Taxis. Hierbei handelt es sich um zu Dreirädern umgebauten Motorrädern, die einer Rikscha gleich die Fahrgäste transportieren. Da sie der ganze Stolz ihrer Besitzer sind, werden sie mit allerlei Blinklichtern und Tuning-Zubehör “individualisiert”, was zur Folge hat, dass man sich irgendwie auf einen Jahrmarkt zum Autoscooter versetzt fühlt Smiley.

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Letzte Blicke auf den Titicaca-See.

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Moto-Taxis sind in Peru eines der Hauptverkehrsmittel.

Trotz der Stunde Zeitgewinn erreichten wir Puno und das Versicherungsbüro erst genau um 12Uhr Mittags, pünktlich zur Siesta, und standen vor verschlossenen Türen. Zu unserer Überraschung herrschte in der Stadt jedoch Hochbetrieb: Viele Leute waren auf den Straßen unterwegs, Musikkapellen marschierten durch die Gassen und auf Punos Plaza de Armas fand eine Parade der Policia Nacional statt. So viele Veranstaltungen an einem Freitagmittag kamen uns schon ein bisschen komisch vor. Ganz sicher, dass es kein “normaler Tag” war, waren wir uns aber erst, als uns ein Polizist in Parade-Uniform einen Flyer in die Hand drückte: Der 30.08. war nicht nur der Nationale Feiertag der Santa Rosa de Lima, der Stadtheiligen von Lima, sondern auch der Jahrestag des 25-jährigen Bestehens der Policia Nacional del Perú.
Wir waren also an einem nationalen Feiertag nach Peru gereist. Kein Wunder also, dass das Versicherungsbüro und viele andere Geschäfte geschlossen hatten. Bei einem Souvenirladen gegenüber sagte man uns aber, dass morgen früh alles wieder normal sein würde und so beschlossen wir gezwungenermaßen die Nacht in Puno zu verbringen.

Puno ist Provinzhauptstadt direkt am Titicaca-See. Besonders anziehend wirkt die Stadt auf den ersten Blick aber nicht, denn hier auf 3.830m herrscht noch immer das rauhe Hochlandklima mit gnadenlos scheinender Sonne am Tag und Temperaturen um Null in der Nacht. Mit all zu vielen Sehenswürdigkeiten gesegnet ist die Stadt leider nicht, stellt aber den Ausgangspunkt für viele (sehr touristische) Touren auf den Titicaca-See und seine Inseln dar – so zum Beispiel auch zu den schwimmenden Schilfinseln der Uros. Für uns stand aber fest, dass wir uns dort nicht lange aufhalten wollten – nur die eine Nacht bis zur Öffnung des Büros am Samstagmorgen.

Dabei gibt es in Puno zwei Adressen, bei denen mit dem eigenen Auto übernachtet werden kann: In einem für unseren Geschmack zu teuren Hotel, mit heißen Duschen, Strom und WiFi … oder auf einem staubigen Parkplatz mit keinerlei Infrastruktur für 2,70€. Wir entschieden uns für den Parkplatz in der Nähe des Hafens und stolperten so in eine bereits Mittags feucht-fröhliche Feier der Parkplatz-Besitzerin samt Freunden. Florian wurde gleich mit der Frage begrüßt, ob er denn nicht auch ein Bier mag?! Wir lehnten aber erstmal dankend ab, parkten das Auto auf dem großen, mit Mofas, Fahrrädern, Autos und fahrbaren Verkaufsläden zugestellten Hof und machten es uns gemütlich.

Es war ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Parkplatz – und oft blieben einige bei uns stehen und wir wechselten ein paar Worte mit den zum Teil schon recht angeheiterten Leuten. So kam es, dass wir am späteren Nachmittag mit Aldo und Zarina ins Gespräch kamen. Auch Aldo fragte uns nämlich, ob wir nicht Lust auf ein Bier hätten? Dieses Mal sagten wir nicht Nein, sondern kletterten zu Aldo und Zarina heraus und unterhielten uns mit den beiden, die den Feiertag und das Bier schon ganz gut genutzt hatten. Auf peruanische Art und Weise kreiste das Bierglas, welches sich alle Mit-Trinkenden teilen: Man füllt sein Glas, reicht die Flasche an den Nächsten weiter, trinkt das Glas aus und gibt das Glas an denjenigen mit der Bierflasche weiter. Fast ein bisschen wie das Mate- oder Terere-Trinken.

Erst nach fast 4L Bier konnten wir Aldo davon abhalten, noch weiteren “Nachschub” heranzuschaffen.  Es war wirklich sehr nett mit den beiden. Immer wieder kamen andere Leute dazu: Aldos Schwester, ein Freund von Aldo, der Parkplatzbesitzer. Alleine waren wir für die nächsten zwei Stunden nie. Wir erzählten viel über Deutschland, über unsere Reise und im Gegenzug erfuhren wir schon mal ein bisschen was über Peru und Puno, die Fische des Titicaca-Sees und ein paar Touristen-Highlights in der Gegend. Jedemenge Informationen Smiley . Wir waren dann aber doch ein wenig erleichtert … und beschwippst, als wir unsere Runde auflösten, denn erst nach fast 4L Bier konnten wir Aldo davon abhalten, noch weiteren “Nachschub” heranzuschaffen. So wurde uns völlig unverhofft ein ziemlich feucht-fröhlicher Empfang in Peru geboten Smiley.

