Endlich unterwegs … durch Uruguay

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10.02.2013 – 21.02.2013

Es sind einige Tage vergangen, seit wir Las Piedras bei Montevideo verlassen haben (10.02.) und nun den Alltag mit dem Pinzi leben und zwar so, wir wir wohl in den nächsten Monaten hauptsächlich unterwegs sein werden. Und daran muss man sich natürlich erst mal wieder ein bisschen gewöhnen: Bewährt sich unser “Wohnungsausbau”? Wo haben wir noch mal die Magneten für’s Moskito-Netz hingetan? Und wo das Gaffa-Tape?

All solche Sachen haben wir in den ersten paar Tagen noch mal wieder erkunden und erproben müssen … doch mittlerweile werden wir entweder immer entspannter, was das Suchen der Sachen angeht, oder aber wir wissen einfach tatsächlich wo das ist, was wir suchen Smiley.

Manche fragen sich vielleicht, ob man bei einem Jahr Zeit nicht einfach noch ne Weile bei Michael und Melanie in Las Piedras hätte bleiben können (schließlich gab’s ne ultra-heiße Dusche, Internet, ab und zu ein Grillfest und lustige, interessante Leute) … aber ehrlich gesagt waren wir sehr froh, dass wir endlich losfahren konnten, nachdem der Pinzi wieder in unserem Besitz war! Auch wenn wir uns dort sehr wohl gefühlt haben, zum Einkaufen mitgenommen wurden und Teil der Familie waren, saß man auf der Farm einfach irgendwie fest. Wir haben uns entschlossen, dass man das Ganze ganz gut mit dem “Dschungel-Camp” vergleichen konnte (sofern wir da überhaupt ‘ne Aussage drüber treffen können): Man war in einem fremden Land, umgeben von völlig fremden Landschaften und Sehenswürdigkeiten, aber irgendwie saß man in diesem “Camp” fest und konnte nicht an der “Welt da draußen” teilnehmen. Und so finden wir es wunderbar, dass wir jetzt endlich los gekommen sind und die “Gegend erkunden” können Zwinkerndes Smiley.

Unsere erste Erkundungstour führte uns – nach ein wenig Unschlüssigkeit – an die Ost-Küste Uruguays. Das Wetter war einfach zu warm und zu herrlich, als dass man bei durchschnittlich 30°C im Inland schwitzen wollte. Wir entschieden uns also dafür bei 30°C am Meer zu schwitzen Smiley und fuhren, wie von Eduardo, unserem lustigen Zollagenten, und Mariela, einer ehemaligen Gast-Wissenschaftlerin der Cilian AG, empfohlen in Richtung La Paloma und Cabo Polonio.

Wenn man Montevideo, und vor allem auch das High Society Örtchen Punta del Este, hinter sich gelassen hat, wird die Landschaft weitläufiger. Auf den riesigen grün-grauen Grasweiden (überall stehen dabei Schilder, dass man sich selbst auch ganz locker 3-4 Hektar Farmland kaufen kann) tummelten sich die Rinder, Pferde oder Schafe. Unterbrochen werden die eingezäunten Weiden dabei meist immer mal wieder von Eukalyptusgruppen und angelegten Wasserlöchern. Ehrlich gesagt gibt es hier soooo viele Eukalyptusbäume, dass manchmal nicht nur die Luft schon danach duftet, sondern dass man sich rein optisch auch wieder nach Australien versetzt sieht. Uns gefällt’s Smiley.

Unsere erste Nacht “in Freiheit” Zwinkerndes Smiley verbrachten wir direkt hinter den Dünen in La Paloma am Meer und wurden Abends noch von ein paar Anglern begrüßt … es war ruhig, es war warm, wir hatten Wein … und als es dunkel wurde fielen plötzlich die Mücken über uns her. Unglaublich – eine solche Menge Mücken habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Wir mussten ins Auto flüchten, während die Biester richtig laut draußen vor den Mückengittern surrten. Man, war ich da froh über die Mückengitter der Pinzi-Fenster. An dieser Übernachtungsstelle sahen wir am nächsten Morgen auch unsere ersten zwei Nandus … leider waren sie zu weit weg für unsere Kameras.