Am nächsten Morgen überlegten wir uns spontan, dass ein Frühstück am Titicaca-See sicherlich netter wäre, als im staubigen Innenhof. Also fuhren wir die paar hundert Meter hinunter zum Hafen, packten unsere Frühstückssachen zusammen und suchten uns eine Bank in der Sonne, von wo aus wir einen Blick auf den See hatten.

So ließ sich die Zeit bis zur Öffnung des SOAT-Büros gut verbringen und pünktlich um 9Uhr standen wir wieder vor dem Büro – dieses Mal vor offenen Türen. Die sehr nette Frau füllte problemlos unsere Police aus und für nur 17€ waren wir nun für einen Monat in Peru versichert. Ein sehr erfolgreicher Morgen für uns, der sogar noch erfolgreicher wurde, als wir direkt am Ortsausgang Puno in die erste Polizei-Kontrolle gerieten und die Beamten gezielt nach der SOAT Ausschau hielten. Aber die konnten wir ja nun vorzeigen und unsere Fahrt Richtung Cusco konnte endlich beginnen.

Von Puno ging es über Juliaca, Pucará, Ayaviri bis zum La Raya-Pass, der nicht nur die Grenze zwischen den Departementos Puno und Cusco darstellt, sondern auch die Grenze zwischen Altiplano und den nun folgenden, weitaus fruchtbareren und bewachseneren Flusstälern Perus. Überall am Wegesrand wuchsen nun wieder Eukalyptus-Bäume und der unvergleichliche Duft hing in den Tälern, in denen die Menschen ihre Felder für die kommende Aussaat vorbereiteten. Hier wurden Äcker mit Ochsen gepflügt oder von Hand umgegraben und die verzweigten Bewässerungskanäle dazu genutzt, die Felder unter Wasser zu setzen. Überall herrschte geschäftiges Treiben, ganze Familien waren auf den Feldern unterwegs und wir merkten ganz deutlich, dass der Frühling in diesen Tälern schon Einzug gehalten hatte. Pfirsichbäume blühten, erste grüne Grashalme sprossen und in den Schafherden wurden die kleinen Lämmer geboren. Tolle Bilder und angenehme Temperaturen, die uns nach all der langen Zeit auf dem Altiplano richtig gut taten. Vorbei an den Thermen von Aguas Calientes, und der größeren Stadt Sicuani schafften wir es an diesem Tag noch bis ca. 100km vor Cusco, wo wir auf einem kleinen Feldweg neben der Straße, umgeben von Eukalypten und ihrem Duft die Nacht verbrachten.

Der nächste Tag führte uns nach Cusco, die ehemalige Inka-Hauptstadt. Die ca. 350.000 Einwohner zählende Stadt liegt im südlichen Hochland auf 3.430m Höhe und gehört angeblich zu den schönsten Städten Perus. Das ehemalige Zentrum des Inkareichs besitzt jedemenge präkolumbische und koloniale Sehenswürdigkeiten sowie eine reizvolle Altstadt. Noch immer ist das Herz der Stadt, wie schon zu Zeiten der Inka, die Plaza de Armas, die vor der Ankunft der Spanier noch doppelt so groß war. Heute ist es eine schöne, sonnige Plaza, mit großem Brunnen, bunten Blumenbeeten und vielen Bänken, von denen man hübsche Blicke auf den Platz, die Kathedrale, sowie die Jesuitenkirche Compañia de Jesús hat.

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Auf der Plaza de Armas mit Blick auf die Jesuitenkirche “Compañia de Jesus”.

Schon lange vor der Ankunft der Inka im Tal von Q’osqo (“Nabel der Welt”) lebten hier einfache Bauern, die von dem lebten, was ihre Felder und Lamas hergaben. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließen sich die Ayaren, die späteren Inkas, im gleichen Tal nieder. Ihr genauer Ursprungsort ist allerdings unbekannt, aber ihrer Mythologie zufolge stammen sie von der Isla del Sol im Titicaca-See. Die Bauern und Ayaren lebten zunächst friedlich nebeneinander, vereinigten sich sogar im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind aus dem Norden und schlugen ihn in den Flucht.
Verantwortlich für diesen Sieg und damit offizieller Gründer des Inkareichs war der Inka Pachacútec Yupanqui, der bis 1471 herrschte. Er wurde ebenfalls zum Gründer und Architekt der neuen Inka-Hauptstadt Cusco.

Nachdem Pachacútec das Reich Richtung Norden hin vergrößerte und Quechua zur Staatssprache, sowie den Sonnenkult zur Hauptreligion gemacht hatte, konnte sein Sohn Tupac Yupanki (1471-1493), und auch dessen Nachfolger Huayna Capác (1493-1527) das Reich der Inka festigen und ausweiten. Mit dem sich ausdehnenden Staatsgebiet und den Inkas als Großmacht und Hochkultur, wuchs auch die Bedeutung Cuscos. Hier entstanden gewaltige, goldverzierte Tempelanlagen, hier besaß der herrschende Inka seinen Hauptpalast und hier trafen sich die vier Hauptstraßen des  1 Mio. km2 großen Reiches.

1533, bei der Ankunft der Spanier, lebten rund 15.000 Menschen in Cusco. Francisco Pizarro ritt am 15. November 1533 kampflos in Cusco ein und fand die Stadt in ihrer Blütephase vor. Hemmungslos ließ er das Gold und Silber der Tempel und Paläste zusammentragen und einschmelzen. Wo er konnte, ließ er Gebäude der Inkas niederreißen und die Steine schleifen. Das Material benutzte er zum Bau von Kirchen oder neuen Wohnhäusern, welche als Zeichen der Dominanz auf den Inkaruinen errichtet wurden. Doch die neuen Gebäude fielen in der Folgezeit immer wieder Erdbeben zum Opfer – entgegen der Baukunst der Inka, die mit soliden und passgenau angefertigten Steinblöcken gearbeitet hatten – bauten die Spaniern nicht Erdbeben-fest.Peru 08

Die beeindruckende Steinmetzkunst der Inkas.

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Hier ein klägliches Beispiel der spanischen Versuche die Erdbeben-sichere Bauweise der Inkas zu kopieren.

In den Jahren nach der Eroberung dezimierten vor allem eingeschleppten Krankheiten die indianische Bevölkerung. Nur einmal noch versuchten die Inkas einen Widerstand gegen die Kolonialisten – und zwar unter der Führung von Manco Inca, der von Pizarro selbst als Marionetten-Herrscher  an die Macht gebracht worden war. Er belagerte die Spanier mit einer Armee von hunderttausend Soldaten mehrere Monate lang in Cusco. Durch eine entscheidende Schlacht in der Tempelfestung von Sacsayhuamán oberhalb der Stadt gelang es den Spaniern jedoch, das Inkaheer zu besiegen, wobei Cusco bis auf die Grundmauern niederbrannte. In der Folgezeit wurde Cusco immer unbedeutender, da sich die Aktivitäten der Spanier an die Pazifikküste verlagerten, wo Lima zur Hauptstadt des spanischen Kolonialreichs aufblühte.

Der Dornröschenschlaf Cuscos endete erst mit der Wiederentdeckung von Machu Picchu im Jahr 1911. Lange Zeit war Cusco nur mit dem Zug über Arequipa und den Titicaca-See zu erreichen. Dies änderte sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts, als mit den ersten regelmäßigen Flügen auch zunehmend mehr Ausländer nach Cusco kamen, das allmählich wieder zum Nabel der Welt wurde – diesmal allerdings der Touristenwelt.

Und wir reihten uns nun ein in diese Touristenströme, erreichten Cusco gegen Mittag und versuchten uns durch das Gewirr aus Einbahnstraßen zum einzigen Campingplatz durchzuarbeiten. Leichter gesagt als getan, denn nicht nur, dass es in Cusco vor Einbahnstraßen nur so wimmelt, zusätzlich gab es mal wieder Musikkapellen und Paraden, die durch die Straßen zogen, dadurch bedingte Straßensperren und eine Baustelle, die die einzige kürzere Möglichkeit zum Campingplatz endgültig versperrten. Nach 1,5h Umherirrens durch die Stadt entschieden wir uns für einen großen Bogen über den Cristo Blanco und die Ruinen von Sacsayhuamán, und standen endlich auf der Wiese des Campingplatzes Quinta Lala oberhalb von Cusco.

Alleine waren wir hier natürlich nicht, denn wie auch in La Paz das Hotel Oberland ist Quinta Lala ein Anlaufpunkt für Overlander mit eigenen Fahrzeugen. Hier trafen wir Franzosen (den netten Bernard und seine Frau Joëlle), Schweizer und Holländer und genossen das gute Wetter für die nächsten paar Tage. Auf dem Weg hierher waren wir durch Oropesa gekommen. Ein Ort, der für seine leckeren Weizenbrote (chutas) bekannt sein soll – welche, dank des Tipps, natürlich gekauft wurden. Unserer Meinung nach schmeckten die Brote allerdings eher wie weicher Zwieback, und so erklärten wir sie kurzerhand zum Futter für die freilaufenden Campingplatz-Hühner. Wir genossen also ein bisschen Freizeit, wollten uns die Stadt ansehen und uns außerdem auf unseren bevorstehenden Besuch von Machu Picchu vorbereiten.

Unsere Erkundungstouren durch die Stadt führten uns dank Geocache-Multi zu allen Plazas der Innenstadt. Wir verweilten gerne auf einer der Bänke der Plaza de Armas und sahen anderen Leuten beim Vorbeispazieren zu. Die blumengeschmückte Plaza ist damals wie heute das Zentrum der Stadt: Die Inkas feierten hier aufwendige Sonnenwendfeiern und hielten gewaltige Militärparaden ab, bei denen zum Beispiel die königlichen Mumien präsentiert wurden. Den Spaniern hingegen diente die Plaza mehr als Ort blutrünstiger Hinrichtungen im Zuge ihrer Inka-Unterwerfung. Zum Glück sind diese Zeiten aber lange vorbei – jetzt sind die Bänke in der Sonne schnell belegt und Verkäufer von Obst, gemalten Bildern oder Schuhputzer versuchen sich bei den Touristen ein paar Soles zu verdienen.

Ungewöhnlich für einen spanisch geprägten Platz ist in Cusco das Vorhandensein zweier Kirchen an der Plaza – der Kathedrale und der Compañia de Jesús. Besucht haben wir von beiden Kirchen nur die Kathedrale, die nach einhundertjähriger Bauzeit auf den Überresten des Viracochapalastes und Steinen der Sacsayhuamán-Festung errichtet wurde. Mit ihrem Grundriss gehört sie zu den größten Kirchen Südamerikas und beherbergt zwei weitere Besonderheiten: Zum einen ist an Feiertagen der Klang der sechs Tonnen schweren, größten Glocke Südamerikas (María Angela) weithin zu hören, und außerdem finden sich im Inneren der Kirche eine große Sammlung von Gemälden der Cusqueña Schule.

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Die Plaza de Armas mit Blick auf die Kathedrale und die “Compañia de Jesus”.