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Nach der Nandu-Sichtung sollte es dann weiter nach Cabo Polonio gehen, einer Hippie-Surfer-Fischer-Siedlung ohne Strom in unmittelbarer Nähe zu recht imposanten Wanderdünen. Nur hatten sich das wohl jede Menge anderer Leute auch überlegt (war ja leider auch Feiertag). Das ziemlich neu wirkende Nationalpark Gebäude und sein dazugehöriger Parkplatz, platzten nur so vor Leuten und Autos, die alle mit alten DDR IFA-Lastern durch die Dünen zum Örtchen gekarrt werden wollten … und darauf hatten wir keine Lust. Ein Weg ins Dorf, den wir hätten nehmen können, war (wohlmöglich in Voraussicht der Menschenmassen) bereits abgesperrt. Und somit fuhren wir nicht nach Cabo Polonio.

Doch wir konnten es sehen, von dort, wo wir dann die nächsten drei Tage verbrachten – und endlich ein Urlaubsgefühl entwickeln konnten (11.02.-13.02.). Denn unser Weg (ausgeguckt im Navi) führte uns nach Aguas Dulces – eine Art argentinisches Touristen-Nest direkt am Meer mit vielen kleinen zusammengeschusterten Hütten, die zum Teil aussehen, als hätte man das Treibgut vom Strand verbaut. Jedenfalls fuhren wir einmal durch den Ort und folgten dann einer Straße in den lichten Buschwald, welcher irgendwann endete. Nur noch ein paar Fahrspuren schlängelten sich hier und da in Richtung Meer und Dünen – und einer davon folgten wir und landeten so nördlich des Ortes in einer richtig schicken Sanddünen-Landschaft, hatten das Meer in 150m Entfernung und genossen den Wind und das Fehlen von Moskitos. Einzig und allein unsere begrenzten Frischwasser- und Essens Vorräte haben uns hier wieder vertrieben. Aber … richtig schön war’s und ein bisschen Bräune hat’s uns auch gebracht.

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Ab dann ging’s mit nur ein paar Zwischenstopps weiter – Vorräte und Wasser auffüllen in Castillos (hier den netten Prof. Maximino López getroffen) und einen Abstecher in den vom Militär verwalteten Nationalpark Santa Teresa … ‘ne witzige Sache: Das Ganze glich eher einem vom Militär betriebenen Campingplatz (überall gibt es ausgewiesene Camping-Areale) mit seinen gepflegten, Palmen-gesäumten Alleen und den durch den ganzen Park führenden Straßen, die – wenn man will – jede Sehenswürdigkeit auch mit dem Auto erreichbar machen. Hier steuerten wir erst mal den Mirador de Mangrullo an (einen mehr oder weniger spektakulären Aussichtspunkt, auf dessen Aussichtsturm einen eine Treppe aus zusammengeschweißten Wasserrohren führte) und danach fuhren wir zur Hauptattraktion des Parks, die Fortaleza Santa Teresa … ein 1762 von den Portugiesen begonnenes und 1792 durch die Spanier beendetes Fort, an dessen Mauersteinen unterschiedlichste Flechten und Moose wuchsen, die dem Fort seine charakteristische orangene Farbe verleihen. Schade nur, dass es hier während unserer Besichtigung dauerhaft regnete, so dass wir unseren Besuch des Forts beschleunigen mussten! Zwinkerndes Smiley