Die Escuela Cusqueña war die Malschule von Cusco. In der Kolonialzeit gab es in Lateinamerika eine starke Nachfrage nach religiösen Gemälden. Überall wurden neue Kirchen, Paläste und Klöster errichtet, für deren Ausstattung man diese Gemälde benötigte. Obwohl zwar viele Gemälde aus Europa nach Peru kamen, reichte das Angebot nicht aus und im späten 16. Jahrhundert begannen Vertreter kirchlicher Orden in Peru einheimische Talente zu fördern und auszubilden. So lernten einheimische Mestizen und Indígenas europäische Maltechniken kennen und begannen europäische Maler zu kopieren. Allerdings entwickelten die Künstler im Laufe der Zeit einen eigenen Stil, der europäische Elemente mit Motiven aus der eigenen Mythologie sowie der einheimischen Flora und Fauna verband. Die Künstler malten also biblische Szenen im Andenhochland, Heilige mit Mestizengesichtern oder goldgeschmückte Heiligenfiguren. Die katholische Kirche befürwortete den neuen Malstil, diente die Verbindung der indigenen Elemente in den Bildern der Akzeptanz des katholischen Glaubens bei den bekehrten oder noch zu bekehrenden Hochlandbewohnern.
Eines dieser herrlichen Gemälde der Cusqueña Schule in der Kathedrale ist ein Bild vom letzten Abendmahl, bei dem statt Opferlamm nun ein Viscacha auf dem Teller liegt und statt Wein Chicha, das fermentierte Mais-Bier, von Jesus und den 12 Aposteln getrunken wird Smiley.

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Abendmahl mit alternativer Speisekarte.

Wir erkundeten außerdem das San Blas Viertel Cuscos, wo viele neuere Gebäude auf den alten Inkamauern stehen. Die Passgenauigkeit der riesigen Steinblöcke ist faszinierend. Die mehrere Meter großen, leicht nach außen gewölbten Steinblöcke wurden individuell gefertigt und so bearbeitet, dass sie ohne Mörtel perfekt ineinander passen. Diese Bauweise ermöglichte es auch, dass die Inkamauern so widerstandfähig gegenüber Erdbeben waren.

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In den schmalen Gassen von Cusco.

Nachdem wir Cusco besichtigt und uns ausgiebig über den Besuch von Machu Picchu informiert hatten, ging es los in Richtung Urubamba-Tal. Das Urubamba-Tal war das heilige Tal der Inkas und außerdem landwirtschaftliches Produktionszentrum für die Bevölkerung von Cusco. Die ständige Versorgung durch den Río Urubamba mit Wasser, fruchtbare Böden, eine relativ geschützte Lage und geschickter Terrassenbau ermöglichten hier damals wie heute hohe Erträge. Das gesamte Tal am Flusslauf ist wunderschön, die Hänge werden auch heute noch von perfekt angelegten Terrassen überzogen und immer wieder weisen Schilder auf die in den Hügeln liegenden Inka-Ruinen hin. Der Río Urubamba ist dabei ein klarer Gebirgsfluss, der über große runde Kiesel dem Tal nach Norden folgt und von den Bewohnern immer wieder durch unzählige Kanalsysteme zu ihren Feldern geleitet wird.

Von Pisac, über Calca und Urubamba kommt man nach Ollantaytambo. Wer nicht aus Cusco mit dem Zug nach Aguas Calientes, dem Ausgangsort für Machu Picchu, fahren will, kann das auch von Ollantaytambo aus tun. Wir hatten uns nach unseren Überlegungen entschlossen den Zug gar nicht zu nutzen. Weder aus Ollantaytambo, noch vom Wasserkraftwerk Santa Teresa aus. Wir entschieden uns für die vermutlich günstigste Art nach Aguas Calientes zu kommen – zu Fuß Smiley. Dazu mussten wir aber zunächst über den Malaga-Pass auf die Andenostseite, denn Machu Picchu liegt bereits in tropischeren Gegenden und weitaus tiefer als Cusco. Gefühlt wollten die Serpentinen hinauf zum Pass und später hinunter kein Ende nehmen – für eine Strecke von 150km brauchten wir mehr als 5 Stunden. Anstrengend. Aber es lohnte sich, denn nachdem der Abra Malaga überwunden war, fuhren hinab in das tropische Tiefland in Richtung Santa Teresa.

Nach einer tropischen Nacht an den heißen Quellen Santa Teresas ging es am nächsten Morgen weiter zum Wasserkraftwerk Hidroelectrica. Von den Schweizern, die wir in La Paz kennengelernt hatten, wussten wir, dass es am Ende der Straße einen Parkplatz bei einem Privatmann gab, bei dem wir für 15 US$ das Auto unterstellen konnten. Also ließen wir den Pinzi hier zurück und machten uns mit Gepäck zu Fuß auf den Weg nach Aguas Calientes – immer an den Gleisen der Eisenbahn entlang.

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Am Río Urubamba entlang nach Aguas Calientes.

Eine herrliche Wanderung durch wunderschönen Wald und immer vorbei am hier noch ursprünglicheren Río Urubamba. Die tropischen Vögel riefen aus den Bäumen, manchmal gab der Dschungel Blicke auf Inkaterassen frei und immer wieder wanderte unser Blick nach oben an die Hänge, Richtung Machu Picchu. Die Zuglinie führt nämlich praktisch einmal um den Berg herum, auf dem – fast unsichtbar von unten – Machu Picchu thront.

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Endlich mal wieder sattes Grün und dichte Vegetation …

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… und ab und zu ein paar Inka-Terrassen, die aus dem Urwald ragen.

Nach 3 Stunden bei 30°C erreichten wir das sonst nur mit dem Zug zu erreichende Aguas Calientes. Der kleine Ort im Urubamba-Tal ist in den letzten Jahren zu einem ziemlich unkontrolliert wuchernden Städtchen für den Tourismus nach Machu Picchu geworden. Hostels, Hotels und Pensionen genauso wie Restaurants oder Bars sind wie Pilze aus dem Boden geschossen und machen den Ort aus – hier ist alles fest in Touristenhand. Unser Plan war es bei der Dirección Regional de Cultura die Einrittskarten für den morgigen Tag zu organisieren. Hocherfreut darüber, dass wir unsere Studentenausweise beim Machu-Picchu-Ticketkauf benutzen konnten und somit 142 Soles (ca. 39€) sparten, organisierten wir schnell die Bustickets und quartierten uns im Hostel Inti Pakarek direkt am Río Aguas Calientes ein. Ein sauberes Hostel, in dem unser Doppelzimmer mit Bad und heißer Dusche 50 Soles (ca. 14€) die Nacht kostete. Am Abend gingen wir in einem der unzähligen Restaurants Essen und fielen schon um 20Uhr ins Bett – schließlich sollte unser Wecker am nächsten Morgen um 4.45Uhr klingeln.

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Blick aus unserem Hostel-Zimmer.

Und das tat er auch. Draußen war es noch dunkel, aber ab 5.30Uhr fahren die Shuttle-Busse die 16 Kehren und 700 Höhenmeter hinauf zu den Ruinen … und wir wollten früh oben sein. Also reihten wir uns ab zehn nach 5 Uhr in die Schlange der wartenden Menschen ein. Um ca. 6 Uhr öffneten dann oben die Tore der sagenumwobenen Inkastadt auf 2.400m Höhe.

Machu Picchu, das erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, gehört heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Südamerikas. Jährlich strömen fast 1 Million Besucher auf den 1000m langen und ca. 500m breiten Bergrücken. Doch es ist nicht nur diese grandiose Lage der Ruinen inmitten steiler Berggipfel und tropischer Vegetation, die Machu Picchu weltberühmt gemacht haben, sondern auch, dass die Spanier nie von der Existenz Machu Picchus erfuhren. Ein großes Glück, welches nicht auf ein erfolgreiches Konzept der Geheimhaltung zurückzuführen ist, sondern vermutlich auf den Umstand, dass Machu Picchu mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits vor der Ankunft der Spanier von den Inkas verlassen worden war. Auch die Art der geschichtlichen Überlieferung der Inkas mag dazu beigetragen haben, denn die Inkas besaßen keine Schrift. Für Überlieferungen gab es sogenannte Quipucamayocs, Geschichtenerzähler, die die Geschichte mündlich weitergaben. Sie überlieferten allerdings nur offizielle und positive Versionen und ließen unangenehme oder unwichtige Details oft weg. Rebellierten zum Beispiel die Bewohner einer Stadt gegen die Inkaherrschaft, wurden sie bestraft und in Extremfällen ausgelöscht; weitere mündliche Überlieferung darüber wurden in den Augen der Inkas also unwichtig.
Vielleicht könnte also dies das Schicksal von Machu Picchu gewesen sein. Aber es gibt unzählige Theorien über die Ruinenstadt in den Bergen, die schon als Zufluchtsort der Sonnenjungfrauen, Landesresidenz der Herrscher, religiöses und astronomisches Zentrum für Gelehrte oder gar als eine Festung zum Schutz gegen Angriffe wilder Stämme aus dem Amazonasbecken galt. Wissenschaftlich abgesichert ist aber keine dieser Theorien.

Fest steht aber wohl, dass Machu Picchu ein bedeutendes heiliges Zentrum der Inkas war, das an einer strategisch wichtigen Stelle versteckt erbaut wurde. Der Intihuatana-Stein im Sonnenobservatorium der Stadt erlaubte den Astronomen der Inkas den Lauf der Sonne und der Planeten zu bestimmen, ebenso wie die Tageszeit und die Tage der Winter- und Sommersonnenwende. Er ist der einzige dieser Inka-Steine, der in Peru perfekt erhalten geblieben ist. In der Mitte des dreistufig-geschliffenen Felsblocks ragt eine Art massiver Messstab hervor, der auf die vier Himmelsrichtungen und die Neigung zum Äquator ausgerichtet ist.
Weiterhin konnten die Menschen der Stadt dank der Terrassenfelder und einer gesicherten Wasserversorgung autark überleben. Belegt ist auch, dass die Stadt, als sie verlassen wurde, noch nicht fertig ausgebaut war.

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Der Intihuatana-Stein von Machu Picchu.

Heute gilt Hiram Bingham als Entdecker der Stadt im Jahre 1911, auch wenn schon Dokumente aus dem 18. Jahrhundert zeigen, dass Machu Picchu als Ruinenstadt notariell erwähnt wurde. Hiram Bingham war jedoch derjenige, unter dessen Leitung die Ruinen zum ersten Mal richtig freigelegt und seitdem nicht mehr in Vergessenheit gerieten.