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Hier im Nationalpark sahen wir dann auch vorerst zum letzten Mal den Atlantik (wird wohl hoffentlich ‘ne Weile dauern, bis wir wiederkommen) – denn nun führte uns unsere weitere Reise auf relativ direktem Wege durch Uruguays Inland in Richtung Salto, wo wir die Grenze zu Argentinien überqueren müssen (bei der temporären Einfuhr eines Wagens ins Land, mussten wir im Hafen von Montevideo bereits festlegen, an welchem Grenzübergang wir Uruguay wieder verlassen werden). Um euch ein Bild von Uruguays Inland geben zu können, können wir die folgenden Dinge nur wiederholen: Es gibt kilometerweite Wiesen und Weiden mit hier und da empor-ragenden Eukalyptus-Inseln, alle fein-säuberlich umrahmt von Weidezäunen, auf denen entweder Kühe, Schafe, Pferde oder auch gerne alles zusammen grast. Und Nachts … einen unglaublichen Sternenhimmel (14.02.).

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Die Leute hier sind überaus freundlich und jedes vorbeikommende Auto bzw. jeder im Vorgarten stehende Mann oder vom Einkauf zurückkehrende Frau grüßt einen mit gehobenen Hand … wir finden es großartig Smiley und denken oft daran, wie es wohl wäre, wenn es das auch in Deutschland gäbe.

Aber Uruguays Inland hat nicht nur Weiden, Vieh und nette Leute, sondern auch einen relativ großen Stausee (Rincon del Bonete), der ebenfalls auf unserem Weg nach Westen lag. Windig war’s dort … aber das trifft auf Uruguay oft zu und hat ja auch den ein oder anderen Vorteil: Zum einen wurde unsere hier gewaschene Wäsche in Windeseile trocken und zum anderen gibt’s bei solchen Winden einfach auch keine Mücken!

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Da wir nun nach gut einer Woche unterwegs mit dem Gedanken spielten mal endlich auf einen Campingplatz zu gehen, fiel unsere Wahl auf den Campingplatz in Guichon, bei den Termas de Almiron … leider hatten wir da unsere Rechnung ohne das Wetter und die eindeutige Tatsache gemacht, dass heiße Quellen bei einer Außentemperatur von 36°C vielleicht doch ein wenig “too much” wären … aber egal … es war trotzdem nett auf dem Campingplatz (etwas über 3 Euro pro Person, inklusive Auto, Duschen und Eintritt in die Thermen), man konnte die Hängematte zwischen die Eukalypten spannen und die Uruguayer ein bisschen am Wochenende erleben, während wir immer mal wieder das eine oder das andere Bein in unser kaltes Fußbad stellten (16.02.).

In der Nacht auf dem Campingplatz kam dann das erste Gewitter … und der dazugehörige Regen. Leider würde sich dieser Regen dann auch für die nächsten vier Tage halten, so dass es relativ wenig zu berichten gibt, während wir und der Pinzi uns unserem Ziel, dem Grenzübergang von Salto, näherten.

Unser vorletzter Halt in Uruguay waren dabei erneut die heißen Thermen bei San Nicanor (19.02.) … und bei Außentemperaturen von nur ca. 16 bis 18°C waren die warmen Thermalbecken einfach großartig. Und nicht nur das – zudem waren wir auch die einzigen Gäste auf dem Campingplatz (ein wirklich weitläufiges Gelände mit WiFi-Internet inklusive) und wir hatten praktisch alles für uns alleine. Man merkte halt deutlich, dass sich hier der Sommer dem Ende zuneigt und man sich bereits in der Nebensaison befand. Aber … nur gut für uns Smiley. Ein weiteres Highlight, wenn auch bei mir eher mit einer Gänsehaut verbunden, war die Sichtung einer – Gott sei Dank schon toten und eher kleinen!!! – Vogelspinne … ihr Körper lag am Eingang zu den Duschen und man kam immer, immer wieder dran vorbei. Bereits einen Tag später sichteten wir dann auch das erste lebendige Exemplar.

Zwei Tage später war es dann also soweit, wir wollten den Grenzübergang Salto-Concordia in Angriff nehmen (21.02.). Zwar hat uns Uruguay wirklich gut gefallen, das mittlerweile aber doch eher nervige Regenwetter mit nassen Klamotten und Schuhen war auf 4m2 langsam nicht mehr so lustig … außerdem sollte es ja auch langsam mal weiter gehen mit unserer Reise.