Der große Besucheransturm der letzten Jahre ging an der archäologischen Stätte jedoch nicht spurlos vorbei: Es gibt auf dem Gelände keine sanitären Eirichtungen oder Mülleimer. Außerdem ist ein zunehmender Befall mit Flechten festzustellen, der de Steinwände und –mauern in Mitleidenschaft zieht. Die UNESCO drohte vor einigen Jahren dem Schutzgebiet den Status als Weltkulturerbe abzuerkennen, falls die peruanische Regierung nicht umfassende Schritte zur Verbesserung der Situation einleiten würde. Als Reaktion darauf wurden 2011 beispielsweise die Besucherzahlen pro Tag auf 2.500 begrenzt.

Und am 07.09. gehörten wir zu den 2.500 Smiley. Mit Öffnung der Tore durften wir in die Stadt hinein, die sich über unzähligen Ebenen erstreckt. Der Morgennebel waberte noch über die Hänge und so brauchte die Sonne noch eine Weile, bis sie über der Stadt aufging. Diese Zeit nutzen wir, um die eher selten besuchte Inka-Brücke zu besichtigen. Hier überspannen ein paar Holzbalken einen breiten Felsspalt, welche im Angriffsfall weggezogen werden konnten und so den Zugang zur Stadt unmöglich machten.

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Die Inka-Brücke.

Zurück an einer der vielen Terrassenfelder, warteten wir auf den Sonnenaufgang. Überall an den umliegenden Hängen finden sich die durchdachten und völlig ebenen Terrassen, die zum Ausruhen und Verweilen einladen. Und selbst wenn sich die Stadt mit jeder neu-ankommenden Busladung Menschen langsam füllte, fand man dennoch immer wieder ein Fleckchen an dem man alleine war.
Mit Ankunft der Sonne wurde es langsam immer wärmer und es versprach ein erneuter heißer Tropentag zu werden. Wir machten uns nach der Erkundung der Terrassen und der Inkabrücke auf den Weg hinunter in die Stadt. Sie ist ein Labyrinth aus Häusern, Gassen und Gängen. Treppen führen auf die unterschiedlichen Ebenen und nie gibt es nur einen Weg irgendwohin. Es war also eine zum Teil anstrengende Wanderung durch die Ruinen und oft mussten wir unseren Lageplan zücken, um sicherzustellen, dass wir überall entlangkamen. Die Stadt sahen wir uns also eingehend an – warfen Blicke in die Paläste, Tempel und den Intihuatana, die Wohnhäuser und Werkstätten. Eine beeindruckende Anlage, deren Ruinen selbst ein gutes Bild von der perfekten Planung der Stadt und ihrer einmaligen Bauweise liefern.

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Um kurz nach 6Uhr lag die Stadt noch im Morgennebel.

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Wohnviertel in Machu Picchu.

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Der markante Huayna Picchu thront über der Stadt.

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An der Perfektion des Mauerwerks lässt sich die Bedeutung des Gebäudes erkennen.

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Blick aus dem Handwerkerviertel hinauf zum Wachhaus.

Nach 5 Stunden in der Stadt machten wir uns gegen Mittag auf den 14km langen Rückweg zum Pinzgauer. Noch eine weitere Nacht verbrachten wir an den Santa Teresa Thermen bevor es am nächsten Tag zurück nach Cusco ging. Besonders für mich ist mit dem Besuch der Stadt ein kleiner Archäologen-Traum in Erfüllung gegangen Smiley.

Lange wollten wir uns hier aber nicht mehr aufhalten, nutzen Cusco eigentlich mehr, um unsere Nahrungsmittel aufzustocken, denn für uns sollte es durchs Hinterland zu den großen Canyons weiter im Süden gehen. Der Cotahuasi und der Colca Canyon gehören mit ihren bis zu 3.600m tiefen Schluchten zu den tiefsten Canyons der Erde. Nur die Indus Gorge in Pakistan ist noch tiefer und damit der tiefste Canyon der Welt.

Die Route dorthin war schnell geplant – jedoch stellte sich am Ende des ersten Tages heraus, dass es in Wirklichkeit wohl einige der Straßen, die uns in der Route empfohlen wurden, so aber gar nicht gab. Schade. Also mussten wir kurzfristig umplanen und ließen den Cotahuasi Canyon aus und richteten uns weiter nach Osten in Richtung Chivay und dem Colca Canyon. Vor uns lagen nun also insgesamt vier anstrengende Fahrtage, die uns von Tambobamba, Suckuytambo und Sibayo in Richtung Chivay brachten. Es war vor allem so anstrengend, weil die Straßen durch das Hochland nicht einfach nur geradeaus laufen – Kurven und Kehren bestimmen hier das Straßenbild. Immer wieder ging es in tiefe Flusstäler hinein, nur um auf der anderen Seite in endlosen Serpentinen wieder 2.000m an Höhe zu gewinnen. Es verwunderte also nicht, dass unser Tagesdurchschnitt oft bei nur 25km/h lag. Die Landschaft war aber fantastisch, vor allem das Flusstals des Apurimac hat uns gut gefallen.

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In endlosen Serpentinen kriechen wir die Hänge hinauf und hinunter.

Ein Besuch des Colca Canyons kostet rund 70 Soles pro Person (ca. 20€) – das war uns aber ein wenig zu teuer, dafür, dass man einer Straße am Rande des Canyons folgt. Also versuchten wir – nach einem Tipp unseres Reiseführers – erneut die günstigste Methode zu wählen. So kamen wir also von Sibayo in den Canyon, fuhren an der untouristischen Nordseite bis Lari und überquerten dort die Brücke nach Maca, um weiter bis kurz vor den Aussichtpunkt Cruz del Condór zu fahren. Die Hänge sind hier übersäht mit terassierten Feldern, die in dieser Gegend schon lange vor der Inkazeit angelegt wurden.

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Seit Jahrtausenden wird auf den terrassierten Hängen des Colca-Tals Ackerbau betrieben.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir die Touristen-Kontrollstelle hinter Pinchollo … und wie unser Reiseführer beschreibt, gab es dort so spät am Nachmittag einfach keine Kontrolle mehr. Wir hatten also Glück und kamen ohne 70 Soles pro Person zu unserem Platz für die Nacht.

Unser Schlafplatz war dabei strategisch gewählt. Ebenfalls ein Aussichtpunkt über der tiefen Schlucht, unweit vom jeden Morgen von Touristen überlaufenen Cruz del Condór. Die Nacht hier war herrlich und ruhig. Der Mond schien hell und die Schneefelder auf den gegenüberliegenden Bergen leuchteten in der Dunkelheit. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und erwarteten die Kondore. Die sollen sich in diesem Gebiet der Schlucht ganz verlässlich ab 8.30 bis 10.30Uhr zeigen. Kein Wunder, dachten wir, da als “Köder” überall auf den umliegenden Wiesen tote Kühe, Esel und die Reste eben dieser herumlagen. Und tatsächlich kamen ab 8.30Uhr die Kondore – leider wenige und sehr weit weg. In der Ferne brannte ein Hang und wir vermuten, dass die größten Raubvögel der Welt vom Feuer angelockt wurden.  Nach ihrem kurzen Auftritt zu Beginn verschwanden alle Kondore in Richtung des brennenden Hügels und waren leider nicht wieder gesehen. Umso besser, dass wir keine 40€ dafür gezahlt haben Smiley.

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Nur an wenigen Stellen kann man den Río Colca am Grund der Schlucht sehen.

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Wir warten auf den Kondor …

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… genau wie hunderte andere Touristen auf einem Hügel neben uns.

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Vergrößert lässt er sich erkennen – aber für ein wirklich gutes Foto waren sie einfach zu weit weg.

Und so rollten wir gen Westen aus dem Tal heraus, der Panamericana und Arequipa entgegen. Endgültig verließen wir nun die hochgelegenen Regionen Perus und näherten uns, nach unzähligen Kilometern durch trockenste Wüste, in der nicht mal mehr Kakteen wuchsen, den unwirklichen Feldern des Panamericana Örtchens El Alto. Hier wird Landwirtschaft im großen Stil betrieben – Mais, Gurken, Kürbis, Zuckerrohr. Die Sonneneinstrahlung und Temperatur stimmen. Was fehlt ist das Wasser, welches in großen, künstlichen Bewässerungskanälen herangeführt wird. Bewässerungsschläuche liegen an jeder Pflanze und das Grün der Felder steht in krassem Kontrast zur umliegenden Wüste. Der Spruch “Ohne Wasser, kein Leben” wird einem hier sehr deutlich vor Auge geführt.

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Durch die Küstenwüste nach Arequipa.

Da wir in der Küstenwüste keinen passenden Platz mehr für die Nacht fanden, fuhren wir direkt nach Arequipa und quartierten uns im Hostel Las Mercedes ein – ebenfalls eine Übernachtungsmöglichkeit, wie in Cusco oder La Paz, und hervorragend um andere Reisende zu treffen. Die Holländer Coen und Karin-Marijke waren schon da (seit 2003 auf Weltreise), ebenso wie ein weiteres Holländerpaar und Franzosen. Alle sehr nett und vor allem mit Coen und Karin-Marijke haben wir zwei richtig nette Overlander kennengelernt. Wir genossen am ersten Abend hier die heißen Duschen und die Tatsache, dass ein sehr guter Supermarkt nur 200m entfernt war Smiley.

Doch wir waren ja nicht nur zum Duschen und Einkaufen nach Arequipa gekommen. Arequipa liegt am Río Chili und seine Einwohnerzahl nähert sich der Millionengrenze. Das historische Zentrum ist bekannt für seine Klöster, Kirchen und Kolonialbauten und wurden im Jahre 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Sillar, ein poröses, helles Tuffgestein, aus dem sehr viele Gebäude im Stadtzentrum gebaut sind, hat Arequipa den Beinamen Ciudad Blanca – die weiße Stadt – eingebracht. Zum Stadtbild gehören aber ebenso die Vulkane der Chachani-Gruppe, sowie der Bilderbuch Vulkan Misti, die die Dächer der Stadt überragen. Überhaupt ist das Departemento Arequipa von Vulkanen geprägt – 167 von insgesamt 401 Vulkanen Perus sind hier beheimatet, davon 7 aktive. Fast täglich werden also kleinere Erdstöße in Arequipa und Umgebung registriert.

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Ein Blick auf die Plaza von Arequipa.

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Über den Dächern des Klosters Santa Catalina thronen (links) die Chachani-Gruppe, sowie der Vulkan Misti (rechts).

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Die Iglesia de la Compañia mit ihrem Mestizo-Barock-Portal.