Der ganze Grenzübergang befindet sich mittlerweile komplett auf argentinischer Seite des Rio Uruguay, den wir über die Staumauer überquerten. Vor der eigentlichen Grenze staute sich eine Reihe Autos und aus jedem stieg eine Person aus, um in das Grenzgebäude zu gehen … so auch wir. Ein bisschen nervös waren wir, da bei den Behördengängen in Uruguay eine eher miesgelaunte Sachbearbeiterin der Immigrationsbehörde in Montevideo Florians Ausreise-Dokument einfach einbehalten hat … da half damals gar nichts, er bekam stattdessen nur eine Art Ausdruck, der weder gestempelt noch – unserer Ansicht nach – gleichwertig ausgefüllt war. Wir hatten uns also schon ein paar Sätze Spanisch zurecht gelegt, um genau dieses Problem zu schildern, als wir an den Tresen der freundlich-lächelnden, Mate-trinkenden Zöllnerin (bei den Uruguayern: alle in zivil; bei den Argentiniern: alle in Militär-Klamotten) traten. Sie warf einen Blick auf alle Dokumente (ihr war das fehlende Ausreise-Dokument Florians völlig egal), stempelte unseren Pass und wir waren fertig. Nur der Pinzi brauchte ein bisschen länger, da hier der uruguayische Zöllner erst noch mal von Hand ein Dokument aufsetzen musste, um die offizielle Ausfuhr des Fahrzeugs zu bestätigen. Als auch das erledigt war, konnten wir rüber zum nächsten Schalter, um nach Argentinien einzureisen. Und auch hier scherten sich die Zöllner eher weniger um unsere vielen, vielen deutschen Dokumente und stempelten unsere Pässe. Nach einem kurzen, freundlichen und interessierten Blick in das Pinzi-Innere und der Frage nach mitgeführtem Obst/ Gemüse/ Milch- oder Fleischprodukten wünschte uns der Zöllner eine gute Reise und wir waren alle zusammen offiziell nach Argentinien eingereist.

Und nun erleben wir dann ab jetzt argentinische Abenteuer,

bis demnächst,

Katja & Florian

Kurz-Fazit Uruguay: Schönes Land mit richtig netten Leuten, wenn auch zum Teil wesentlich teurer als Deutschland – vor allem, was das Essen angeht. Kosten 1,5L Wasser in der PET-Flasche in Deutschland 19ct, musste man hier umgerechnet 60ct dafür zahlen. Auch Käse oder Wurst und auch Bier sind hier definitiv teurer. Sparen kann man dann allerdings wenn man sich nur von Brot und/ oder Fleisch ernährt. Dazu müssen wir aber sagen, dass wir in Uruguay auch nur in Supermärkten einkauften. Gut möglich, dass es auf Märkten günstiger ist … aber wir haben einfach keine gefunden.

Retrospektiv hätten wir noch mehr Zeit an den schönen Stränden der uruguayischen Ostküste verbringen sollen. Das war einfach herrlich … aber das Wetter hat uns hier natürlich auch gut mitgespielt. Das Inland mit seiner Weite und den vielen Weiden ist zu Beginn überwältigend – vor allem auch die sichtbaren Sterne. Auf die Dauer wird wird die Landschaft dann jedoch auch eintönig. Dennoch sind wir erst schon mal begeistert von der entspannten Grund-Stimmung und Freundlichkeit des Landes.

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Ein Gedanke zu „Endlich unterwegs … durch Uruguay

  1. Ingrid Brinkert

    Hallo ihr zwei,
    ich habe gerade euren zweiten Bericht über Uruguay gelesen. Das hört sich alles wunderschön an, außer das mit der Vogelspinne.
    Weiterhin viel Spaß.
    Mama

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