Hierher gekommen waren wir unter anderem auch wegen dem vielleicht einmaligen Kloster Santa Catalina. Die Geschichte des Klosters in Arequipa beginnt im 16. Jahrhundert, als die Kapazität der drei existierenden Klöster von Arequipa nicht mehr ausreichte. Immer mehr reiche, spanische Familien wollten, wie zur damaligen Zeit in Spanien üblich, ihre zweitgeborenen Töchter in ein Kloster stecken. Daher gründeten die Dominikaner 1579 das Monasterio de Santa Catalina, das sie im 17. Jahrhundert aufgrund starker Nachfrage auf 20.000 m2 erweiterten. Sie umgaben den Komplex mit einer hohen Mauer, um die Nonnen von den Verlockungen der Außenwelt abzuschirmen. So entstand eine Stadt in der Stadt, ein eigenes koloniales Viertel, das bis heute hinter hohen Sillarmauern versteckt ist. Strenge Auswahlkriterien bestimmten, wer in das Kloster aufgenommen werden durfte. Eine Chance hatten nur Töchter der reichsten spanischen Familien, denn die Frauen mussten beim Eintritt in das Kloster eine hohe Mitgift entrichten. Den bis zu 300 Nonnen fehlte es dann jedoch an nichts: Sie lebten in luxuriös ausgestatteten Zimmern und hatten mehrere Dienerinnen, die ihnen Alltagsarbeiten abnahmen.

Heute leben hier nur noch 24 Nonnen, auf deren Wunsch sich das Kloster 1970 der Welt öffnete. Die einst weißen Sillarmauern sind heute in knallbuntem Blau oder Rostrot gestrichen, was der Anlage einen fröhlichen Anstrich verleiht. Auch die vielen Innenhöfe mit Blumen, Beeten, Springbrunnen und Bäumen lockern das Bild eines abgeschotteten Klosters auf. Man fühlt sich mehr in ein spanisches Bergdorf versetzt, als in ein katholisches Kloster.

Für den Rundgang durch das weitläufige Kloster mit seinen vielen Gemächern brauchten wir gute zwei Stunden. Immer wieder gab es neue Ecken zu entdecken, da das Kloster nach diversen Erdbeben der Region immer wieder auf- und umgebaut wurde. Wir besuchten die Lokutorien, die Sprechräume der Nonnen, in denen die Ordensschwestern durch zwei Holzgitter gelegentlich Kontakt zur Außenwelt aufnehmen konnten. Den Nonnen mangelte es hier wirklich an nichts – sie besaßen nicht nur 2-3 Zimmer plus Küche in einem eigenen kleinen Innenhof, sondern das komplett ausgestattete Kloster verfügte weiterhin über eine Bäckerei, eigene Brunnen, Lagerräume, eine Krankenstation, eine Wäscherei, Gemüsegärten, ein Schwimmbad, einen Friedhof und die Kirche. Ein beeindruckendes koloniales Bauwerk, das bei strahlendem Sonnenschein zum Entdecken einlud.

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Im Kloster Santa Catalina.

Nach der Besichtigung des Klosters schlenderten wir durch die nette Innenstadt Arequipas und verweilten an der Plaza, bevor wir irgendwann zurück zu unserem Auto liefen. Im Las Mercedes kamen mit uns neue Reisende an – darunter das sehr nette Schweizer Paar Susi und Ruedi, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstanden. Witzigerweise hatten wir ihren OKA schon im Nationalpark Torotoro in Bolivien gesehen. Es war also schön, auch mal die beiden Fahrer dazu kennenzulernen Smiley.

Doch schon am nächsten Tag hieß es für uns wieder Aufbruch. Der Besuch aus Deutschland rückte näher und wir wollten noch einen kurzen Blick auf Perus im Winter oft Nebel-verhangene Küste werfen. Also fuhren wir von Arequipa hinab in die trübe Suppe bei Islay, folgten der Costanera über Mollendo und Mejía, wo die reichen Arequipeñer ein Sommerhäuschen haben, und suchten uns die Playa Wawakiki für die Nacht aus. Ein bisschen trübselig war es dort im Nebel, und das Rauschen der Wellen und die Schreie der Grey Gulls wären im Sonnenschein einfach doch irgendwie schöner gewesen. Große Seesterne lagen am Strand verteilt, ebenso wie die Panzer erbeuteter Krebse. Trotzdem gefiel es uns hier eigentlich gut – immerhin waren wir am Pazifik, und hatten vom Atlantik in Uruguay bis hin zur Playa Wawakiki am Pazifik einen Kontinent durchquert Smiley.

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Endlich am Pazifik – auch wenn das Wetter wie erwartet schlecht war.

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Seesterne am Strand.

Dass wir schon am nächsten Tag die Grenze nach Chile überqueren sollten, wussten wir morgens noch nicht. Diese Idee ergab sich erst im Laufe des Tages spontan – als es plötzlich erst 15Uhr war, aber all unsere Besorgungen in Tacna schon erledigt waren. Also verstauten wir ca. 3km vor der Grenzestation Santa Rosa alles “Grenz-fest” im Auto, nahmen unsere Pässe und das Dokument fürs Auto in die Hand und verließen, nach viel zu kurzen 17 Tagen, das schöne Peru in Richtung Chacalluta, Chile.

Viele Grüße und bis bald,

K+F

Fazit: Peru ist ein faszinierendes Land. Kulturell und auch landschaftlich gibt es hier Unmengen zu entdecken. Die Menschen sind ausgesprochen nett … die Hunde aber furchtbar. In keinem anderen Land haben wir bisher so aggressive Hunde erlebt, wie in Peru – aggressiv bellend kamen sie oft aus dem Nichts, jagten völlig außer sich sie hinter unserem Auto her und kläfften sich die Lungen aus dem Leib. Wir waren sehr froh ihnen niemals beim Wandern zu begegnen. Leider war unsere Zeit hier sehr kurz – viel zu kurz für die Fülle an Entdeckungen, die wir hätten machen können. Aber diese Entscheidung wurde uns abgenommen und so bleibt uns noch viel nachzuholen, wenn wir wiederkommen – auf unserer nächsten Peru-Reise Smiley.

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